Harte Zeiten für deutsche Genossenschaftsbanken

Die deutsche Genossenschaftsbanken stellen sich auch nach der Krise auf harte Zeiten ein. "Der konjunkturelle Abschwung trifft uns mit Zeitverzögerung", warnte Verbandspräsident Uwe Fröhlich am 21. Juli in Frankfurt. Der Höhepunkt der Kreditausfälle sei erst 2010 oder gar 2011 zu erwarten.

Der Spitzenverband der 1.200 Volks- und Raiffeisenbanken rechnet in Folge der Rezession mit einer steigenden Zahl von Firmen- und Privatinsolvenzen. Dies treibe die Risikovorsorge und damit die Belastungen für die Häuser nach oben. Im laufenden Jahr werde dies insbesondere bei den Spitzeninstituten DZ Bank (in Österreich mit einer Sperrminorität an der Volksbank AG/ÖVAG beteiligt) und WGZ Bank noch kompensiert durch höhere Bewertungen zahlreicher Papiere, die in der Finanzkrise kräftig an Wert verloren hatten.

Trotz der trüben Aussichten rechnet Fröhlich nicht mit einer großflächigen Kreditklemme. "Weder vom Volumen noch vom Zins her ist die Kreditversorgung des Mittelstands beeinträchtigt", betonte der Präsident des Bundesverbands der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Allein die Kreditgenossen hätten im Mai 2,7 Prozent mehr Kredite vergeben als vor einem Jahr. Auch nach Abzug von Darlehen an Investmentfonds und Versicherungen ergebe sich ein Zuwachs.

Zu wenig Kredite für Unternehmen

Die deutsche Bundesregierung wirft der Bankenbranche seit Wochen vor, zu wenig Kredite an Unternehmen zu vergeben. In den offiziellen Statistiken zeigt sich indes, dass es bisher lediglich bei Großkonzernen und bei Unternehmen schlechterer Bonität Finanzierungsprobleme gibt. Wie bei vielen anderen Häusern schlug die Finanzkrise bei den Genossenschaftsbanken im vergangenen Jahr mit voller Wucht zu. Zwar blieb vor Steuern ein Mini-Gewinn von 77 Millionen Euro - im Vorjahr waren es allerdings noch mehr als 4,3 Milliarden Euro.

Dabei bilanzierten die deutschen Kreditgenossen erstmals nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS, der zum Teil stärkere Wertberichtigungen fordert. Hauptgrund für den Gewinneinbruch sind Abschreibungen auf Engagements etwa in Island oder bei der insolventen Bank Lehman Brothers. Allein die DZ Bank musste 2008 einen Milliardenverlust verschmerzen. In Folge von höheren Bewertungen vieler Papiere rechnet der Verband insgesamt im laufenden Jahr wieder mit steigenden Gewinnen.

Auch Sparmaßnahmen in den einzelnen Häusern sollen die Ergebnisse bessern. "Hier sind noch Hausaufgaben zu erledigen", sagte Fröhlich. Mittelfristig sollen nur 65 Prozent der Einnahmen von Kosten aufgezehrt werden. Derzeit sind es wegen der Krise rund 90 Prozent. Einsparungen etwa durch eine Zusammenlegung der Rechenzentralen dürften auch zur Streichung von Jobs führen, bekräftigte der Verbandschef. "Ein knallharter Personalabbau ist bei uns aber nicht zu erwarten."