Notverkäufe

40 Millionen Euro Steuerschulden? Karl Lagerfelds Erbe wird zum Albtraum

Sieben Jahre nach seinem Tod ist das Erbe des Modezaren noch immer nicht geklärt. Lagerfelds Vertrauter Sébastian Jondeau verkauft nun einige seiner Luxus-Geschenke auf einer Online-Auktionsplattform.

Sieben Jahre nach dem Ableben des „Modekönigs“ Karl Lagerfeld (†85) präsentiert sich sein Nachlass weniger als wohlgeordnetes Imperium denn als juristisches Schlachtfeld. Während die Erbstreitigkeiten kein Ende finden wollen, sorgt nun eine pikante Versteigerung für Aufsehen: Ausgerechnet Sébastien Jondeau (51), über Jahre der engste Vertraute und Schatten des Meisters, bringt persönliche Luxusgaben des Designers unter den Hammer. Bis zum 3. März gelangen beim Online-Auktionshaus Joopiter jene Stücke zur Versteigerung, die einst Symbole einer tiefen Verbundenheit waren. Das Timing dieser Auktion wirft freilich eine brisante Frage auf: Handelt es sich hier um einen Notverkauf, weil vom einstigen Millionenvermögen schlicht nichts mehr übrig ist?

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Ein Kuriositätenkabinett der Extraklasse

Lagerfeld war Zeit seines Lebens als großzügiger Mäzen bekannt, der seine Entourage mit kostspieligen Aufmerksamkeiten bedachte. Die Kollektion „Mein Leben mit Karl Lagerfeld“ liest sich wie ein Katalog der Extravaganz:

  •     Eine mit 183 Diamanten besetzte Kette samt Hundekopf-Medaillon.
  •     Eine massive Geldbörsenkette aus 22-karätigem Gold, für die Jondeau stolze 80.000 Euro lukrieren möchte.
  •     Eine Venus-Skulptur des US-Künstlers Jeff Koons, deren Schätzwert bei 100.000 Euro liegt.

Karl Lagerfelds Villa bei Paris

Karl Lagerfelds Villa bei Paris

© Chambre des notaires de Paris
 

Das Repertoire der Versteigerung reicht weiter von einer Rolex Daytona in Roségold (erhoffter Erlös: 120.000 Euro) über einen monogrammierten Louis-Vuitton-Boxsack bis hin zu einem exklusiven Chanel-Surfbrett. Letzteres soll immerhin rund 12.700 Euro in die Kassen spülen.

Der Fiskus bittet zur Kassa: Das Liechtensteiner Konstrukt

Hinter der glitzernden Fassade der Auktionen verbirgt sich eine Steuerschuld, deren Dimensionen nun erst vollends ans Licht treten. Wie der Branchen-Insider „Glitz“ berichtet, fordern die französischen Finanzbehörden die astronomische Summe von rund 40 Millionen Euro aus dem Nachlass zurück. Der Vorwurf wiegt schwer: Über Jahre hinweg sollen Einnahmen aus Verträgen und Urheberrechten über eine Stiftung im Fürstentum Liechtenstein am französischen Fiskus vorbeigeschleust worden sein.

Sebastian Jondeau mit Karl Lagerfeld und Pharell Williams im Jahr 2017.

Sebastian Jondeau mit Karl Lagerfeld und Pharell Williams im Jahr 2017.

© Getty Images

Bereits 2021 begannen die Verkäufe zur Tilgung dieser Lasten. Lagerfelds Kunstsammlungen wurden bei Sotheby’s in Paris und Köln sukzessive veräußert, gefolgt von seinen Immobilien. So wechselte etwa seine Villa in Louveciennes nahe Paris im Jahr 2025 für 4,6 Millionen Euro den Besitzer. Der Erlös? Er floss eins zu eins in die Staatskasse.


 

Das bittere Ende: Wenn das Erbe zur Kostenfalle gerät

Für die im Testament bedachten Favoriten – neben Jondeau auch Baptiste Giabiconi (36) und Brad Kroenig (46) – könnte der vermeintliche Geldregen als finanzielles Fiasko enden. Ein notarielles Schreiben vom Jänner versetzte die Begünstigten in helle Aufregung: Nicht nur, dass ein anonymes Familienmitglied plötzlich Ansprüche anmeldet, es steht auch die Warnung im Raum, dass am Ende des Tages für die Erben schlichtweg nichts übrig bleiben könnte.

Besonders bitter: Da die Begünstigten nicht mit Lagerfeld verwandt sind, droht eine Erbschaftssteuer von bis zu 60 Prozent. Was als lebenslange Absicherung gedacht war, entpuppt sich nun als brutale Schuldenfalle. Der Ausverkauf der Erinnerungsstücke scheint somit weniger ein Akt der emotionalen Ablösung zu sein, sondern vielmehr der verzweifelte Versuch, im Treibsand der Finanzen nicht unterzugehen.

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