"Schwarzer April"

"War nie so schlimm": IEA warnt vor massiver Öl- und Energiekrise

"Wir steuern auf schwarzen April zu", warnt die Internationale Energieagentur. Die Lage sei noch nie so ernst gewesen. Der Prozess zu Freigabe strategischer Reserven läuft weiter. 

Die durch die Blockade der Straße von Hormus ausgelöste Öl- und Gaskrise ist laut Internationaler Energieagentur (IEA) schwerwiegender als die Krisen von 1973, 1979 und 2022 zusammen. "Die Welt hat noch nie eine Unterbrechung der Energieversorgung dieses Ausmaßes erlebt", sagte IEA-Chef Fatih Birol in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der französischen Zeitung "Le Figaro".

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Europa, Japan, Australien und andere würden dadurch belastet, aber die am stärksten betroffenen Staaten seien die Entwicklungsländer. "Wir müssen uns bewusst sein, dass der März sehr schwierig war, aber der April wird noch viel schlimmer werden", mahnte Birol. Sollte die vom Iran derzeit faktisch blockierte Meerenge den ganzen April über geschlossen bleiben, "verlieren wir doppelt so viel Rohöl und Raffinerieprodukte wie im März - wir steuern auf einen 'schwarzen April' zu".

Prozess zu Freigabe strategischer Reserven läuft weiter

Die IEA-Mitgliedsländer hatten sich im vergangenen Monat zur Entlastung darauf geeinigt, einen Teil ihrer strategischen Reserven freizugeben. Der Prozess gehe weiter, sagte Birol. Dies lindere den "Schmerz" aber nur. Die einzig wirkliche Lösung sei die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. "Solange sie geschlossen bleibt, wird die Weltwirtschaft vor sehr ernsten Schwierigkeiten stehen", warnte Birol. Er sei derzeit sehr pessimistisch, weil dieser Krieg eine der Lebensadern der globalen Wirtschaft blockiere: "Nicht nur Öl und Gas, sondern auch Düngemittel, Petrochemikalien, Helium und vieles mehr."

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Iran gibt Trump-Forderung bisher nicht nach

Der Iran zeigt derzeit aber keine Anzeichen, der Forderung von US-Präsident Donald Trump nachzugeben und die Straße von Hormus zu öffnen. Birol sagte, der Rückgang der Ölproduktion am Golf sei enorm. "Diese Länder fördern derzeit nur noch etwas mehr als die Hälfte der Ölmenge, die sie vor dem Krieg gefördert haben - und Erdgas wird überhaupt nicht mehr exportiert."

Deutschland, Österreichs bedeutendster Handelspartner, befinde sich in einer sehr schwierigen Lage, was Erdgas und zuverlässige Stromquellen wie die Atomenergie betreffe, und sich damit auch auf die Strompreise auswirke. "Die deutsche Wirtschaft und Industrie könnten in den kommenden Wochen, Monaten und sogar Jahren vor sehr ernsten Herausforderungen stehen", sagte Birol.

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