Hohe Ölpreise belasten die Börsen weltweit. In Wien steht beim heimischen Leitindex ATX ein Wochenminus von über zwei Prozent in Aussicht. Vom Rekordhoch hat man schon 10 Prozent verloren.
Der Wiener Aktienmarkt hat zum Wochenausklang weiter nachgegeben. Der ATX fiel am Freitag bis gegen Mittag um 1,10 Prozent auf 5.290,03 Punkte. Damit dürfte der heimische Leitindex die zweite vom Iran-Krieg geprägte Handelswoche mit einem Wochenverlust von rund 2,1 Prozent abschließen. Für den ATX Prime ging es um 1,12 Prozent auf 2.631,59 Zähler hinab.
Abgaben verbuchten auch die anderen europäischen Börsenbarometer. Die Anleger bleiben vor dem Wochenende wegen möglicher weiterer Ereignisse im Nahen Osten wohl vorsichtig. Auch in Asien waren die Vorzeichen an den Aktienmärkten wieder negativ, während US-Futures einen schwachen Auftakt an der Wall Street andeuteten.
Minus 10 Prozent vom Rekordhoch entfernt
Vom fast drei Wochen alten Rekordhoch bei knapp 5.867 Punkten ist der ATX bereits um rund 9,6 Prozent zurückgefallen. Damit nähert sich der Leitindex wieder der charttechnischen Korrekturzone, die üblicherweise ab einem Rückgang von rund zehn Prozent von der vorherigen Kursspitze definiert wird. Diese Schwelle hatte das Börsenbarometer im früheren Verlauf der Woche bereits vorübergehend unterschritten.
Der Brent-Preis hielt sich am Freitagvormittag weiterhin über der Marke von 100 US-Dollar. Irans neuer Führer Mojtaba Khamenei hatte am Donnerstag bekräftigt, dass die Straße von Hormuz geschlossen bleiben soll. Zudem droht der Iran mit weiteren Angriffen auf die Öl- und Gas-Infrastruktur der Region. Die erhöhten Energiepreise schlagen sich durch wachsende Sorgen über die Auswirkungen auf Inflation und Konjunktur wiederum auf die Aktienkurse nieder.
Kommt Zins-Schock?
Fraglich ist noch, wie die Europäische Zentralbank (EZB) auf einen Inflationsanstieg reagieren würde. Einer Bloomberg-Umfrage zufolge rechnet die große Mehrheit der vor wenigen Tagen befragten Ökonomen, dass die EZB ihre Schlüsselzinssätze in diesem Jahr noch nicht anheben wird. An den Terminmärkten werden hingegen bereits bis zu zwei kleine Zinsanhebungen bis Jahresende eingepreist. Knackpunkt ist dabei, ob die EZB ölpreisbedingte Inflationsanstiege als vorübergehend ansehen kann, was insbesondere auf die Auswirkungen auf die Inflationserwartungen im Euroraum ankommen dürfte.
UNIQA rutschten nach Zahlen um 4,5 Prozent ans ATX-Ende ab. Der Aktienkurs hatte sich seit Beginn des Vorjahres jedoch schon mehr als verdoppelt. Der Versicherer hatte 2025 unter anderem wegen ausbleibender Naturkatastrophen deutlich besser verdient und hob daher die Dividende deutlich an. Erste-Analyst Thomas Unger stufte Zahlen und Ausblick des Versicherers als erwartungsgemäß ein. Der höher als erwartet ausgefallene Dividendenvorschlag sei eine positive Überraschung.
Unter den wenigen Gewinnern im ATX befanden sich die Ölwerte. Angesichts der starken Ölpreisanstiege reagierten mehrere Analysten mit Kurszielanhebungen für europäische Branchenvertreter. OMV stiegen um knapp 1,6 Prozent. Klare Abgaben gab es jedoch bei den konjunktursensiblen Industriewerten und Banken.
Außerhalb des Leitindex fielen Mayr-Melnhof um 2,2 Prozent auf 92,30 Euro. Analyst Michael Marschallinger hob sein Kursziel von 82,2 auf 95,5 Euro an, beließ das Papier jedoch auf "Hold". Der europäische Kartonsektor befinde sich weiterhin in einer anhaltenden Phase struktureller Ungleichgewichte, die durch Überangebot, gedrückte Auslastungsraten und eine schwache Nachfrage gekennzeichnet sei, schrieb der Analyst.