Ludwig-Gipfel mit Experten
Öffnung in Wien mindestens auf 25. April verschoben
© OE24
Insgesamt - sowohl in öffentlichen als auch in Ordensspitälern - mussten gestern bereits 602 Covid-Patienten und allein in der Bundeshauptstadt 243 auf Intensivstationen betreut werden (siehe Story unten). Die Stufe acht von acht Stufen des Krisenplans ist längst erreicht. Die Gesundheitsversorgung am Limit. Der renommierte AKH-Intensivmediziner Thomas Staudinger rechnet erst in vier bis sechs Wochen mit einer Entspannung der Situation und berichtet von zunehmend jüngeren Patienten mit schweren Verläufen.
Dass die Lage mehr als ernst ist, weiß auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Er wird proaktiv und lädt heute -ab 13.30 Uhr - zu einem Videogipfel mit Experten. Mit dabei sein werden etwa Staudinger, die Intensivmedizinerin Sabine Schmaldienst, ihr Kollege Arschang Valipour, Lungenfachärztin und Post-Covid-Spezialistin Sabine Hartl, Gynäkologin und Expertin für an Covid erkrankte Schwangere Barbara Maier, Gesundheitsverbund-Chef Michael Binder sowie Umweltmediziner Hans Peter Hutter, Gesundheitsstadtrat Peter Hacker und Neos-Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr. Mindestens zwei Stunden will Ludwig dabei die Expertise der Spitalsärzte fächerübergreifend einholen. Diese werden ihm sowohl von abgesagten Tumor- und Herzoperationen sowie von Long-Covid- als auch von jüngeren Patienten auf den Intensivstationen berichten.
Mehrheit für Lockdown
Erstmals soll auch klar die Gefahr von Covid für Schwangere thematisiert werden. Ludwig will dabei auch evidenzbasiert hören, was die Mediziner für nötig halten, um die Situation in den Intensivstationen wieder in den Griff zu bekommen. Dabei dürfte es darauf hinauslaufen, dass eine Verlängerung des Lockdowns zumindest um eine Woche, also bis zum 25. April, nötig sei, da eine Zunahme der Intensivpatienten zeitverzögert noch weiter zu befürchten sei.
Der Wiener Bürgermeister setzt damit freilich ein Zeichen, auf die Covid-Experten zu hören und jenseits der Gipfel mit Bundesregierung und Länderchefs schwierige Entscheidungen auch selbst zu treffen. Die Wiener Bevölkerung scheint seinen Kurs zu goutieren. Die Mehrheit der Befragten steht hinter dem Lockdown und will mehr Kraftanstrengungen, um die Gesundheitsversorgung sicherzustellen.
Isabelle Daniel
Intensivstationen überlastet
Die aktuelle Zahl der Neuinfektionen in Österreich liegt mit 2.252 von Samstag auf Sonntag im erwartbaren Rahmen. Alarmierend ist aber die neuerliche Zunahme bei den Intensivpatienten. Am Sonntag mussten bereits 602 Covid-Kranke intensivmedizinisch betreut werden - gegenüber dem Vortag ist das ein Anstieg von 16 Fällen -allein in Wien sind es acht. Die bedenkliche Marke von österreichweit 600 Intensivpatienten wurde zuletzt Anfang Dezember übersprungen (610 am 9. Dezember).
Der bisherige Höchststand wurde am 25. November mit 709 Fällen verzeichnet. Die ICU-Kapazitäten sind damit vor allem in Ostösterreich am absoluten Limit.
Nomalstationen. Etwas Entlasung verspricht die Zahl der Covid-Patienten auf den Normalstationen. Sie verringerte sich gegenüber dem Vortag um 70 auf insgesamt 2.305.
Die Zahl der Todesfälle stieg von Samstag auf Sonntag um 25, insgesamt sind damit in Östereich 9.687 Menschen an Covid verstorben, 535.798 sind wieder genesen.
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden