Der Salzburger Handelskonzern Spar hat sich von seiner Sporthandelstochter Hervis getrennt, der Verkauf wurde bereits am Freitag besiegelt.
Neue Eigentümer sind der deutsche Investor und Snipes-Gründer Sven Voth und Udo Schloemer, Gründer der Factory Berlin. Das teilte Spar am Montag mit und bestätigte damit Medienberichte der vergangenen Woche, wonach sich die Transaktion bereits "im Endspurt" befunden habe. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Mit dem Verkauf zieht Spar die Reißleine bei der defizitären Tochter. In den Jahren 2023 und 2024 hatte Hervis Verluste von über 100 Mio. Euro angehäuft. Allein 2023 belief sich der Abgang inklusive Abschreibungen auf 64 Mio. Euro, 2024 waren es 43 Mio. Euro. Auch der Umsatz war zuletzt rückläufig und sank von 261 auf 253 Mio. Euro. Spar-Chef Hans Reisch hatte bereits Ende 2025 "weitere Entscheidungen" bezüglich der Zukunft des Sporthändlers angekündigt.
Sven Voth
Voth übernimmt alle Standorte und Mitarbeiter
Der neue Eigentümer Sven Voth ist in der Branche kein Unbekannter. Er gründete 1998 die Streetwear-Kette Snipes, an der sich später Deichmann beteiligte. Voth, der als Wahlwiener gilt, übernimmt nun das Österreich-Geschäft von Hervis mit allen 134 Standorten und allen Beschäftigten in Österreich, Slowenien, Kroatien und Bayern. Die Mitarbeiterzahl in Österreich lag zuletzt bei rund 1.360, nachdem im Jahr 2024 bereits Filialen geschlossen wurden.
Bereits im Herbst 2025 hatte Hervis einen strikten Restrukturierungskurs eingeschlagen und sich von seinen Auslandsgesellschaften getrennt. Die Standorte in Ungarn und Rumänien gingen an die britische Frasers Group (ehemals Sports Direct). Aus dem tschechischen Markt hatte sich Hervis schon 2022 zurückgezogen.
Harter Wettbewerb im Sporthandel
Die Übernahme fällt in eine schwierige Phase für den österreichischen Sporthandel. Nach einem "Sonder-Umsatzboom" während der Pandemie führten Konsumzurückhaltung und hohe Lagerbestände ab 2022 zu Problemen in der gesamten Branche. Der Markt wird von Intersport und Sport 2000 dominiert, Hervis liegt laut RegioData auf Platz drei. Der Konkurrenzdruck hatte zuletzt bereits das "Österreich-Abenteuer" des norwegischen Händlers XXL Sports beendet, während der französische Diskonter Decathlon seine Präsenz seit 2018 stetig ausbaut.