EU sieht hohe Abschreibungsrisiken bei Banken

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Die Abschreibungen der großen europäischen Banken in den Jahren 2009 und 2010 könnten sich im schlimmsten Fall auf 400 Milliarden Euro belaufen. Das geht aus den beim EU-Finanzministertreffen in Göteborg vorgestellten Ergebnissen eines europaweiten Stresstests hervor.

In den vom Ausschuss der europäischen Bankaufsichtsbehörden (CEBS) durchgeführten Test waren 22 große, grenzüberschreitende Kreditinstitute einbezogen. Ein Gesamtverlust von 400 Milliarden Euro sei allerdings nur dann zu erwarten, wenn sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten deutlich schlechter entwickle als bisher erwartet, heißt es in dem Papier.

"Der Schluss ist, dass unsere Banken ausreichend kapitalisiert sind", sagte der schwedische Finanzminister Anders Borg in Göteborg nach Beratungen mit seinen europäischen Amtskollegen. Das Verlustszenario umfasst den Zeitraum 2009/10 und geht von sehr schlechten Wachstumserwartungen für die EU aus. Inzwischen haben sich jedoch die Konjunkturerwartungen etwas gebessert. Bei Stresstests wird die Widerstandsfähigkeit von Banken auf die Probe gestellt.

Pröll hält Stresstest für "ermutigend"

Finanzminister Vizekanzler Josef Pröll hat den EU-Stresstest für Banken als "ermutigend" bezeichnet. Beim EU-Finanzministertreffen in Göteborg sagte Pröll, was die wirtschaftliche Lage betrifft, gebe es zwar noch keinen Grund zu Zufriedenheit, aber "vorsichtigen Optimismus. Wir stehen heute wesentlich besser da als am Anfang des Jahres".

Nun gehe es darum, auch 2010 alle flankierenden Maßnahmen zu setzen, um zeitgerecht zu einer Ausstiegsstrategie aus den durch die Rettungspakete im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise entstandenen Schuldenberge zu kommen. Der Stress-Test für 60 Prozent des Marktvolumens von Banken in der EU mit insgesamt 22 Instituten habe gezeigt, dass selbst im worst case niemand unter acht Prozent Eigenkapital fallen würde. Die Situation der Banken habe sich "robuster als ursprünglich angenommen" herausgestellt. Und das bei einer Annahme eines Minuswachstums der Wirtschaft für 2010 von 2,5 Prozent.

Die Vorgangsweise, die Europa getroffen habe, sei richtig gewesen. "Es gibt einen Puffer", freute sich Pröll. Namen von Banken wollte er keine nennen. Darauf angesprochen, dass es sich bei den beiden österreichischen Instituten um Raiffeisen und Erste Bank handle, gab es zwar kein Dementi des Finanzministers, aber auch keine Bestätigung. "Ich sage nichts dazu. Es sind zwei große Systembanken, die in Mittel- und Osteuropa engagiert sind". Jedenfalls sei es richtig gewesen, dass Österreich "mit der Initiative in Osteuropa aufs Gas gestiegen" sei.

Angesprochen auf ein mögliches Ansteigen der Arbeitslosigkeit auf durchschnittlich elf Prozent in der EU im nächsten Jahr, so wie das in einem Diskussionspapier enthalten ist, sagte Pröll, er wolle "diese Prognose nicht 1:1 entsprechend abnicken. Ich habe mit Prognosen der letzten eineinhalb Jahre meine eigenen Erfahrungen gemacht. Niemand hat damals die Wirtschaftskrise vorhergesagt". Natürlich betrachte man die Entwicklung mit großer Sorge. Aber "wir sind stolz, bei knapp unter fünf Prozent Arbeitslosigkeit zu liegen. Das ist deutlich besser als der europäische Durchschnitt".

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