#ALLESDICHTMACHEN

Eklat um Aufstand der Künstler

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53 Schauspieler sorgen in Österreich und Deutschland mit Netz-Aktion #allesdichtmachen für einen Megawirbel.

Wien/Berlin. Es sollte Satire sein, nur die rechte Szene und Corona-Leugner klatschen: Mit bitterbösem Sarkasmus „loben“ Austrostars wie „Vorstadtweib“ Nina Proll, Ex-„Jedermann“ Nicholas Ofczarek, Kabarettist Roland Düringer oder Schauspieler Manuel Rubey („Falco“) in Videoclips die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie: „Das Leben kann tödlich sein, bleiben Sie für immer zu Hause“, stichelt etwa Nina Proll. Schauspieler Manuel Ruby meint: „Niemand braucht Kunst. Lasset uns gemeinsam zu Hause bleiben, Lockdown für immer.“

Ex-„Jedermann“ Ofczarek grollt: „Ich begrüße die Corona-Maßnahmen, auch wenn Corona vorbei ist. Ich habe mich so an die Maßnahmen gewöhnt, man könnte neue Maßnahmen dazunehmen“. Kabarettist Roland Düringer sagt bissig: „Ich unterstütze die Maßnahmen, bin froh, dass der Staat meine Gesundheit zu ­einer öffentlichen Angelegenheit gemacht hat.“

Ofczarek: "Ich bin angeblich Schauspieler" 

Rubey: "Niemand braucht Kunst. Es bringt auch nichts" 

Roland Düringer: "Ich bin froh, dass der Staat meine Gesundheit zu einer öffentlicher Angelegenheit gemacht hat" 

Schauspielkollegen sind entsetzt über Clips

Wolf-Empörung. In Deutschland posteten Stars wie Jan Josef Liefers, Ulrich Tukur, Heike Makatsch, Richy Müller oder Ulrike Folkerts auf Instagram und Youtube gleichzeitig ihre ironisch-satirisch gemeinten Clips (siehe rechts). Schauspielkollegen reagierten größtenteils entsetzt auf die Videosequenzen. In den sozialen Medien folgte ein gewal­tiger Shitstorm. ORF-Anchorman Armin Wolf schreibt: „10.000 Corona-Tote in Österreich. Idealer Zeitpunkt für den Start einer ‚ironischen‘ Videokampagne gegen Schutzmaßnahmen. Eher not.“

 

 

Kinostar Elyas M’Barek (Fack ju Göhte) prangert an: „Mit Zynismus ist doch keinem geholfen.“ Satiriker Jan Böhmermann: „Das einzige Video, das man sich ansehen sollte, wenn man Probleme mit Corona-Eindämmungsmaßnahmen hat, ist die ARD-Doku mit dem Titel Station 43 – Sterben.“ Dazu stellte er den Hashtag „allenichtganzdicht“. Medienjournalist Stefan Niggemeier schrieb von „ekliger Ironie“ und einem „Dammbruch“, der zugleich der „größte Erfolg der Querdenkerszene bisher“ sei. Der deutsche Grünen-EU-Abgeordnete Erik Marquardt kritisierte, er finde die Aktion „schlecht“ und „sehe sie als Ausdruck einer zunehmenden Resignation von eigentlich Vernünftigen“.

Schauspielerin Nora Tschirner warf den Machern „Handeln aus Langeweile und Zynismus“ vor. Applaus gab es dagegen von Rechtsaußen: „Chapeau. Das ist intelligenter Protest. Alles Nazis – oder reden die einfach nur für #deutschlandabernormal?“

Schauspielerin zieht ihr Video zurück: »Sorry«

Einsicht. Schauspielerin Heike Makatsch beteiligte sich an der Aktion, zog ihr Video aber Freitagfrüh zurück: „Ich distanziere mich klar und eindeutig von rechtem Gedankengut und rechten Ideologien. Schon immer. Ohne Frage. Ich erkenne die Gefahr, die von der Corona-Pandemie ausgeht und will niemals das Leid der Opfer schmälern und sie womöglich dadurch verletzen. Sollte das geschehen sein, so bitte ich um Verzeihung“, formulierte sie.

Karl Wendl

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