Chef der Wiener Börse im Interview

Seit 2016 an der Spitze

Chef der Wiener Börse im Interview

Christoph Boschan ist seit 2016 Chef der Wiener Börse. Im Interview mit ÖSTERREICH erläutert er, wie jeder mit 300.000 Euro zusätzlich in Pension gehen könnte.
 
ÖSTERREICH: Die Österreicher sind zögerlich, was das Investieren in Wertpapiere betrifft. Immer wieder krachen die Märkte kurzfristig runter, das macht Angst ...
 
CHRISTOPH BOSCHAN: Investieren ist ein Marathon, kein Sprint. Man muss sich eine Anlagestrategie geben, wo einem solche kurzfristigen Schwankungen egal sein können. Das heißt: langfristig und breit gestreut. Das perfekte Instrument ist da ein ETF-Sparplan.
 
ÖSTERREICH: Der ETF-Bereich ist auch neu an der Wiener Börse -was ist darunter zu verstehen?
 
BOSCHAN: Bei ETFs geht es um Fonds, die 1:1 einen Index abbilden und die man wie eine Aktie an der Börse kauft. Die Risiken sind breit gestreut, weil eben ein Index abgebildet wird, etwa der ATX oder der DAX. Ganz persönlich gesprochen: Ich habe als Wertpapierhändler angefangen, bin also seit 20 Jahren im Geschäft, habe alles gehandelt, was es je gab - das einzige, was langfristig wirklich gut gelaufen ist, sind die ETFs.
 
ÖSTERREICH: Was bedeutet langfristig?
 
BOSCHAN: Ich finde, jeder sollte ab der Geburt ein Wertpapierdepot haben. Bei 50 Euro monatlichem Investment haben Sie bei Studienbeginn 22:000 bis 24.000 Euro. Wenn Sie 40 Jahre alt sind, sind es rund 100.000 Euro und mit 60 dann rund 300.000 Euro. Die Rechnung basiert auf der Durchschnittsrendite des ATX, die seit Bestehen bei 6-7 % liegt. Das hieße: Jeder Österreicher ginge mit 300.000 Euro zusätzlich in Pension. Mit nur 50 Euro monatlich - die auch der Staat zur Verfügung stellen könnte. Ich würde das verpflichtend machen - wer das nicht will, muss sich entscheiden, die 50 Euro so zu nehmen und nicht in den Kapitalmarkt zu investieren. Aber diesen Spareffekt, mit 6-7% Rendite, gibt es sonst nirgends.
 
ÖSTERREICH: Aber ein Risiko bleibt ...
 
BOSCHAN: Das Risiko immer wieder auftretender Abwärts-Zyklen bekommt man nur bei wirklich langfristigem Investieren weg. In 5-Jahres-Zeiträumen zu denken, macht keinen Sinn.
 
ÖSTERREICH: Wertpapiere sind also durchaus geeignet für die Altersvorsorge?
 
BOSCHAN: Der zugrundeliegende Gedanke ist einfach: Glaubt man an wirtschaftliche Entwicklung? Jeder kennt aus seinem normalen Leben, dass es Wirtschaftswachstum, Verbesserungen, Wohlstandszuwachs gibt. Akzeptiere ich diese Tatsache, gilt es nur noch, ein Instrument zu finden, wie ich selbst daran teilhaben kann: Nicht nur, indem ich Apples iPhone benutze, sondern indem ich in die Firmen, die diesen unglaublichen Mehrwert produzieren, investiere.
 
Das Interview führte Angela Sellner
 
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