Häufigkeit von Naturkatastrophen nimmt zu

Oö. Versicherung fordert "Typenschein" für Gebäude

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Angesichts der starken Zunahme von Elementarschäden schwebt der Oberösterreichischen Versicherung eine Art Typenschein für Gebäude vor, der u.a. die Beschaffenheit und mögliche Gefahrenquellen berücksichtigt. Generaldirektor Wolfgang Weidl würde darin eine Entlastung für die Bauwirtschaft, den Katastrophenfonds, die Versicherungen und nicht zuletzt für Hauseigentümer sehen. Der Start für eine vielfach geforderte Pflichtversicherung ist aus seiner Sicht in einem Jahr vorstellbar.

Mit knapp 50 Mio. Euro Schadenssumme sei die Hagelkatastrophe vom 23. Juli 2009 für die Oberösterreichische Versicherung das bisher größte Schadensereignis dieser Art gewesen, berichtete Weidl.

Bundesweit gehe der Versicherungsverband Österreich von rund 360 Mio. Euro Schadensleistungen aus. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass die Intensität und vor allem die Häufigkeit von Naturkatastrophen stetig zunehmen würden, so der Generaldirektor. "Das Ausmaß von Schäden könnte man durch vorbeugende Maßnahmen deutlich minimieren."

Weidl schwebt eine Elementarschadensprävention nach Schweizer Vorbild mit Anleihen bei der Brandverhütung vor. Im Gegensatz zu den Eidgenossen gibt es in Österreich keine Verpflichtung, daher brauche man umso mehr Bewusstseinsbildung. Ein Schulterschluss zwischen Politik, Planern, Architekten, Ingenieuren und der Versicherungswirtschaft sei nötig, betonte der Generaldirektor.

Den Startschuss für Beratungstage kündigte er für Februar an. Man werde versuchen, möglichst viele Mitstreiter in anderen betroffenen Bundesländern zu finden. Auch die Prämienhöhe solle sich künftig nach dem Umfang der vorbeugenden Maßnahmen richten, so Weidl.

In der Schweiz gibt es seit zehn Jahren eine Elementarschadensprävention. Man habe im Vorjahr über 950 Mio. Franken (644 Mio. Euro) an Prämien verfügt, berichtete der zuständige Geschäftsbereichsleiter bei der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen, Olivier Lateltin. Ein Drittel davon werde für Präventivmaßnahmen aufgewendet. Lateltin verwies darauf, dass 5 % der Meldungen 50 % der Schadenssumme ausmachen würden. "Jeder trägt seine Verantwortung", ist auch er überzeugt.

Auf eine mögliche Pflichtversicherung angesprochen, verwies Weidl auf die ministerielle Arbeitsgruppe, die nötigen Vorarbeiten seien geleistet. Privatwirtschaftlich werde man das Thema nicht lösen können, es brauche eine gesetzliche Regelung und eine Staatshaftung. Der Generaldirektor hofft auf eine Umsetzung innerhalb der kommenden zwölf Monate. "Ich bin guter Dinge, dass das passiert."

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