Schonfrist für Huawei-Smartphones

Google/USA rudern zurück

Schonfrist für Huawei-Smartphones

Gute Nachricht für Besitzer eines Huawei-Smartphones: Die USA haben die strengen Maßnahmen gegen den chinesischen IT-Konzern kurz nach dem Inkrafttreten teilweise gelockert. Ab sofort gelte für 90 Tage eine Regelung, die einige Geschäfte mit Huawei erlaube, teilte das US-Handelsministerium in der Nacht zum Dienstag mit. Dabei geht es vor allem um die Versorgung bestehender Smartphone-Nutzer sowie den Betrieb von Mobilfunk-Netzwerken mit Huawei-Technik.

Weiterhin volle Updates

Für Nutzer von Huawei-Smartphones bedeutet der Schritt unter anderem, dass Google in den drei Monaten die Handys weiterhin in vollem Umfang mit Updates und Apps versorgen kann. Ein Wechsel auf das neue Android 10 "Q" wird sich in dem nun festgelegten Übergangszeitraum aber wohl nicht ausgehen. Für Huawei selbst gibt es dennoch eine schlechte Nachricht. Denn für die Verwendung von US-Technologie in neuen Produkten gilt die Lockerung nicht. Damit könnte Huawei künftige Smartphone-Modelle nach wie vor nicht mehr mit vorinstallierten Google-Diensten verkaufen können. Damit sind nur noch die Geräte im Lagerbestand im vollen Umfang - inklusive Zugang zum Play Store und der Nutzung von GMail, Maps, YouTube & Co. - mit der Android-Software ausgestattet.
 
 

Reines Eigeninteresse

Mit der Schonfrist hat die US-Regierung aber weniger das Wohl der Nutzer im Sinn. Sie handelt dabei rein aus Eigeninteresse. Denn der zentrale Auslöser für den Aufschub dürfte gewesen sein, dass Huawei-Technik auch in vielen lokalen Mobilfunk-Netzen in den USA installiert ist und ihr Ausfall sie zum Erliegen bringen könnte. Die verlängerte Frist solle Betroffenen die Zeit geben, nach Alternativem zu suchen und sich auf die Änderungen einzustellen, erklärte die US-Regierung. Das Ministerium werde auswerten, ob die Regelung über 90 Tage hinaus verlängert werde.
 

Das bedeuten die Sanktionen für die Nutzer

Wenn die US-Sanktionen nach der neuen Übergangsfrist voll schlagend werden, hat das - wie berichtet - große Auswirkungen auf Huawei-Smartphones (inklusive der Tochtermarke Honor) und deren Besitzer. Noch stärker sind dann aber Neukäufer betroffen, was zu massiven Verkaufsrückgängen führen könnte. Da Google die Zusammenarbeit beenden muss, wird Huawei auch nicht mehr auf das mobile Betriebssystem Android zurückgreifen können. Die neuen Smartphones müssen  ohne vorinstallierten Google-Diensten (Play Store, Maps, GMail, etc.) verkauft werden. Hier nun die wichtigsten Fragen und Antworten:
 
Was bedeutet der Bann für bestehende Nutzer?
 
Das wird sich endgültig noch herausstellen müssen, aber schon mal fest steht, dass sie mit den vorhandenen Geräten weiterhin Zugang zu Googles App-Plattform Play Store haben werden. Dies gilt auch für den Dienst Play Protect, der bösartige Apps heraussiebt. Das sicherte Google am Montag zu. Huawei seinerseits versprach, dass die Firma "weiterhin Sicherheitsupdates und Services für alle bestehenden Huawei und Honor Smartphones sowie Tablets zur Verfügung stellen" werde - ohne im diesem Zusammenhang Google oder Android zu nennen. Zumindest um den wichtigen Punkt Sicherheit müssen sich damit heutige Kunden keine großen Sorgen machen.
 
Was ist mit den restlichen Google-Apps?
 
Google erklärte am Montag via Twitter nur, man halte sich an die US-Vorschriften und prüfe die Konsequenzen. Andere Dienste und Apps des Konzerns wie GMail, Maps oder der Google Assistant wurden nicht ausdrücklich erwähnt - auch wenn Branchenbeobachter nicht davon ausgingen, dass Google bestehende Nutzer schnell davon abschaltet. Das "Wall Street Journal" schrieb zugleich unter Berufung auf eine informierte Person, auch aktuelle Kunden könnten den Zugang zu einigen Funktionen auf Basis Künstlicher Intelligenz sowie im Foto-Bereich verlieren. Bei künftigen Smartphones bedeuten dauerhafte US-Sanktionen unterdessen, dass Huawei keine Telefone mehr mit vorinstallierten Google-Apps verkaufen kann und keinen Vorab-Zugang zu neuen Versionen des Android-Systems bekommt.
 
 
Ist Android als quelloffene Software nicht für alle da?
 
Im Prinzip ja, es gibt das Android Open Source Project (AOSP), bei dem alle Hersteller das System bekommen. Aber die weitaus meisten Android-Telefone, die außerhalb Chinas verkauft werden, laufen mit einer Android-Version, die Google-Dienste enthält und für die man beim Internet-Konzern eine Lizenz bekommen muss. Bei den künftigen Smartphones, die Huawei mit der "nackten" Grundversion von Android verkauft, wären also weder die Google-Karten noch der Play Store zum App-Download dabei - und müssten von anderen Anbietern kommen.
 
Wie sieht es mit Alternativen aus?
 
Es gibt auch andere Kartendienste wie Here, der deutschen Autobauern gehört, oder die Open Street Maps. Huawei hat auch schon eine eigene App-Plattform. Ein Vorteil der Google-Dienste ist allerdings, dass sie miteinander verzahnt sind - zum Beispiel, damit zum Termineintrag direkt die Fahrtroute angezeigt werden kann. Wie gut das im Zusammenspiel verschiedener Anbieter funktioniert, ist offen.
 
Wird Huawei komplett von Android abgeschnitten?
 
Nein. Und wichtig ist auch, dass Sicherheitsupdates ohne Zeitverlust bei AOSP verfügbar sind. Allerdings bekommen Huawei und Honor die neuen Android-Versionen künftig später als Rivalen wie etwas Samsung zu sehen. Die AOSP-Versionen neuer Android-Systeme wurden zuletzt jeweils im August veröffentlicht, nachdem die Hersteller schon monatelang Zugang dazu hatten und sich darauf vorbereiten konnten. Außerdem ist es keine Einbahnstraße: So arbeitete Huawei zuletzt mit Google bei der Anpassung von Android für Auffalt-Smartphones zusammen und konnte damit auch die Entwicklung des Systems mitbestimmen. Auch das wäre künftig nicht mehr möglich.
 
Was ist mit Android 10 "Q"?
 
Die Einschränkungen schließen ein Update auf die nächste Android-Version 10 "Q" nicht dezidiert aus, auch wenn das nun länger dauern könnte und die Entscheidung darüber allein bei Huawei liegt.
 
Wird Huawei künftig an Android festhalten?
 
Das ist eine der vielen Fragen, die völlig offen erscheinen. Huawei ließ schon häufiger durchblicken, dass der Konzern auch ein eigenes Betriebssystem in Entwicklung hat. Eine System-Software am Markt zu etablieren, ist zwar eine gewaltige Herausforderung - aber andererseits ist China auch ein Riesen-Markt, in dem man es mit entsprechender staatlicher Rückendeckung schaffen könnte. So sind auch die chinesischen Smartphone-Hersteller zuhause groß geworden, bevor sie zur aggressiven Expansion auf dem Weltmarkt ansetzten. Daher könnten sich die US-Sanktionen auch sehr schädlich für das Geschäft von Google auswirken.
 
 


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