Italien will sein Rating retten

Sparpaket

Italien will sein Rating retten

Die S&P-Abstufung schlägt Wellen - Fitch und Moody's bleiben gelassen.

Wegen der drohenden Herabstufung der Kreditwürdigkeit will Italiens Regierung ihr Sparpaket früher auf den Tisch legen. Das Programm mit einem Volumen von 35 bis 40 Mrd. Euro soll statt im September nun schon im Juni präsentiert werden, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus Regierungskreisen. "Wir wollen damit ein Signal an die Märkte geben", sagte ein Regierungsvertreter.

Rating schlägt hohe Wellen
Euro und Aktienmärkte gerieten zu Wochenbeginn unter starken Druck, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's den Ausblick für die Bonitätsnote am Samstag von "stabil" auf "negativ" gesenkt hatte. Damit droht ohne Gegensteuern der Regierung eine Herabstufung binnen eines halbes Jahres. Italien müsste dann für frisches Geld noch höhere Zinsen zahlen. Schon die Ankündigung genügte, um die Risikoaufschläge für zehnjährige italienische Staatsanleihen im Vergleich zur deutschen Bundesanleihe auf den höchsten Stand seit Jänner zu treiben.

Finanzminister Giulio Tremonti reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung der Ratingagentur. Italien habe "seine Dinge erledigt und die Basis dafür gelegt, dass wir so fortfahren". Rückendeckung erhielt er von EU-Währungskommissar Olli Rehn. "Die Konsolidierung ist auf einem guten Weg", sagte er. "Wir haben keinen Grund, zu glauben, dass der Reformwille nachgelassen hat - im Gegenteil."

Fitch und Moody's bleiben gelassen

Die beiden anderen großen Ratingagenturen Fitch und Moody's wollen im Unterschied zu ihrem Konkurrenten Standard & Poor's den Ausblick nicht senken. "Es gibt derzeit keine Hinweise dafür, dass sich Italiens Haushaltsposition verschlechtert", sagte Fitch-Analyst David Riley zu Reuters. "Die Regierung ist auf dem Weg, ihre Ziele für 2011 zu erreichen und hat sich 2010 etwas besser geschlagen als erwartet." Auch Moody's halte den Ausblick stabil, sagte Sprecher Franceso Meucci.

Italien hat einen Schuldenberg aufgetürmt, der rund 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Nur in Griechenland ist er noch höher. Die Regierung will 2014 ohne neue Schulden auskommen, wozu das Sparpaket beitragen soll. Es muss innerhalb von 60 Tagen vom Parlament verabschiedet werden.

Analystin warnt
Standard & Poor's bewertet die langfristigen Verbindlichkeiten Italiens derzeit mit der Note "A+" und damit als prinzipiell sichere Anlage. Gefährdet werde die gute Note vom chronisch schwachen Wirtschaftswachstum. Die Agentur traut der Mitte-Rechts-Koalition des von Sex- und Korruptionsvorwürfen belasteten Regierungschefs Silvio Berlusconi nicht zu, mit harten Wirtschaftsreformen ähnlich der "Agenda 2010" in Deutschland die Basis für ein mittelfristig stärkeres Wachstum zu legen. "Im Ergebnis gehen wir davon aus, dass sich Italiens Aussichten auf eine Reduzierung der Schulden der Regierung verschlechtert haben", warnte S&P-Analystin Eileen Zhang.

S&P rechnet nicht mit Hilfsanfrage
Die Ratingagentur Standard & Poor's rechnet nicht damit, dass Italien bei Europäischer Union oder Internationalem Währungsfonds (IWF) um finanzielle Unterstützung bittet. Grund sei, dass es in Italien keine bedeutenden Ungleichgewichte gebe, teilte die Agentur am Montag mit. Die schiere Höhe der italienischen Staatsschulden würde es der internationalen Gemeinschaft sehr schwer machen, Unterstützung zu leisten.