Siemens erwartet Auftragsschub

Deutschlands Atomausstieg

Siemens erwartet Auftragsschub

Bis 2022 müssen 20 Gigawatt Leistung aus der Kernkraft ersetzt werden.

Siemens-Chef Peter Löscher erwartet wegen des geplanten Atomausstiegs einen Auftragsschub. "Siemens kann Deutschland bei der Energiewende unterstützen, denn wir haben die notwendigen Technologien", sagte Löscher am Dienstag in München der Nachrichtenagentur dpa. "Siemens gehört zu den führenden Unternehmen bei erneuerbaren Energien, sauberen Gaskraftwerken und der verlustarmen Übertragung von Strom über weite Entfernungen."

Offshore-Windkraft als wichtiger Pfeiler
Das Unternehmen sei schon heute die Nummer Eins bei Offshore-Windkraft und baue beispielsweise die größten Windparks der Welt vor den Küsten Großbritanniens und Dänemarks. Offshore-Windkraft werde künftig auch in Deutschland ein wichtiger Pfeiler der Energieversorgung sein, sagte Löscher. "Viele Windräder werden dabei von Siemens stammen." Auch bei der Anbindung der Parks an die Haushalte werde der Konzern eine führende Rolle einnehmen.

20 Gigawatt Leistung aus den heutigen Atomkraftwerken müssen bis spätestens 2022 ersetzt werden. Je höher der Anteil der Erneuerbaren Energien im Netz, desto wichtiger seien saubere Gas- und Dampf-Kraftwerke, um die Netze stabil zu halten, sagte Löscher. "Sie können in wenigen Minuten hochgefahren werden, wenn Sonne und Wind nicht ausreichen."

Siemens soll "grüner Riese" werden
Löscher möchte Siemens zum "grünen Riesen" umzuwandeln. In den ersten drei Monaten dieses Jahres waren vor allem die Aufträge in der Energiesparte um 51 Prozent nach oben geschnellt. Von der Atomkraft, für die er noch bei Amtsantritt in München eine glänzende Zukunft sah, wendet sich der Konzern zunehmend ab - auch vor dem Hintergrund der Katastrophe im japanischen Fukushima.

Für den abrupten Ausstieg aus dem Joint Venture mit dem französischen Atomkonzern Areva muss Siemens eine Vertragsstrafe von fast 650 Mio. Euro zahlen. Sie liefert dem Unternehmen womöglich eine gute Begründung, die angedachte Atom-Partnerschaft mit dem russischen Unternehmen Rosatom nicht zu verwirklichen.