Sanochemia weitet Verluste aus

Ergebnis 2008/09

Sanochemia weitet Verluste aus

Das burgenländische Pharmaunternehmen hat das Geschäftsjahr 2008/09 mit einem stark ausgeweiteten Verlust abgeschlossen. Das Ergebnis nach Steuern betrug minus 10,8 Mio. Euro (Vorjahr minus 3,7 Mio. Euro), das Ergebnis je Aktie lag bei minus 1,05 Euro (VJ: minus 0,34 Euro).

Bereits im Dezember hatte Sanochemia eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Der neue Vorstand der Sanochemia hat beschlossen, mit der Bilanz eine "umfassende Bereinigung aller Altlasten vorzunehmen, um unbelastet neu durchstarten zu können".

Die für die Restrukturierung aufgewendeten Kosten in der Höhe von 7,9 Mio. Euro seien "Einmaleffekte" und belasteten das diesjährige Bilanzergebnis "in einem enormen Ausmaß", sie sicherten jedoch dem Unternehmen "eine erfolgreiche Zukunft". Die im Geschäftsjahr erzielten Umsatzerlöse lagen mit 29,6 Mio. Euro auf Vorjahresniveau.

Zweitnotiz an die Wiener Börse

Das bisher nur in Frankfurt gelistete Pharmaunternehmen will darüber hinaus künftig auch an der Wiener Börse gelistet sein. Ein Antrag für die Einbeziehung in den Handel im Dritten Markt im Segment mid market wird umgehend erfolgen. Gleichzeitig soll eine Umlistung in Frankfurt ins General Standard-Segment erfolgen. Begründet wird dies mit den deutlich höheren Kosten in Frankfurt.

Die Handelsaufnahme in Wien soll noch im Februar erfolgen. Auch österreichische Investoren hätten schon seit langem ein Listing der Gesellschaft an der Wiener Börse gefordert, so Sanochemia.

Jährliche Einsparungen von 4 Mio. Euro angekündigt

Sanochemia will nach dem dramatischen Ergebniseinbruch im vergangenen Geschäftsjahr - Firmenchef Werner Frantsits: "eine fürchterliche Geschichte" - die Kosten um 4 Mio. Euro pro Jahr senken. Dazu gehört auch ein Personalabbau um 10 bis 12 %. Für das laufende Geschäftsjahr werde unterm Strich eine schwarze Null angepeilt.

Für die Ausweitung des Verlustes sei zu einem wesentlich Teil der frühere US-Partner Avigen verantwortlich, der vertragsbrüchig geworden sei. Gemeinsam mit Avigen wollte man das neue Medikament Tolperison zur Behandlung von multipler Sklerose (MS) entwickeln, allerdings sei das US-Pharmaunternehmen einen Großteil der von ihm zugesagten Zahlungen schuldig geblieben und man habe daher die Zusammenarbeit beendet.

"Wir waren der Steigbügelhalter, dass sich Avigen 80 Mio. Dollar von der Börse holen konnte. 30 Mio. Dollar davon sind beim Hauptaktionär verschwunden", sagte Frantsits. Das habe man kurzfristig nicht kompensieren können, dort lägen die Probleme der nun vorgelegten Bilanz.

Kein gutes Haar ließ Werner Frantsits aber auch am früheren Vorstand, der völlig umgekrempelt wurde. "Es kann nicht sein, dass der Vorstand zwei Jahre lang Budgets macht und sie dann um 20-30 % verfehlt. Im August 2009 ließ sich Werner Frantsits als Aufsichtsratspräsident karenzieren, um seinen Bruder Herbert Frantsits als Vorstandsvorsitzender und Finanzchef abzulösen, "aus dringenden gesundheitlichen Gründen", wie es hieß. Dabei sei "nicht klar, ob er krank ist, weil es das Problem gibt, oder ob es das Problem gibt, weil er krank ist".
Offiziell schied Herbert Frantsits per 31. Oktober 2009 aus dem Sanochemia-Vorstand aus. Maximilian Hudl, der für Marketing & Vertrieb sowie F&E zuständig war, hatte seine Vorstandstätigkeit bereits per Ende Mai 2009 "einvernehmlich" beendet. Lediglich Technik-Vorstand Anton Dallos durfte seinen Job behalten.

Er werde versuchen, vom Firmenbuch die Verlängerung seiner Karenzierung im Aufsichtsrat genehmigt zu bekommen, andernfalls ganz vom Aufsichtsrat in den Vorstand wechseln, erklärte Werner Frantsits. "Als Aufsichtsrat sehen Sie nur gefilterte Luft. Erst, wenn Sie selbst in der Exekutive sind, sehen Sie, wie es dort aussieht."

Das Programm zur Kostensenkung sei gut angelaufen, bereits im 1. Quartal des Geschäftsjahres (ab Oktober) habe man 800.000 Euro im Sach- und Personalkosten-Bereich eingespart. Mit der geplanten Personalreduktion um 10-12 % will Frantsits noch in diesem Jahr fertig werden. Per 30. September 2009 habe man 190 Mitarbeiter beschäftigt, jetzt seien es 172.

Der Umsatz sei im 1. Quartal 2009/2010 nach vorläufigen Zahlen um rund 10 % auf 6,6 Mio. Euro gestiegen, das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) habe im Vergleich zum Vorjahresquartal von -1,8 Mio. Euro auf 0,4 Mio. Euro ins Plus gedreht, der EBIT-Verlust sei von 3 Mio. Euro auf 1 Mio. Euro reduziert worden.

Fokus auf PVP-Hyperizin und Secrelux

Künftig will sich Sanochemie auf nur 2 innovative Projekte "mit hohem Realisierungsgrad" konzentrieren: "PVP-Hyperizin" zur Diagnose und Behandlung von Blasenkrebs sowie "Secrelux" für die Diagnose und Untersuchungen von Pankreas-Erkrankungen. Insbesondere Hyperizin könnte bei jährlich 4 Mio. Blasenkrebs-Patienten in den Industrieländern "international gesehen ein Blockbuster werden", glaubt Frantsits.

"Das geht in hunderte Millionen Dollar." Für mehr Forschungsprojekte habe man einfach nicht genügend Personal, erklärte der Sanochemia-Chef. So habe man 2007 fünf bis sechs F&E-Projekte gehabt und sei dabei auf 30 Mitarbeiter pro Projekt gekommen. Bei Novartis kämen 1.000 Mitarbeiter auf ein Projekt.