Frühling am Schweizer Arbeitsmarkt

Frühling am Schweizer Arbeitsmarkt

Der Schweizer Arbeitsmarkt taut auf. Im Frühlingsmonat März sank die Arbeitslosenquote überraschend stark von 4,4 auf 4,2 %. Dank der wärmeren Temperaturen wurde mehr gebaut. Aber auch die Erholung der Wirtschaft schlug durch.

"Der Frühling hat den Arbeitsmarkt erreicht", sagt Serge Gaillard, Leiter der Direktion für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Zwar sei ein Rückgang der Arbeitslosigkeit im Frühling üblich. Doch einen derart starken Rückgang im März habe es seit 2007 nicht mehr gegeben.

Ende März 2010 waren 166.032 Arbeitslose bei den Regionalen Vermittlungszentren (RAV) eingeschrieben, wie das SECO am Donnerstag mitteilte. Das sind 6.967 Personen weniger als im Februar.

Im Vergleich zum März 2009 lag die Arbeitslosenquote allerdings noch um 0,8 Prozentpunkte höher. Nach den schwierigen Wintermonaten bewegt sich die Quote aber wieder auf dem Niveau des vergangenen Herbsts.

Für die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt gab es vor allem saisonale, aber auch konjunkturelle Gründe. Wegen der wärmeren Temperaturen entstanden namentlich auf dem Bau neue Stellen.

Die konjunkturelle Aufhellung widerspiegelt sich darin, dass praktisch in allen Branchen und Kantonen die Arbeitslosigkeit gesunken ist, wie Gaillard sagt. Zum ersten Mal seit der weltweiten Wirtschaftskrise machte sich nun die Konjunkturerholung auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar.

Deutlich gesunken ist auch die Jugendarbeitslosigkeit. Bei den 15-bis 24-Jährigen waren 26.752 ohne Arbeit. Das entspricht einem Rückgang von 7,3 %. Die Quote sank binnen Monatsfrist von 5,2 auf 4,8 %.

Von der Arbeitslosigkeit besonders betroffen waren auch im März die Ausländer. Bei ihnen betrug die Arbeitslosenquote 8,3 %. Bei den Schweizern lag sie bei 3,0 %.

Doch auch hier ist eine Besserung auszumachen. Im Vergleich zum Vormonat ist vor allem bei den Portugiesen und den Personen aus dem Westbalkan die Arbeitslosigkeit spürbar gesunken.

Trotz aller Freude ist Vorsicht geboten. Zwar sieht es so aus, als ob die Firmen wieder mehr Leute anstellen. Allerdings befinden sich relativ viele Personen in einem temporären Zwischenverdienst, wie Gaillard erklärt. Diese Personen sind nach wie vor auf dem RAV als stellensuchend gemeldet.

Außerdem verläuft die Erholung nicht in allen Branchen gleich. "Vor allem gewisse Teile der Industrie machen nur langsame Fortschritte", sagt Gaillard.

Das zeigt auch die Kurzarbeit, die in der Schweiz trotz eines leichten Rückgangs nach wie vor auf einem hohem Niveau liegt. Im Jänner 2010 - aktuellere Daten liegen nicht vor - waren 37.792 Personen davon betroffen.

Für die nächsten Monate gibt sich das SECO optimistisch. Die Arbeitslosigkeit dürfte bis zum Sommer weiter sinken. Unsicher präsentiert sich jedoch die zweite Jahreshälfte.

"Die Erholung der Wirtschaft in Europa ist fragil und hängt von staatlichen Impulsprogrammen ab", erklärt Gaillard. Diese laufen zusehends aus. In der Schweiz könnte zudem der starke Franken die Erholung weiter abbremsen.