Ex-Hypo-Chef Kulterer verhaftet

Paukenschlag

Ex-Hypo-Chef Kulterer verhaftet

Staatsanwalt: Es besteht Flucht-, Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr.

Der ehemalige Vorstandschef der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank, Wolfgang Kulterer, ist am Freitag in der Früh in Klagenfurt festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft begründete diesen Schritt mit Flucht- und Verdunkelungs- sowie Tatbegehungsgefahr. Parallel dazu wurden am Freitag zahlreiche Hausdurchsuchungen durchgeführt. Nach Angaben der Justiz hat sich der Verdacht gegen Kulterer erhärtet, gegen ihn wird wegen Untreue ermittelt.

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Kommt nun die U-Haft?
Kulterer wollte von seiner Klagenfurter Wohnung aus zu einem Termin fahren, als drei Beamte ihn in ein Polizeiauto baten. Mit dem Banker wurde eine zweite Person festgenommen, ihre Identität wurde nicht bekanntgegeben. Wann über die Verhängung der Untersuchungshaft über den 56-Jährigen entschieden wird, war am Nachmittag noch unklar.

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Zehn Hausdurchsuchungen
Keine Details wurden auch über die insgesamt zehn Hausdurchsuchungen in Kärnten und Wien bekanntgegeben. Die insgesamt 80 Beamten sollen sich aber auf das Umfeld Kulterers konzentriert haben, durchsucht wurde die Wohnung des Bankers ebenso wie das Büro des ehemaligen Vorstands Josef Kircher, gegen den ebenfalls ermittelt wird. Insgesamt werden derzeit im Hypo-Verfahren 40 Beschuldigte geführt. Laut dem Chef der Soko-Hypo, Bernhard Gaber, gibt es daher auch "Potenzial" für weitere Festnahmen.

   "Sehr zufrieden" mit dem Vorgehen der Justiz in der Causa Hypo Alpe Adria zeigte sich das Finanzministerium. Die Maßnahmen der Justiz seien "absolut in unserem Interesse", sagte Ministersprecher Harald Waiglein. Damit würde die Chance auf zivilrechtliche Schadenersatzforderungen höher. Erfreut reagierte auch der Vorsitzende des Hypo-Untersuchungsausschusses im Kärntner Landtag, der Grün-Abgeordnete Rolf Holub. Es sei nun das Gebot der Stunde, den Druck aufrecht zu erhalten und weiter "entschieden gegen den Hypo-Sumpf vorzugehen".

   Geldstrafe wegen Bilanzfälschung

Kulterer hatte von 1992 bis 2006 die Bank geleitet, er musste nach dem Auffliegen von nicht in der Bilanz verbuchten Swap-Verlusten in der Höhe von 328 Mio. Euro im Sommer 2006 seinen Hut nehmen. Im Herbst 2008 wurde er wegen Bilanzfälschung zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Seit Dezember 2009 ermittelt die Justiz in der Causa Hypo wegen des Verdachts der Untreue. Neben Kulterer stehen auch einige andere Bankmanager unter Verdacht, so Kulterers Stellvertreter Günter Striedinger, aber auch Kircher, der 2008 aus der Bank ausschied. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

   Sowohl die Soko Hypo als auch die vom Finanzministerium eingerichtete "CSI Hypo" haben bereits zahlreiche Anzeigen erstattet, bei denen es vor allem um Grundstücks- und Immobiliengeschäfte in Südosteuropa geht. Die Verdächtigen sollen dabei Millionen zulasten der Bank kassiert haben, die im Dezember 2009 notverstaatlicht werden musste und das vergangene Jahr mit rund 1,6 Mrd. Euro Verlust abschloss. Die Bank soll gesundgeschrumpft und anschließend verkauft werden, mit Gewinnen wird aber erst für 2012 wieder gerechnet.