Insider warnt

USA wollen Russland-Deal von Raiffeisen stoppen

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Sanktionen der Amerikaner drohen, warnen Insider. 

Die US-Behörden wollen der Raiffeisen Bank International (RBI) bei ihrem heiklen Milliarden-Deal rund um den russischen Oligarchen Oleg Deripaska und dessen Anteile am Baukonzern Strabag einen Strich durch die Rechnung machen.

"Deal kann nach hinten losgehen" 

Hochrangige Vertreter des US-Finanzministeriums drängten die österreichische Bank dazu, von ihren Plänen abzurücken, sagten Insider zu Reuters: „Dieser Deal kann nach hinten losgehen.“ Die Amerikaner könnten Strafen gegen die Bank verhängen.

RBI-Chef Johann Strobl möchte über die russische Tochter für rund 1,5 Milliarden Euro 27,8 % an Strabag von einem Deripaska-nahen Unternehmen kaufen. So könnte man in Russland festgefrorenes Kapital frei bekommen. Ärger droht: Die USA sind dagegen.

USA wollen Russland-Deal von Raiffeisen stoppen
© APA/HANS KLAUS TECHT
× USA wollen Russland-Deal von Raiffeisen stoppen

USA will Details wissen

Die Amerikaner hätten die Bank aufgefordert, Einzelheiten über die Personen und Unternehmen zu nennen, die an dem Deal beteiligt sind, sagten die Insider. Sie befürchteten, dass Deripaska von der Transaktion profitieren könnte. Die RBI ist schon länger im Visier der USA. So hatte etwa die US-Sanktionsbehörde Office of Foreign Assets Control (OFAC) der Bank vor einem Jahr einen Brief mit einer Reihe von Fragen zu ihrem Russland-Geschäft geschickt.

Einem Insider zufolge ist inzwischen ein weiterer wichtiger Akteur involviert: Vertreter des US-Justizministeriums sind laut einer mit der Situation vertrauten Person mehrfach in Wien gewesen und hätten Fragen zum Russland-Geschäft gestellt. Anfang März hatte die RBI außerdem Besuch von einer hochrangigen Vertreterin des US-Finanzministeriums, Anna Morris.

Komplexe Transaktion soll eingefrorene Gewinne loseisen

Konkret geht es darum: Die wegen ihres Russland-Geschäfts unter Druck stehende RBI versucht über eine komplexe Transaktion eingefrorene Gewinne aus dem Land herauszuholen.

Seit dem Krieg in der Ukraine schüttet die russische Tochterbank, die die Cashcow der in Osteuropa tätigen Bankengruppe ist, keine Gewinne mehr an die Konzernmutter in Wien aus.

Nun will Bankchef Johann Strobl über die russische Tochter für rund 1,5 Milliarden Euro 27,8 Prozent an Strabag von der russischen MKAO Rasperia kaufen, deren Eigentümerschaft undurchsichtig ist.

Offiziell hat Deripaska seine Beteiligung an der MKAO vor Jahren auf 49 Prozent reduziert. Einer Beteiligungsmeldung zufolge, die die Strabag von Rasperia erhalten hat, übt er aber die Kontrolle aus. Der Oligarch gilt als enger Vertrauter von Russlands Präsident Wladimir Putin. Er wurde von den USA und der EU mit Sanktionen belegt und sein Vermögen eingefroren. Deripaska erhält deshalb von der Strabag keine Dividenden.

Verkauf des Aktienpakets soll über mehrere Ecken  

Der Verkauf des Aktienpakets soll über mehrere Ecken erfolgen: In einem ersten Schritt soll zunächst das Strabag-Aktienpaket von Rasperia an ein russisches Unternehmen namens Iliadis wandern, der dann die RBI das Paket abkauft. Wer hinter dieser Firma steckt, wollte der RBI-Chef zuletzt nicht sagen. Dazu sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Strobl und verwies darauf, dass die Firma nicht sanktioniert sei. Nach dem Closing, das für das erste Quartal angekündigt wurde, soll die russische Tochterbank die Strabag-Aktien als Sachdividende an die RBI übertragen. Doch an dieser Schnittstelle ist ein weiterer Unternehmer involviert: Stephan Zöchling, Miteigentümer des steirischen Auspuffspezialisten Remus und jener Investor, der das restliche Vermögen der Europatochter der russischen Sberbank übernommen hat. Er fungiert als Geschäftsführer jener Beteiligungsfirma, an die die RBI-Anteile an der Strabag übertragen werden sollen. Zöchling hat einem Insider zufolge jahrelang für Deripaska gearbeitet.

Die RBI erklärte in einem Statement, dass sie alle geltenden Sanktionen sorgfältig überprüft habe, bevor die Transaktion im Dezember angekündigt worden war. In den letzten Wochen seien alle relevanten Behörden, auch das US-Finanzministerium und die US-Sanktionsbehörde OFAC, über die Einzelheiten der Transaktion informiert worden. "Darüber hinaus wurde bestätigt, dass es keinen US-Bezug zu dieser Transaktion gibt. Es versteht sich von selbst, dass die RBI keine Geschäfte tätigen wird, die gegen Sanktionen verstoßen oder die RBI dem Risiko von Sanktionen aussetzen würden", so die Bank.

Aktie rutschte ab

Wegen der ablehnenden Haltung der USA würden auch die österreichischen Behörden vorerst kein grünes Licht geben, sagte einer der Insider. Aber auch die europäischen Stellen warten noch ab. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte zu Reuters, dass die Transaktion bekannt sei, man habe aber die Behörden in Österreich um Klarstellungen gebeten. Deren Antworten stünden noch aus. Die EU-Kommission stehe zudem in engem Kontakt mit den US-Behörden. Generell sei es verboten, mit Vermögenswerten, die aufgrund der EU-Sanktionen eingefroren sind, zu handeln, sagte der Sprecher.

Die Aktie der Raiffeisen Bank International (RBI) rutschte am Nachmittag um 11 Prozent auf 17,38 Euro ab.

 
 


 
  

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