Unser Appetit ist kaum zu stoppen. Inzwischen sind viele Fischpopulationen überfischt.
Heutzutage isst der Mensch im Durchschnitt knapp 19 Kilogramm Fisch pro Jahr. Diese Zahl hat sich in 50 Jahren verdoppelt. Unser Fischkonsum verursacht eine regelrechte Plünderung der Weltmeere und wird zu einer Bedrohung für lokale Fischer in Entwicklungsländern, die überwiegend vom Fischfang leben.
Hier eine Grafik, die das Ausmaß der Überfischung verdeutlicht.
Die Europäische Union zählt zu den weltweit größten Importeuren. Insgesamt wird etwa die Hälfte des konsumierten Fisches in der EU importiert. Österreich importiert sogar 95 Prozent seines Fischbedarfs. Dieses Konsumverhalten sorgt dafür, dass viele Fischarten schon bald aussterben werden. Darüber hinaus sind rund 800 Millionen Menschen, überwiegend in Entwicklungsländern, vom Fischfang abhängig. Gibt es keine Fische mehr, ist ihre Existenz bedroht.
Gründe der Überfischung
Die Weltbevölkerung steigt von Jahr zu Jahr an, und das überproportional. Immer mehr Menschen möchten Fisch essen und der allgemeine Konsum steigt auch. Während 2009 noch 123,8 Millionen Tonnen Fisch gefangen wurden, waren das 2016 bereits 154,4 Millionen Tonnen. Für die Produzenten bedeutet das: schneller und mehr Fisch. Dies ist unter anderem durch technologischen Fortschritt möglich. Die Fangschiffe, sowie deren Fangnetze sind wesentlich größer geworden und die Produzenten fischen inzwischen in 2.000 Metern Tiefe. Hinzu kommt, dass man mit neuen Technologien auch in vorher unzugänglichen Arealen (z.B. in Riffnähe) fischen kann.
Einen weiteren Grund für die Überfischung der Weltmeere stellt der Beifang dar. Darunter versteht man Fische und andere Meerestiere, die beim Fischen gefangen werden, aber nicht das eigentliche Fangziel sind. Einige von diesen Tieren werden verwertet, viele aber werden teils schwer verletzt wieder zurück ins Meer geworfen. Es gibt keine genauen Angaben dazu, wie hoch der weltweite Beifang im Jahr ausfällt. Greenpeace geht von einer Menge von 6,8 bis 27 Millionen Tonnen Beifang aus. Darunter befinden sich oft Seevögel, Schildkröten, Wale, Delfine und Haie.
Nachhaltig Fisch und Meeresfrüchte kaufen
Voraussetzungen für nachhaltige Fischerei
- Die Fangquoten sind so festgelegt, dass der Fischbestand sich erholen kann und auch in folgenden Jahren ein ähnlich hoher Ertrag erwirtschaftet werden kann.
- Man nutzt lediglich selektive Fangmethoden, sodass Beifang möglichst vermieden werden kann. Vermeidung von Grundschleppnetzen und Treibnetzen.
Achten Sie auf das MSC-Siegel
Das Siegel von Marine Stewardship Council, kurz MSC-Siegel, wird an Fischereien vergeben, die nachhaltig wirtschaften und auf schonende Weise auf den Meereslebensraum einwirken. Hierbei betrachten unabhängige Gutachter die Fangmethode der Fischerei sowie das Ausmaß des Beifangs. Zwar ist das MSC-Siegel ein erster Indikator für nachhaltigen Fisch, jedoch kann man sich nicht ganz allein auf das Siegel verlassen. Denn es kommt auch vor, dass Fischereien mit beträchtlich hohem Anteil an Beifang das Siegel erhalten und auch zeitweilige Überfischungen von der Organisation akzeptiert werden.
Achten Sie auf die Fangmethode
Hersteller haben eine Kennzeichnungspflicht und müssen dementsprechend die Herkunft und die Fangmethode des Fisches angeben. Davon ausgenommen ist bereits verarbeiteter Fisch, z.B. Heringssalat oder Fisch, den man im Restaurant isst.
Wenn Sie frischen Fisch kaufen, achten Sie auf die Fangmethode. Grundschleppnetze zum Beispiel verursachen eine tragische Beifangrate von 80-90 Prozent und zerstören das Ökosystem am Meeresboden. Folgende Fangmethoden sind zu empfehlen.
Ringwadennetze: Hierbei handelt es sich um eine selektive Fangmethode. Das heißt, nicht gewünschte Meerestiere sowie Jungtiere werden erst gar nicht gefangen oder können durch die Netze hindurchschlüpfen. Bei dieser Fangmethode wird ein lokalisierter Fischschwarm mit den Netzen ringförmig umschlossen und diese dann von unten aus zugezogen.
Pelagische Schleppnetze: Die Netze werden durch das freie Wasser gezogen, wobei die Meeresoberfläche und der Meeresgrund unbeeinflusst bleiben. Die per Echolot georteten Fische sammeln sich am Ende des Netzes, der sich zuziehen lässt.
Handangeln: Diese Fischereiart hat keine Auswirkung auf den Boden und ist in der Regel sehr selektiv, da auch der verwendete Köder an den Zielfisch angepasst wird. Das Handangeln benötigt, wie es der Name bereits verrät, viel Muskelkraft, denn es kommen lediglich Angelruten, Köderfische und Sprühwasser zum Einsatz. Oft wird diese Methode beim Thunfisch angewendet.
Schleppangeln oder Kurzleinen: Hierbei wird ein Köder hinter dem Angelboot durch das Wasser gezogen. Zwar liegt die Beifangrate bei gerade einmal 0,7 Prozent, aber diese Fangmethode ist sehr personalintensiv und daher eher selten anzufinden.
Kaufen Sie den richtigen Fisch
Ob ein Fisch bzw. Meerestier als nachhaltig klassifiziert werden kann, hängt von der Fischart, vom jeweiligen Fanggebiet (die Welternährungsorganisation FAO teilt die Weltmeere in 19 Fanggebiete auf) und der Fangmethode ab.
Da die Fangmethoden bereits erwähnt wurden, finden Sie in folgender Tabelle einige Fischarten aus bestimmten Fanggebieten, die Sie mit gutem Gewissen kaufen können. Hierbei ist aber auch zu erwähnen, dass die Fischbestände ständigen Schwankungen unterliegen, auch bedingt durch die Umweltverschmutzung, weshalb ein Blick in den WWF-Fischratgeber ratsam ist. Den WFF-Fischratgeber gibt es auch als App für Android und Apple.
| Empfohlene Tiere | Fanggebiete / Zuchtmethode |
|---|---|
| AUSTER | Aquakultur: Hänge- oder Pfahlkulturen, Bodenkulturen |
| BACHFORELLE, SEEFORELLE | Österreich: Aquakultur |
| EISMEERGARNELEN | Nordostpazifik FAO 67 |
| HEILBUTT | Europa: Aquakultur |
| HERING | Nordostatlantik FAO 27 und Nordwestatlantik FAO 21 |
| HUMMER | Nordwestatlantik FAO 21 |
| KABELJAU | Nordostatlantik FAO 27 |
| KAISERGRANAT, SCAMPI | Nordostatlantik FAO 27 |
| KARPFEN | Europa: Aquakultur |
| PAZIFISCHER LACHS | Nordostpazifik FAO 67 |
| LANGUSTE | Indischer Ozean FAO 57 |
| MAKRELE | Nordostatlantik FAO 27 |
| MIESMUSCHEL | Aquakultur: Leinenkultur und Nordostatlantik FAO 27 |
| OKTOPUS | Westlicher Zentralatlantik FAO 31 und Mittlerer Ostatlantik FAO 34 |
| REGENBOGENFORELLE | Polen, Dänemark: Aquakultur |
| SARDELLE | Nordostatlantik FAO 27 |
| SPROTTE | Nordostatlantik FAO 27 |
| THUNFISCH, ECHTER BONITO, SKIPJACK | Westpazifik FAO 61, 71, 77, 81, Indischer Ozean FAO 51, 57 |
| THUNFISCH, GELBFLOSSENTHUN | Westlicher und Mittlerer Pazifik FAO 61, 71, 77, 81 |
| THUNFISCH, GROSSAUGENTHUN | Indischer Ozean FAO 51, 57 |
| THUNFISCH, WEISSER THUN | Nordpazifik FAO 61, 67 und Zentralpazifik FAO 71, 77 und Pazifischer Ozean FAO 61, 67, 71, 77, 81, 87 |
| TILAPIA | Südostasien (Binnengewässer) und Europa: Aquakultur |
| TINTENFISCH, HUMBOLDT-KALMAR | Südostpazifik FAO 87 |
| TINTENFISCH, KALMAR (LOLIGO) | Nordostatlantik FAO 27, Südostatlantik FAO 47 |
| TINTENFISCH, PFEILKALMAR | Nordwestlicher Pazifik FAO 61 und Nordostatlantik FAO 27, Mittlerer Ostatlantik FAO 34 |
| TINTENFISCH, SEPIA | Mittlerer Ostatlantik FAO 34, Nordostatlantik FAO 27, Östlicher Indischer Ozean FAO 57 |
| VENUSMUSCHEL | Mittelmeer FAO 37 |
| WELS | Europa: Aquakultur |
| ZANDER | EUROPA: AQUAKULTUR und Peipsi See (Estland/Russland) |