Jagd-Affäre um Telekom-Kontrollor

ÖIAG-Chef war Lobbyisten-Gast

Jagd-Affäre um Telekom-Kontrollor

ÖIAG-Chef Beyrer war mehrfach Jagdgast von Mensdorff-Pouilly.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter forderte am Samstag im ÖSTERREICH-Interview den Rücktritt von ÖIAG-Chef Markus Bey rer: "Er ist untragbar geworden". (siehe Interview unten)

Hintergrund für den massiven Angriff: Als Aufsichtsratspräsident hätte Beyrer die pikante Telekom-Korruptions-Affäre eigentlich aufdecken sollen. Dabei gerät er selbst immer tiefer in den Korruptions-Strudel um den VP-nahen Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly: "Er war in seiner Zeit als Generalsekretär der Industriellenvereinigung gleich bei mehreren Jagden auf Mensdorffs Anwesen im burgenländischen Luising zu Gast", behauptet Grün-Politiker Peter Pilz. Zumindest zwei der Luxus-Ausflüge sollen sogar von der Telekom bezahlt worden sein. Bisher hat Beyrer nur eine Luxusreise auf das Mensdorff-Anwesen in Schottland zugegeben.

Es kommt aber noch dicker: Wie profil nun enthüllt, hat Michael Koibmüller, Kabinettschef des Innenministeriums, bereits im August bei einem Treffen mit Vertretern der Telekom mächtig Druck ausgeübt, mögliche Verwicklungen des Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly in die Telekom-Affäre "nicht zu offensiv zu kommunizieren". Telekom-Chef Hannes Ametsreiter hat Beyrer darüber bereits am 26. August informiert.


Anstatt offensiv zu agieren, um politischen Druck von dem börsennotierten Konzern zu nehmen, duldete der Aufsichtsrats-Präsident die Intervention aus dem Innenministerium: "Beyrer hat sich damit als ÖIAG-Chef, Telekom-Aufklärer und Kontrollorgan disqualifiziert", tobt SP-Mann Kräuter.
(wek)

Kräuter: "Beyrer soll als ÖIAG-Chef gehen"

ÖSTERREICH: Herr Kräuter, warum fordern Sie den Rücktritt von ÖIAG-Chef Markus Beyrer?
Günther Kräuter: Weil er als Telekom-Aufsichtsrat die Interventionen von Innenministeriums-Kabinettchef Michael Koibmüller verschwiegen hat. Beyrer ist daher als ÖIAG-Chef und Telekom-Aufklärer untragbar geworden. Es braucht jemand Unbefangenen.
ÖSTERREICH: Warum hat er diese Information zurückgehalten?
Kräuter: Darüber will ich nicht mutmaßen. Aber es ist ihm sicher nicht einfach so passiert. Ich vermute, er hat es bewusst nicht gesagt.
ÖSTERREICH: Was geschieht jetzt?
Kräuter: Die Sache wird auf jeden Fall eine Fortsetzung im parlamentarischen Untersuchungsausschuss finden.

Interview: nak