Volksbank

Banken-Krise

Volksbank macht 900 Mio. Verlust

ÖVAG muss 700 Mio. € abschreiben: Neue Milliardenhilfen in Diskussion.

Die Angst vor einer neuen Banken-Krise wächst. Gestern Abend, 20.16 Uhr, kam die nächste Hiobsbotschaft: Die Volksbanken AG (ÖVAG) – Österreichs fünftgrößte Bank – verkündete per Ad-hoc-Meldung, dass sie heuer 900 Millionen Euro Verlust machen wird. Der Grund: Massive Wertberichtigungen wegen der drohenden Krise.
Erst am Montag hatte die Erste Group die Wiener Börse mit einem Verlust von 800 Millionen Euro geschockt. Jetzt folgt die Volksbank.

Alleine die Rumänien-Tochter der Volksbank wird mit 350 Millionen Euro abgeschrieben, dazu kommt eine Buchwertberichtigung der Investkredit in der gleichen Höhe.

Im schlimmsten Fall mehr als 1 Milliarde Verlust
Auch das Griechenland-Exposure schreibt die Volksbank teilweise ab. Dort hat die Bank Forderungen in Höhe von rund 155 Millionen Euro offen. Nun rechne man mit einem Schuldenschnitt in Höhe von 70 Prozent in Griechenland. Das heißt, mehr als 100 Millionen Euro in Griechenland werden also abgeschrieben.

Aber das könnte noch nicht alles sein: Denn die Bandbreite des Volksbank-Verlusts würde bei +/- 150 Millionen Euro liegen. Das heißt: Im Worst Case macht die Bank heuer sogar mehr als 1 Milliarde Euro Verlust!

Klar ist, die Volksbank wird die erste Tranche der Staatshilfe, die heuer fällig gewesen wäre, nicht zurückzahlen können. 2009 hatte das Institut 1 Milliarde staatliches Partizipationskapital erhalten.

Dennoch versucht man bei der Volksbank zu beruhigen: Die Kernkapitalquote liege bei 10,4 Prozent, im Vorjahr seien es noch 9,4 Prozent gewesen. Damit liege man derzeit klar über den gesetzlichen Anforderungen.

"Die Kapitalvorschriften für das heurige Jahr erfüllen wir ganz klar", sagte ÖVAG-Generaldirektor Gerald Wenzel. "Was weiter ist, darüber will ich nicht spekulieren".

Auch im Finanzministerium versuchte man am Abend zu beruhigen: Die Republik würde im Bedarfsfall für „weitere Maßnahmen zur Unterstützung der ÖVAG“ bereit stehen.

Kommt neues Hilfspaket?

Aufregung in der Bankenszene nach dem Vorstoß von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der die europäischen Banken notfalls mit Zwang zur Aufstockung ihres Eigenkapital-Sicherheitspolsters verpflichten will. „Wie soll das gehen – in einer Situation, in der uns das Kapital durch die Bankensteuer wegbesteuert wird und der Kapitalmarkt geschlossen ist“, sagt etwa Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen Bank International (RBI) im WirtschaftsBlatt.

Wenn es am freien Markt nicht gelinge, Geld zu besorgen, will Barroso neue Staatshilfen. Deutsche-Bank-Boss Josef Ackermann protestiert dagegen massiv.
Staatsanleihen-Risiko. Fakt ist, dass im Vorfeld des EU-Gipfels am 23. Oktober heftig an Lösungen gebastelt wird, die Auswirkungen eines allfälligen Griechenland-Schuldenschnitts für die Banken abzufedern. Betroffen wären hier allen voran die französischen Banken. Österreichs Banken haben ihr Griechenland-Engagement bereits stark reduziert (Raiffeisen etwa hat gar nichts mehr, die Erste Group in Griechenland und Portugal in Summe nur mehr 10 Mio. Euro).

Allerdings geht es längst nicht mehr „nur“ um Griechenland. Vielmehr wird eine Ansteckungsgefahr befürchtet, mit Abschreibungsbedarf auf die Anleihen weiterer Euro-Schuldenländer. Dagegen sollen die Banken sich schützen.

Wie viel Geld nötig?
Die Bankenaufsichten prüfen derzeit, wie viel Kapital die Institute bei massiven Belastungen durch Abschreibungsbedarf auf Staatsanleihen tatsächlich brauchen würden. Die Schätzungen bewegen sich zwischen 150 und 200 Mrd. Euro europaweit. Auch in Österreich erhebt die Finanzmarktaufsicht diesbezügliche Daten. Ein Stresstest im eigentlichen Sinne sei das freilich nicht, heißt es. Kolportiert wird, dass die EU künftig eine harte Kernkapitalquote von 9 % fordern will (beim letzten Stresstest im Juli waren es 5 %). Wie die Quote definiert wird (ob etwa bereits erhaltene Staatshilfe mitzählt), ist nicht fix. Die Notwendigkeit neuer Staatshilfen für unsere Banken sieht Finanzministerin Maria Fekter (V) derzeit nicht.

(fen)