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Im Quartal

Erste mit 1,5 Milliarden Verlust

Erste Group muss die Tilgung der Staatshilfe um mindestens ein Jahr verschieben.

Gewinnziele zu kappen steht bei Europas Großbanken jetzt an der Tagesordnung, die Erste Group allerdings hat am Montag die Börsianer geschockt. 700 bis 800 Mio. Euro Verlust erwartet Erste-Chef Andreas Treichl für 2011, im dritten Quartal sogar 1,5 Miliarden. Bisher wäre ein Gewinn in dieser Größe geplant gewesen. Ende September lag der Verlust bei fast einer Milliarde. Dennoch will Treichl kein weiteres Geld vom Staat: "Da müsste man uns hinprügeln." Allerdings wird die Tilgung der Staatshilfe um ein Jahr verschoben. Die Aktie der Erste Group brach völlig ein: Sie verlor 13,16% (Stand 12.45 Uhr).

Sonderabschreibungen
Schuld sind Sonderabschreibungen wegen der Staatsschuldenkrise und schwierige Verhältnisse im Osten was vor allem zu teuren Firmenwertabschreibungen der Töchter in Ungarn und Rumänien führte. Das brachte nun im dritten Quartal eine milliardenschwere Ergebnisbelastung - Einmaleffekte nach einer Bilanz-Auskehr, wie die Erste betont.

Keine Dividende
Für die Aktionäre gibt es keine Dividende für 2011, wohl aber für das staatliche Partizipationskapital. Eine geplante vorzeitige Tilgung des staatlichen Kapitals (1,2 Mrd. Euro) wurde um mindestens ein Jahr verschoben. Die Aktie der Erste Group brach bis gegen 10 Uhr um fast 16 Prozent ein.

Abschreibungen von Bankbeteiligungen in Osteuropa, auf Staatsanleihen von Krisenstaaten sowie auf Credit Default Swaps bescherten in den ersten drei Quartalen 2011 einen Verlust von 920 bis 970 Mio. Euro. Bisher war von einem Gewinn von 700 Mio. Euro bis Ende September ausgegangen worden.

800 Mio Verlust im Jahr
Für das gesamte Jahr 2011 erwartet Vorstandschef Andreas Treichl nun einen Verlust von 700 bis 800 Mio. Euro - statt eines Nettogewinns von 850 bis 950 Mio. Euro.

Die Erste betonte, das Kapital bleibe weiter auf dem früheren Niveau (9,2 Prozent), weil das Betriebsergebnis "stark" bleibe. Auch die Liquiditätslage sei nicht tangiert.

In der Ungarn-Bankentochter wird der Firmenwert von 312 Mio. Euro vollständig abgeschrieben. Wegen der "besorgniserregenden" politischen und wirtschaftlichen Entwicklung würden in dem Land zusätzliche Risikovorsorgen von 450 Mio. Euro gebildet - in Summe also 762 Mio. Euro Zusatzaufwand. In Rumänien wird der Firmenwert der dortigen Banktochter BCR um 627 Mio. Euro abgeschrieben.

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Weitere 180 Mio. Euro an Abwertungen fallen an, weil die Credit Default Swaps zum aktuellen Marktwert abschreibt. Drastisch heruntergefahren wurde der Bestand an Anleihen und Euro-Krisenländern. In Griechenland und Portugal hat die Erste nur noch 10 Mio. Euro offen.

"Radikale Schnitte"

Treichl sprach von "radikalen Schnitten". Damit stelle er die Bank auf eine längere Periode der Unsicherheit ein. Die Hoffnungen, dass es für die Euro-Staatsschuldenkrise in nächster Zeit eine Lösung geben werde, hätten sich in den letzten Wochen sehr reduziert. Treichl geht davon aus, dass von der jetzigen Krise die Realwirtschaft getroffen wird, auch in Osteuropa, wo die Bank tätig ist.

Wifo-Experte: Andere Banken werden nachziehen
Franz Hahn, Bankenexperte am Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), geht davon aus, dass auch die anderen österreichischen aber auch größeren europäischen Banken den Schritt der Erste Group nachziehen und ihr Portfolio bereinigen werden müssen. Diesen Schritt hätte man schon früher setzen müssen. Dass die Erste hier vorgeprescht ist, sei ihr zugute zu halten, sagte Hahn am Montag im Ö1-Mittagsjournal-Interview.

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12:18 Uhr:

© oe24
Erste mit 1,5 Milliarden Verlust

12:03 Uhr: Für das gesamte Jahr 2011 erwartet Vorstandschef Andreas Treichl nun einen Verlust von 700 bis 800 Mio. Euro - statt eines Nettogewinns von 850 bis 950 Mio. Euro. Die Erste betonte, das Kapital bleibe weiter auf dem früheren Niveau (9,2 Prozent), weil das Betriebsergebnis "stark" bleibe. Auch die Liquiditätslage sei nicht tangiert.

11:40 Uhr: "Es stehen harte Zeiten bevor, wir werden vielleicht mit Problemen konfrontiert werden, die wir jetzt noch gar nicht kennen. Daher haben wir uns entschlossen, allen Ballast abzuwerfen", erklärt Treichl weiter.

11:36 Uhr: Ein Rückzug aus Ungarn stehe nicht zur Diskussion. Allerdings würden wegen der dortigen politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten "geschäftspolitische Anpassung" nötig, so Treichl. Im jetzigen dritten Quartal hat die Erste die Bankbeteiligung in Ungarn (Firmenwert) zur Gänze abgeschrieben.

11:27 Uhr: Treichl will aber kein frisches Staatsgeld: "Da müsste man uns schon hinprügeln!" Der Ungarn-Nachschuss wird etwa 600 Mio Euro betragen.

11:22 Uhr: In Ungarn ist ein Nachus nötig. Der Quartalsverlust beträgt sogar 1,5 Milliarden Euro.

11:19 Uhr: "Es ist keine Zeit für Fragezeichen, erst recht nicht in Bankbilanzen. Wir setzen jetzt diesen schmerzhaften, aber richtigen Schritt. Sprechen Probleme an, stärken uns als Finanzdienstleister für unsere Kunden", so Treichl weiter.

11:13 Uhr: Treichl erklärt: "Wir haben uns heute früh zu radikalen Maßnahmen entschlossen, um uns auf Auswirkungen der Staatsschuldenkrise auf Realwirtschaft vorzubereiten. Die Hoffnung, dass es eine klare Richtungsentscheidung in Europa bald gibt, ist gering. Ohne das bleibt aber die Unsicherheit."

11:01 Uhr: In wenigen Augenblicken beginnt die Pressekonferenz mit Erste Group-Boss Andreas Treichl. Der Medienandrang ist enorm.

10:55 Uhr: Derzeitiger Kurs der Erste Bank

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Erste mit 1,5 Milliarden Verlust

10:44 Uhr: Für die Aktionäre gibt es keine Dividende für 2011, wohl aber für das staatliche Partizipationskapital. Eine geplante vorzeitige Tilgung des staatlichen Kapitals (1,2 Mrd. Euro) wurde um mindestens ein Jahr verschoben.

10:33 Uhr: Schuld an den Verlusten sind Sonderabschreibungen wegen der Staatsschuldenkrise und schwierige Verhältnisse im Osten was vor allem zu teuren Firmenwertabschreibungen der Töchter in Ungarn und Rumänien führte. Das brachte nun im dritten Quartal eine milliardenschwere Ergebnisbelastung - Einmaleffekte nach einer Bilanz-Auskehr, wie die Erste betont.

10:20 Uhr: Die Wiener Börse hat sich am Montag im frühen Handel bei hohem Anfangsvolumen mit heben Kursverlusten gezeigt. Nach Ablauf der meisten Eröffnungsauktionen wurde der ATX um 9.45 Uhr mit 1.915,20 Punkten nach 1.998,17 Einheiten am Freitag errechnet, das ist ein deutliches Minus von 82,97 Punkten bzw. 4,15 Prozent.

10:00 Uhr: Die Aktien der Erste Group sind am Montag im Frühhandel an der Wiener Börse gehörig unter Abgabedruck geraten. Sie brach bis gegen 10 Uhr um fast 16 Prozent ein.