Revierkämpfe kolportiert

Weiter Spekulationen um Raiffeisen-Fusion

Der Fusionsplan von Raiffeisen Zentralbank (RZB) und ihrer börsennotierten Ostbankenholding Raiffeisen International (RI) sorgt an den Börsen für Aufsehen, laut "Format" sind mit der Neuaufstellung aber auch Revierkämpfe im Konzern programmiert.

Dem Magazin zufolge mehren sich seit der Vorwoche (unbestätigte) Gerüchte über einen möglichen Abgang von RZB-Vorstand Patrick Butler, dem angeblich fehlgeschlagene Investments in Lehman-Papiere und Island-Geschäfte zum Vorwurf gemacht werden. Zudem solle die Chemie zwischen Butler und RZB-Vizechef Herbert Stepic nicht stimmen. Stepic soll der fusionierten Bank vorstehen.

Im RZB-Vorstand ist Butler seit fünf Jahren fürs Treasury und Investment Banking zuständig. "Format" handelt Nicolaus Hagleitner und Paul Kocher als mögliche Nachfolger. Die "RZB neu" als - von der Fusion nicht betroffene - sektorübergreifende Beteiligungsholding soll der bisherige RZB-Chef Walter Rothensteiner leiten. Diese hält etwa Anteile an Kontroll-, National- und Volksbank sowie UNIQA.

"Butler bleibt RZB-Vorstand"

Raiffeisen-Boss Christian Konrad hat unterdessen via "Format"-Aussendung Gerüchte über einen möglichen Abgang von Butler zurückweisen lassen: "Inhaltlich ist das völlig aus der Luft gegriffen." Patrick Butler werde Vorstand der RZB bleiben, heißt es in der Magazin-Presseaussendung.

Stepic äußert sich im "Format"-Interview nicht zu Personalien. Auch nicht dazu, wieviele der derzeit rund 350 in Wien beschäftigten RI-Mitarbeiter durch die Fusion gehen müssen. "Zahlen kann ich Ihnen keine nennen. Dafür ist es noch zu früh", so Stepic im Interview. Es gebe noch keine Beschlüsse. Kostensynergien seien jedenfalls nicht der primäre Grund für diese Option. "Natürlich werden Doppelgleisigkeiten beseitigt."

Rund um die Ankündigung der Fusion (laut Raiffeisen bevorzugte Lösung) gab es Gerüchte um Börsenrückzug, Einstieg eines strategischen Partners oder dass die RZB ihren Anteil an der RI verkaufen muss. Was noch zur Debatte steht, lässt Stepic ebenfalls offen: "Ich bitte um Verständnis, dass ich strategische Optionen nicht in der Öffentlichkeit breittreten will. Dass die Fusions-Option bekannt wurde, war eine notwendige Reaktion, die uns der Markt vorgeschrieben hat. Ich werde eine Strategieentwicklung auch weiterhin dort belassen, wo sie hingehört: in den Board Room. Sobald Beschlüsse gefasst sind, gehen wir raus damit."

Die gesamte RZB wird laut "Format"-Informationen mit 1,5 bis 1,8 Mrd. Euro taxiert. Der Chef des Interessensverbands für Anleger (IVA), Wilhelm Rasinger, hat gestern in einer Pressekonferenz erklärt, sich das Austauschverhältnis ganz genau anschauen und notfalls ein Überprüfungsverfahren beantragen zu wollen, sollte es nicht adäquat ausfallen.

Kleinaktionäre in Sorge

Kleinaktionäre haben schon Anfang der Woche Sorge geäußert, bei der noch für heuer geplanten Fusion der RI mit der RZB unter die Räder zu kommen. Das in der Vorwoche Reuters zugespielte interne Papier bewertet die RZB - noch vor den anstehenden Wirtschaftsprüferbewertungen - mit 6,1 Mrd. und die RI mit 6,2 Mrd. Euro. Die RZB hält rund 70 Prozent an RI. Dieser Anteil entspricht 4,35 Mrd. Euro. Das heißt, dass die nicht börsenotierte RZB ohne RI-Anteil mit rund 1,75 Mrd. Euro zu bewerten sei, schrieb die "Presse". Für die RI ergäbe sich daraus eine Bewertung von 40 Euro pro Aktie.

Nach den Daten auf Basis des Papiers wäre die RI damit nämlich deutlich zu niedrig bewertet. Die Fusion würde, so berichtete die "Presse", also einem enormen Werttransfer von den Kleinaktionären zur neuen fusionierten RZB bedeuten. Der Anteil des Streubesitzes an der gemeinsamen Gesellschaft würde von derzeit 30 Prozent (davon neun Zehntel institutionelle Investoren und ein Zehntel echte Privataktionäre) auf 23,4 Prozent sinken.

Nach den vorliegenden Daten (Bilanzen bis einschließlich 2008, bisher bekannte Bilanzzahlen 2009, Vorschau, Analystenschätzungen) kamen laut "Presse" Experten, namentlich der Versicherungsmathematiker Karl Kreiter, für die RI auf rechnerische Firmenwerte von 80 bis 93 Euro je Aktie - und nicht auf die im RZB-Geheimpapier genannten 40. Selbst wenn der rechnerische Wert "nur" 80 betragen sollte (der Anteil des Streubesitzes würde dann auf 26,3 Prozent sinken), würde eine offizielle Bewertung mit 40 Euro pro Aktie einen Werttransfer von rund 400 Mio. Euro vom Streubesitz zur neuen RZB-Holding bedeuten, hieß es im Bericht. Bei 40 Euro je Aktie wäre die RI rund 6,2 Mrd. Euro wert, bei 80 Euro 12,4 Mrd. Euro.