Telefontankstelle_TA

Mutation

Telefonzellen als Stromtankstellen

Noch mehr als die Festnetz-Heimanschlüsse verlieren angesichts des Handybooms Telefonzellen an Bedeutung. Aber so wie das Festnetz dank des Breitband-Internets zusätzliche Funktionen übernimmt, hat die Telekom Austria (TA) jetzt auch für die Telefonzellen neue Aufgaben vorgesehen.

Die TA wird bestehende Telefonzellen zu Stromtankstellen machen. Der erste Pilot-Standort in der Wiener Lassallestraße wird nun in Betrieb genommen.

Saft für E-Bikes & Co

TA-Chef Hannes Ametsreiter wird die Details des innovativen Projekts sowie weitere Pläne heute präsentieren. Die Telefonzellen bleiben als solche bestehen, werden aber zugleich Ladestationen für E-Bikes, E-Scootern und E-Autos.

Damit leistet die TA einen wichtigen Beitrag für die Infrastruktur der heimischen E-Mobility. Und das Unternehmen trägt der zunehmenden Wichtigkeit des Konvergenzgedankens Rechnung, indem sie noch mehr Services aus einer Hand anbietet.

Stromtanken an der Telefonzelle: Pilotversuch gestartet

In Österreich gibt es derzeit etwa 13.500 Telefonzellen, die allerdings wegen des Handybooms immer seltener benutzt werden. Nun hat die TA doch Verwendung gefunden: Bis Jahresende will sie 30 Telefonzellen zu Stromtankstellen umbauen. Der erste Prototyp steht vor der TA-Zentrale in der Lassallestraße in Wien. Im Probebetrieb können Elektrofahrzeuge kostenlos aufgeladen werden, künftig soll die Bezahlung via Handyrechnung erfolgen.

Wie viele Telefonzellen insgesamt umgerüstet werden, werde man erst "ausloten", sagte TA-Boss Hannes Ametsreiter. Die Kosten für den Umbau bezifferte er mit etwa 1.500 bis 3.000 Euro pro Ladestation. Sinn mache die Umrüstung nur bei Telefonzellen, bei denen es entsprechende Abstellplätze für Elektrofahrzeuge gibt. Die TA sei schon in Gesprächen mit Kommunen, damit Parkplätze fürs Stromtanken reserviert werden.

Um ein E-Auto voll aufzuladen, muss es etwa 6,5 Stunden an der Ladestation hängen. Ein E-Scooter braucht 80 Minuten, ein E-Fahrrad 20 Minuten. Kostenpunkt für eine Auto-Tankladung: ein "einstelliger Eurobetrag".

Der Markt für Elektroautos ist in Österreich freilich "noch ein zartes Pflänzchen", sagte Martin Blum vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). 2009 waren in Österreich gerade einmal 223 E-Autos zugelassen, weitere 3.559 Pkw - von insgesamt 4,36 Mio. - hatten einen Hybridmotor. Bis 2020 sollen laut VCÖ-Prognose 405.000 Elektro- und Hybridautos auf Österreichs Straßen unterwegs sein. Wie schnell sich Elektroautos durchsetzen werden, hänge von den Treibstoffpreisen, den CO2-Werten für Neuwagen und der Batterieentwicklung ab.

Da in Österreich zwei Drittel aller Autofahrten kürzer als zehn Kilometer seien, sieht der VCÖ großes Umstiegspotenzial. Die geringe Reichweite der strombetriebenen Autos - derzeit 150-200 km - sei daher "eigentlich kein Thema", so Blum.

Im Gegensatz zu den E-Autos erleben strombetriebene Fahrräder einen regelrechten Boom. Im Vorjahr wurden 12.000 E-Bikes verkauft, heuer soll die Zahl auf 20.000 ansteigen. 2015 könnten es 75.000 werden, so Blum. Vor allem für ältere Personen und Business-Leute - "damit man nicht im Anzug verschwitzt ans Ziel kommt" - seien die motorisierten Zweiräder attraktiv. 2015 könnte es dem VCÖ zufolge außerdem 50.000 bis 60.000 Elektromopeds und -motorräder geben. Ende Dezember 2009 waren 1.955 zugelassen.

Während des Stromtankstellen-Testbetriebs können sich Fahrzeugbesitzer via SMS oder RFID-Chip, der in den Fahrzeugstecker eingebaut wird, identifizieren. An der Ladestation selbst ist dann keine Anmeldung mehr erforderlich. Nach der Pilotphase soll per paybox bezahlt werden. Die direkte Abrechnung übers Handy, für die etwa 19 Euro an Gebühren im Jahr anfällt, funktioniert für alle Mobiltelefonbesitzer außer für "3"-Kunden.