Twitter will eine Milliarde an der Börse

Einnahmen

Twitter will eine Milliarde an der Börse

Das US-Unternehmen machte Dokumente für die Neuemission öffentlich.

Der Online-Kurznachrichtendienst Twitter hofft bei seinem mit Spannung erwarteten Börsengang auf einen Erlös von einer Milliarde Dollar (umgerechnet etwa 740 Millionen Euro). Aus einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC ging am Donnerstag außerdem hervor, dass das soziale Netzwerk mehr als 215 Millionen aktive Nutzer zählt. Die Aktien des Unternehmens sollen unter dem Symbol TWTR notieren. Twitter hatte den Antrag für die Neuemission vor drei Wochen bei der SEC eingereicht. Ein Termin für das Börsendebüt war noch nicht bekannt.

Börsengang enthüllt Twitter-Geheimnisse 1/5
Twitter hat noch nie Gewinn gemacht
Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres lief ein Verlust von 69,2 Millionen Dollar (50,9 Mio. Euro) auf. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 79,4 Millionen und 2011 sogar 164 Mio. Dollar. Zur Jahresmitte hatte das Unternehmen noch gut 160 Mio. Dollar auf der hohen Kante.


Das in San Francisco ansässige Unternehmen nutzt eine neue Möglichkeit für einen "vertraulichen" Börsengang. Bei dem Verfahren müssen Firmen mit einem Jahresumsatz von unter einer Milliarde Dollar zunächst weniger Informationen öffentlich machen. Nun gab Twitter in dem Börsenprospekt einen Einblick in seine Geschäftszahlen. Das Unternehmen machte laut der Mitteilung an die SEC im Jahr 2012 einen Verlust von fast 80 Millionen Dollar (59,19 Mio. Euro). Der Umsatz lag im vergangenen Jahr demnach bei knapp 317 Millionen Dollar (234,55 Mio. Euro).

Rasantes Wachstum
Das 2006 gegründete Unternehmen ist eines der am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke im Internet. Zum Stichtag 30. Juni hatte Twitter den Angaben zufolge 218 Millionen aktive Nutzer. Im Vorjahr habe die Zahl bei 151 Millionen Nutzern gelegen. Besonders präsent ist Twitter demnach in den USA, wo 49 Millionen Menschen aktiv sind.

Die Twitter-Nutzer können sich untereinander vernetzen und Kurznachrichten verschicken. Diese sogenannten Tweets dürfen maximal 140 Zeichen lang sein. Oft werden dabei auch Verlinkungen zu Webseiten, Fotos oder anderen Dokumenten versendet.

Die Plattform, die anfangs als Netzwerk zum Austausch von Belanglosigkeiten belächelt wurde, hat in den vergangenen Jahren stark an politischer und gesellschaftlicher Relevanz gewonnen. Die Demonstranten in der arabischen Welt nutzten Twitter, um die staatliche Zensur zu umgehen und ihre Aktivitäten zu koordinieren. Vor allem in den USA treten Politiker über das Netzwerk direkt mit Wählern in Kontakt, Behörden verschicken über Twitter Mitteilungen.

Plattform der Stars
Auch in der Unterhaltungsbranche erfreut sich Twitter großer Beliebtheit. Viele Sänger und Schauspieler wenden sich über die Kommunikationsplattform an ihre Fans. Der kanadische Teeniestar Justin Bieber hat der Webseite twittercounter.com zufolge mehr als 44 Millionen "Follower", also Nutzer, die seine Kurznachrichten verfolgen. Führender Politiker ist US-Präsident Barack Obama mit immerhin mehr als 36 Millionen "Followern". Twitter ist nur einer von weltweit mehreren Kurznachrichtendiensten, aber einer beliebtesten in der Kommunikations- und Medienbranche.