Warum Wien, Burgenland und Salzburg jetzt die Notbremse ziehen sollten

Corona-Insider von Isabelle Daniel 11.03.2021

Warum Wien, Burgenland und Salzburg jetzt die Notbremse ziehen sollten

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Isabelle Daniel versorgt Sie täglich mit unserem neuen Corona-Insider. Wie geht es weiter mit der Pandemie? Wie schlägt sich Österreich? Was plant die Politik? Alle Antworten im Corona-Insider, täglich neu. 

Die Prognosen der Simulationsforscher bestätigen sich gerade. Die Neuinfektionen sind bereits auf 3000 angestiegen.

Die risikoadjustierte Siebentages-Inzidenz – diese bezieht Testanzahl, Positivitätsrate, Spitalsauslastung und den Anteil der Asymptomatischen zum Testzeitpunkt ein – für ganz Österreich beträgt bereits 203,2. Über 200 – das hatte, die an sich zurückhaltende Ampel-Kommission fetsgelegt – gilt seit zwei Wochen als Marke für den Handlungsbedarf.

Das hat freilich viel mit der B.1.1.7 Variante – die sogenannte britische Mutante – zu tun. Diese ist nicht nur viel ansteckender, sie führt auch rascher zu mehr Hospitalisierungen.
Müsste jetzt eigentlich ganz Österreich in den Lockdown? Nicht zwangsläufig.

Die Situation in Vorarlberg ist tatsächlich weiterhin stabil und mit moderatem Infektionsgeschehen. Wie schafft das Vorarlberg? Ganz einfach, sie haben derzeit mit 30,3 Prozent den geringsten Anteil an der B.1.1.7 Variante – laut Ampel mit Tendenz stabil. Ganz anders schaut die Lage in drei anderen Bundesländern aus, die dringenden Handlungsbedarf hätten.

In Wien leuchtet Spitalsauslastung Rot

Im Burgenland beträgt der B.1.1.7 Anteil bereits 88,1 Prozent, Tendenz steigend. Die risikoadjustierte Inzidenz liegt bei 225,8. Die Prognose für die Auslastung in den Intensivstationen leuchtet laut Ampel noch Orange. Einen Vorteil hat das Burgenland. Ihr R-Wert – wie viele steckt einer an – ist derzeit mit 0,99 noch knapp unter 1.

Kritisch ist es auch in Salzburg  – wo es sich aber auf gewisse Regionen fokussiert. Die risikoadjustierte Siebentages-Inzidenz ist auf erschreckende 313,7 angestiegen. Das ist nicht mehr rot, sondern dunkelrot. Ihr R-Wert liegt bei 1,18. Was das exponentielle Wachstum beschleunigen könnte. Und der Anteil der B1.1.7 Variante beläuft sich bereits auf 78,9 Prozent.

Dramatisch ist die Lage in Wien. Die B.1.1.7 Variante macht hier 63,8 Prozent der Fälle aus. Der R-Wert liegt bei 1,18. Die risikoadjustierte Siebentagesinzidenz beträgt 226,7 und – und das ist ein extremes Alarmsignal – die ICU-Auslastung hat die rote Marke der Ampel-Kommission (ab 33 Prozent) mit 37,2 Prozent leider bereits überschritten.

Die abgeklärten Fälle liegen zwar bei 69 Prozent – das ist der höchste Wert im Land – und mit 49 Prozent Asymptomatischen zum Testzeitpunkt zeigt Wien auch, dass es mit Abstand am meisten PCR-testet und Kontaktpersonen in Quarantäne nimmt, aber die B.1.1.7 Mutante wird trotzdem zur Gefahr. In zwei Wochen könnte sich die Neuinfektionsrate in Wien - heute verzeichneten wir in Wien 750 Fälle - verdoppeln und in drei bis vier Wochen die Situation in Spitälern ans Limit führen. Ähnliches gilt auch (leicht zeitverzögert) für Niederösterreich. 

Agieren Sie unabhängig von Lobbygruppen

Am Montag tagen Kanzler Sebastian Kurz, Gesundheitsminister Rudolf Anschober, Experten und die Landeshauptleute. Gut möglich, dass die Regierung dieses Mal den Ball (Verantwortung) zuschiebt.
Zumindest Bürgermeister Michael Ludwig, die Landeshauptleute Haslauer und Doskozil sollten von sich aus die Notbremse ziehen und Verschärfungen beschließen – unabhängig von dem, was Lobbygruppen wollen. Es geht um die Sicherheit ihrer Bürger und um nur wenige Wochen bis die Durchimpfungsraten die Situation wieder entspannen.

Bitte, verspielen wir nicht diese immens große Chance.

Gefährlich ist die Lage freilich auch für Bundesländer, die zu wenig PCR-testen. Aber dazu morgen mehr …
  

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