Michael O’Leary, Chef der Billigfluglinie Ryanair, schießt einmal mehr gegen die Luftverkehrssteuer, die nur 150 Millionen Euro pro Jahr bringt, weniger als die Parkstrafen in Wien.
Ryanair-Boss Michael O’Leary attackiert Regierungs-Duo “Sleepy Stocker” und “Hopeless Hanke”. Im Fokus steht einmal mehr die Luftverkehrssteuer von 12 Euro pro Ticket.
Ryanair, Europas größte Fluggesellschaft, reduziert ihre Flotte in Wien gegenüber 2025 um fünf Flugzeuge von 19 auf 14, was einer Million Sitzplätze entspricht, streicht neun Strecken und fliegt ab Wien nur noch 73 Ziele an. In Klagenfurt streicht man die Verbindung Alicante, erhöht aber mit dem Sommerflugplan die wöchentliche Kapazität bei den Flügen nach London (Stansted) auf drei. Dies ist eine „direkte Reaktion auf das Versäumnis der österreichischen Regierung, die Luftverkehrssteuer in Höhe von 12 Euro pro Passagier abzuschaffen, die in Verbindung mit den hohen Flughafengebühren das Land wettbewerbsunfähig machen“, meint Michael O‘Leary.
Ryanair-Boss Michael O‘Leary (l.) und Andreas Gruber (Laudamotion GmbH) fordern die Abschaffung der heimischen Luftverkehrssteuer.
Interview mit Michael O’Leary/Ryanair zu den Themen Luftverkehrssteuer & Flughafen Gebühren
Insider: Ryanair hat bereits Kapazitäten aus Wien abgezogen – ist das aus Ihrer Sicht ein dauerhaftes Signal gegen den Standort Österreich oder eher ein taktischer Schritt, um politischen Druck aufzubauen?
Michael O‘Leary: Die Entscheidung, Flugzeuge außerhalb Wiens zu stationieren, ist nicht dauerhaft, sondern kostenbedingt. Hohe Gebühren und die Flugsteuer in Wien machen andere Länder wie die Slowakei, Italien oder Schweden attraktiver. Wenn die Luftverkehrssteuer abgeschafft und die Flughafenentgelte gesenkt werden, könnten wir unsere Flotte zurückbringen und den Verkehr in Wien verdoppeln. Ein entsprechendes fünfjähriges Wachstumskonzept haben wir der Regierung bereits vorgestellt, bisher ohne Umsetzung.
Insider: Der Flughafen Wien erwartet für heuer einen Passagierrückgang von 10 Prozent bzw. 2,6 Millionen Reisenden. Welche Folgen hat der Abzug von Ryanair für den Standort Wien?
O‘Leary: Wir ziehen mit dem Sommerflugplan 2026 fünf in Wien stationierte Flugzeuge, damit eine Million Sitzplätze und neun Strecken (u. a. Skiathos, Split, Sevilla, Tel Aviv oder Riga) aus Wien ab. Dies ist die direkte Reaktion auf das Versäumnis der österreichischen Regierung, die Luftverkehrssteuer von 12 Euro abzuschaffen, plus die hohen Gebühren des Flughafens Wien, die seit Covid um 30 % gestiegen sind. Da gibt es kostengünstigere EU-Länder wie die Slowakei, Schweden, Ungarn und Italien, die allesamt Luftverkehrssteuern abgeschafft und Flughafengebühren gesenkt haben, um Wachstum zu erzielen.
Insider: Der Abzug von einer Million Sitzplätze wird nicht nur negative Folgen für den Wien Tourismus haben.
O‘Leary: Fakt ist, dass wir nicht die Einzigen sind, die ihre Kapazitäten reduzieren – und dadurch besteht aktuell auch kein Bedarf, eine dritte neue Piste zu bauen. Wie viele Touristen wir tatsächlich nach Österreich – konkret nach Wien – bringen, lässt sich nicht exakt sagen. Im vergangenen Jahr haben wir rund sieben Millionen Passagiere befördert, heuer werden es voraussichtlich vier bis sechs Millionen sein. Wir gehen davon aus, dass 55 Prozent davon tatsächlich Wien-Touristen sind. Fünf Flugzeuge weniger bedeutet auch negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hierzulande – wir streichen am Standort Wien rund 200 Stellen, und der Flughafen Wien baut auf Grund von weniger zu erwartenden Passagieren ebenfalls 200 Arbeitsplätze ab.
Insider: Was macht andere Standorte günstiger?
O’Leary: In der Slowakei wurde die Flugabgabe abgeschafft, die Flugsicherungsgebühren um
33 % und die Flughafenentgelte um 50 % gesenkt. Schweden hat seine Flugsteuer ebenfalls abgeschafft. In Italien wurden in mehreren Regionen die Abgaben reduziert oder gestrichen. Österreich ist dadurch aktuell mindestens 12 Euro pro Ticket teurer als viele europäische Wettbewerber.
Insider: Sie fordern die Abschaffung der Flugsteuer und die Senkung der Flughafenentgelte um etwa 50 %. Wenn dies nicht geschieht, wird sich Ryanair, wie Wizz, komplett aus Wien zurückziehen?
O’Leary: Nein! Wir werden Wien nicht schließen. Wir werden weiterhin fliegen, aber ohne Wachstum. Dabei möchten wir eigentlich wachsen und haben der Regierung einen konkreten Plan vorgelegt, der zu einem der am schnellsten wachsenden Flughäfen Europas machen würde. Unser Ziel liegt für Österreich bei zwölf Millionen Passagieren bis 2030. Ryanair bekommt noch im laufenden Jahr 29 neue Flugzeuge vom Hersteller Boeing, weitere 300 Maschinen sollen in den kommenden zehn Jahren folgen. Ich würde gerne zehn zusätzlichen Flugzeuge bei sinkenden Standortkosten in Wien stationieren.
Insider: Nachdem Ryanair Starlink-Internet an Bord als zu teuer abgelehnt hat, bezeichneten Sie und Elon Musk einander öffentlich als ‚Idioten‘ – und nun lässt Musk sogar darüber abstimmen, ob er Ryanair kaufen soll: Ist das für Sie nur Show?
O‘Leary: Elon Musk kennt die europäische Luftfahrtregulierung nicht. Er kann Ryanair weder übernehmen noch kontrollieren. Seine Aussagen in sozialen Medien erzeugen viel Lärm, aber wir schenken dem wenig Aufmerksamkeit. Starlink ist technisch interessant, verursacht aber derzeit zusätzlichen Luftwiderstand und damit höhere Treibstoffkosten – das bestätigen sogar seine eigenen Systeme. Der öffentliche Schlagabtausch hat beiden Seiten viel kostenlose Aufmerksamkeit gebracht, aber strategisch ist das für uns kein Thema.
Interview: Irene Stelzmüller