Revolutionär

Gratis Strom: Erster Versorger bietet "Happy Hour"-Tarif an

Kostenloser Strom an Feiertagen, am Wochenende von 12.00 bis 16.00 Uhr sowie von April bis August 

Der Tiroler Energieversorger Gutmann hat mit einem neuen Preismodell auf die stärker schwankende Stromerzeugung durch erneuerbare Energien, insbesondere Photovoltaik, reagiert. Konkret setzt man auf kostenlosen Sonnenstrom am Wochenende und an Feiertagen von 12.00 bis 16.00 Uhr, auch "Happy Hour"-Tarif genannt. Der Erneuerbaren-Ausbau würde vermehrt zu Zeiträumen führen, in denen Strom im Überfluss im Netz ist, begründeten die Verantwortlichen am Freitag die Maßnahme.

Die kostenfreien Stunden würden für Kundinnen und Kunden indes von April bis August berechnet, ansonsten gelte ein Grundpreis von 12,75 Cent pro Kilowattstunde (c/kWh) netto im Osten und 10,75 c/kWh netto im Westen Österreichs, hieß es bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Die Gutmann-Spitze sprach davon, dass der kostenlose Bezug von Strom in Österreich erstmals angeboten werde. Das Angebot richte sich jedenfalls an Haushalte und kleinere Gewerbekunden, erläuterte Geschäftsführer Alexander Gutmann.

"Für uns entstehen damit keine Mehrkosten", betonte Gutmann und verwies auf die langfristige finanzielle Sicherung des Modells. Bisher habe man zu diesen Stoßzeiten, wo Strom durch Photovoltaik generiert, aber nicht genügend verbraucht wird, zum Teil sogar für den Überschuss bezahlen müssen. Das Unternehmen wolle damit jedenfalls Anreize für Kunden setzen, um den Stromverbrauch in entsprechende Zeiträume zu verlagern, erklärte Gutmann. Während der Ausbau erneuerbarer Energie weiterhin gut voranschreiten würde, hätten sich Verbrauchsmuster weniger rasch verändert. Daraus ergebe sich weniger ein Mengen- als ein Zeitproblem, sagte der Geschäftsführer.

Angebot bei Jahresverbrauch unter 100.000 kWh

Horst Ebner, Leiter der Strom- und Gasabteilung bei Gutmann, verwies indes auf zwei beispielhafte Wochenverläufe der Stromerzeugung und des Verbrauchs in Österreich und zeigte damit den Unterschied zwischen Sommer und Winter. Der Nullpreis betreffe ausschließlich den Energieanteil - Netzkosten, Steuern und Abgaben seien weiterhin zu bezahlen. Zudem gelte das Angebot nur für Kunden bis zu einem Jahresverbrauch von 100.000 Kilowattstunden.

Voraussetzung für die Abrechnung und Ausweisung der Gratisstunden seien Daten über intelligente Messgeräte - sogenannte Smart Meter -, erklärte Ebner. Diese digitalen Stromzähler würden von den Netzbetreibern selbst installiert und ersetzten alte mechanische Zähler. Damit werde der Stromverbrauch noch detaillierter übermittelt, was eine bessere Kontrolle des Verbrauchs sowie der Photovoltaik-Einspeisung ermögliche. In Österreich liege die Abdeckung indes bereits bei 97 Prozent.

Modell für Mobilitätssparte denkbar

Bei E-Ladestationen betreffe das vorgestellte Modell in der aktuellen Ausgestaltung vor allem Kunden, die zu Hause oder am eigenen Standort laden könnten, betonte indes Gutmann. Das Unternehmen betreibe jedoch österreichweit ein "relativ großes Netz" mit "einigen hundert Ladepunkten", berichtete er. Man sei damit auch als Betreiber bzw. Dienstleister für Dritte ein relevanter Marktteilnehmer und könne sich sehr wohl vorstellen, das Modell auch "in die Mobilitätssparte" zu übertragen. Der Geschäftsführer nannte dafür aber keinen konkreten Zeitplan.

Gutmann mit Sitz in Innsbruck ist laut eigenen Angaben der größte private Energieanbieter Österreichs und seit 2017 auch als Stromhändler tätig. Rund 450 Mitarbeiter betreuten etwa 120 Standorte und belieferten mehr als 100.000 Kunden in den Bereichen Energie, Wärme und Mobilität.

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