In einem Interview erinnert sich der Schlager-Star an einen der schlimmsten Momente seines Lebens.
Lange bevor Hansi Hinterseer das „Amore“ in den Schlagerolymp trug, kannte die Alpenrepublik in ihm nur das Ski-Idol, die große weiß-blaue Hoffnung auf den Brettern. Doch die sportliche Vita des Kitzbühelers ist untrennbar mit jener schicksalhaften Zäsur der Olympischen Winterspiele von 1976 verbunden. Im Interview mit Bunte wagte er einen Blick zurück in eine Zeit, in der Triumph und Tragik für Hinterseer nur Millimeter auseinanderlagen.
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Die Schmach von Innsbruck: Wenn Helden fallen
Wir schreiben das Jahr 1976. Schauplatz: Innsbruck. Die Erwartungshaltung einer ganzen Nation lastet auf den Schultern eines erst 21-jährigen Ausnahmetalents. Hansi Hinterseer, der Kitzbüheler Lokalmatador, soll das ersehnte Gold aus dem Schnee pflügen. Doch eine Woche vor dem Tag der Entscheidung wendet sich das Blatt: Schulterprellung, Kapseleinriss. Hinterseer stellt sich zwar dem Start, muss jedoch vorzeitig abbrechen.
Der Traum von olympischen Ehren zerplatzt jäh – und die Reaktion des Publikums ist von einer heute kaum vorstellbaren Brutalität. Der mittlerweile 72-Jährige erinnert sich im Gespräch mit Bunte mit erschütternder Klarheit an die Anfeindungen: "Die Leute haben mich angespuckt". In diesem Moment sei für den jungen Athleten, der zudem kurz zuvor den Verlust seines geliebten Großvaters zu verkraften hatte, "eine Welt zusammengebrochen".
Unbeugsamkeit im Angesicht der Niederlage
Trotz der emotionalen Erschütterung bewies Hinterseer bereits damals jene Kämpfernatur, die ihn später auch auf der Showbühne auszeichnen sollte. Statt sich vor der Häme der Massen zu verstecken, wählte er die Flucht nach vorne. "Das habe ich eigentlich noch nie erzählt", gesteht er heute. Nach "dieser brutalen Niederlage, bei der die Leute auf mich zugestürmt sind, weil ich versagt habe", hätte man vermutet, er würde den Blick senken. "Normalerweise verkriechst du dich in das letzte Eck", so Hinterseer.
Doch der junge Hansi erschien zur Schlusszeremonie im Innsbrucker Stadion und marschierte erhobenen Hauptes neben den Medaillengewinnern ein. "Es war für mich ein brutaler Weg, dort hinzugehen", rekapituliert er. Sein innerer Antrieb war jedoch stärker: "Ich habe mir gedacht: 'Nein, von euch lasse ich mich nicht unterkriegen.'" Eine Haltung, die ihm, wie er heute sagt, "im Nachhinein gutgetan" hat.
Versöhnung auf dem grünen Rasen
Die endgültige Katharsis erfolgte erst Jahrzehnte später, an ebenjenem Ort seiner größten sportlichen Niederlage. Im Rahmen einer Europatournee bespielte Hinterseer das Stadion als gefeierter Star und stimmte zum Abschied „Ich lieb' mein Land Tirol“ an – eine musikalische Liebeserklärung an eine Heimat, die ihn einst fallen ließ und doch immer seine Wurzeln blieb.
Hansi Hinterseer mit seiner Gattin Ramona und Tochter Laura
Nachdem er 1978 mit nur 24 Jahren seine Weltcup-Karriere beendete und Jahre im US-Profisport verbrachte, ist er seinen „Bretteln“ bis heute treu geblieben. Wenn er heute über die verschneiten Hänge tänzelt, ist von den Strapazen früherer Tage wenig zu spüren: "Dieses Training, das ich früher gemacht habe, mache ich natürlich nicht mehr – das ist ja ganz klar, das geht auch nicht mehr. Aber ich bin wirklich gerne in den Bergen."
Sein größter Wunsch? Den Hahnenkamm hinunterzulaufen, jene Strecke, die er schon als Kind erkundete. Medizinische Bedenken wischt er mit einem Lachen beiseite: "Jeder normale Doktor sagt: 'Ja, bist du wahnsinnig? Das kannst du nicht machen. Da machst du dir die Knie kaputt.'" Doch Hansi Hinterseer lässt sich nicht beirren: "Gottseidank nie etwas gehabt, ich bin noch gesund, ich mag das gerne, weil ich tänzle den Berg hinunter."