Schenken Banken Griechen 100 Milliarden?

Bis zu 70 % Schulden-
Erlass

Schenken Banken Griechen 100 Milliarden?

Der Schuldenschnitt würde Banken und Versicherungen 100 Milliarden kosten.

Es steht alles auf des Messers Schneide. Einen Deal mit der griechischen Regierung mit ihren privaten Gläubigern wird es jetzt wohl erst nächste Woche geben. Banken, Versicherungen, Hedgefonds sollen sich an einem Schuldenerlass beteiligen. Aber: Es gibt heftige Widerstände. Und: Der Verhandlungsführer des Internationalen Bankenverbandes (IIF), Charles Dallara, verließ Samstag Athen. Die Gespräche würden heute am Telefon weitergeführt.

Griechenlands gewichtiger Finanzminister Evangelos Venizelos wollte eine Einigung noch vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am Montag unter Dach und Fach bringen.

Eines ist aber jetzt schon fix: Der Schuldenschnitt wird kommen. Und der Forderungsverzicht wird zwischen 65 bis 70 Prozent betragen. Damit würden Europas Banken und Versicherungen den mit 352 Milliarden verschuldeten Pleitegriechen 100 Milliarden Euro schenken. Das größte und teuerste Geschenk aller Zeiten.

Austro-Banken trifft der Schuldenschnitt kaum
Für die österreichischen Banken stellt der Schuldenschnitt zwar kein riesiges Problem dar: Raiffeisen war in Griechenland so gut wie gar nicht engagiert. Die Erste Group hat schon vergangenen Herbst ihr Griechenland-Portfolio auf Marktwerte abgeschrieben. Am heftigsten würde der Forderungsverzicht die Bank-Austria-Mutter UniCredit treffen. Über genaue Zahlen hüllen sich die Banken allerdings (noch?) in Schweigen.

Bei Europas Bankbossen löst der nun deutlich höhere Schuldenschnitt – bisher waren 50 Prozent geplant – Wutreaktionen aus. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnt davor, dass der Verzicht Europa auf lange Sicht teuer zu stehen kommen wird: „Das markiert eine historische Trendwende. Europäische Staatsanleihen waren bisher stets mündelsicher.“

Minister warnt: „Schulden­schnitt tödlicher Fehler“
Denn: „Die Erwartung war, dass Staatsanleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden. Dieses Prinzip wurde verletzt – und zwar entgegen allen Aussagen, die zuvor gemacht worden waren.“ Dafür werden in Zukunft alle einen hohen Preis zahlen, unter anderem in Form höherer Zinsen, die Investoren verlangen werden.

Auch Irlands Finanzminister Michael Noonan bezeichnet die Beteiligung Privater als „tödlichen Fehler“: „Wenn Sie Geld verleihen, lautet die erste Frage: Kriege ich es zurück?“, sagte er. Dieses Prinzip werde nun gebrochen: „Durch diese Entscheidung wird die Euro-Schuldenkrise noch einmal verschärft.“

Karl Wendl