Corsage Teichtmeister

Kultur

Fall Teichtmeister: Regisseurin Kreutzer zieht "Corsage" nicht zurück

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Marie Kreutzer: "Würde damit Teichtmeister eine ungeheure Macht geben" 

Regisseurin Marie Kreutzer will ihren Film "Corsage", in dem Florian Teichtmeister Kaiser Franz Joseph spielte, nicht zurückziehen. "Wir würden ihm eine ungeheure Macht geben, wenn wir sagen, man kann diesen Film nicht mehr sehen. Dazu bin ich nicht bereit", sagte sie im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Betrübt zeigte sie sich darüber, dass die "grauenvollen Taten" Teichtmeisters immer mit dem Film in Verbindung stehen würden.

Kreutzer sagte, sie befinde sich derzeit in einem "andauernden Panikzustand", sie fühle sich "furchtbar schlecht". Die Dreharbeiten zu "Corsage" waren beendet, als die Gerüchte rund um Teichtmeister, der sich im Februar vor Gericht für den Besitz von Dateien mit sexuellen Darstellungen von Unmündigen und Minderjährigen vor Gericht verantworten muss, aufkamen. Sie habe ihn zweimal zur Vorbereitung auf den Film getroffen und elf Tage mit ihm gedreht. "Meine Verbindung mit Teichtmeister geht darüber nicht hinaus", sagte sie. Am Set sei er "bis zu einem gewissen Grad unnahbar geblieben".

Schrecklicher Fall werde immer mit Film in Verbindung stehen  

Erfahren habe sie von den Vorwürfen durch anonymisierte Medienberichte. Sie habe Teichtmeister daraufhin per E-Mail gefragt, was an den Gerüchten dran sei. Teichtmeister habe "klar dementiert", so Kreutzer. In die Pressearbeit zu "Corsage" habe man ihn nicht eingebunden. Auf einigen Premieren tauchten sie dennoch gemeinsam auf. "Man kann natürlich sagen, wir hätten das ganz aktiv unterbinden können. Aber da kommen wir in den problematischen Bereich, wie man mit Gerüchten umgeht. Auch dafür gibt es kein Protokoll, nicht mal ein moralisches", so die Regisseurin.

Den Film wolle sie nicht zurückziehen, schließlich sei Teichtmeister nur einer von vielen Beteiligten am Film. "In 'Corsage' stecken jahrelange Arbeit und viel Liebe von vielen Menschen. Deshalb tut es ja auch so weh, dass der Film immer mit diesen grauenvollen Taten behaftet sein wird", so Kreutzer.

"Corsage" befindet sich noch im Rennen um den Auslandsoscar. Derzeit findet er sich auf einer Shortlist mit 15 fremdsprachigen Filmen. Welche fünf Filme davon nominiert werden, entscheidet sich am Dienstag. "Bis vor ein paar Tagen haben wir natürlich auf eine Nominierung gehofft. Jetzt weiß ich nicht, was ich mir wünschen soll", so Kreutzer gegenüber der "SZ".

Vorwürfe gegen zweiten Schauspieler

Ein zweiter, namentlich nicht genannter "Corsage"-Schauspieler ist mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert. Er wandte sich per Anwältin an die Öffentlichkeit, wies die Vorwürfe zurück und bestand darauf, auch weiterhin nicht beim Namen genannt zu werden. Gegenüber der aktuellen Ausgabe des Nachrichtemagazins "profil" hielt Kreutzer dazu fest, dass dieser Schauspieler ihr in vielen Gesprächen versichert habe, dass gegen ihn keine strafrechtlich relevanten Vorwürfe vorlägen und er nie übergriffig gehandelt hätte. Dass er sich nun über seine Anwältin geäußert habe, sei "gut und richtig". Dass er dies ohne Namensnennung macht, könne sie zwar verstehen, "hilft aber seinen Kollegen vom Set nicht sehr. Sie müssen derzeit damit leben, dass alle Männer, die an diesem Film mitgewirkt haben, unter Verdacht stehen", so Kreutzer.

Auch merkte sie im "profil" an, dass es in der Branche noch an Regeln und Verhaltensrichtlinien für den "schwierigen Umgang mit öffentlichen, aber anonymisierten Vorwürfen über sexuelle Belästigung durch Mitglieder eines Filmteams außerhalb einer Produktion" mangle. Daran müsse die Filmbranche dringend arbeiten, meinte die Regisseurin.

Seit September 2020 arbeitet Kreutzer an einem neuen Filmstoff und befasst sich dabei unter dem Arbeitstitel "Johnny Maccaroni" mit einem ähnlichen Themenkreis wie der Causa Teichtmeister. So geht es in dem geplanten Projekt, für das Kreutzer 2021 Förderungen zur Stoffentwicklung erhielt, um eine Frau, die eines Tages von der Polizei aufgesucht wird, weil ihr Mann ein Foto des gemeinsamen Kindes in einer Darknet-Chatgruppe veröffentlicht hat, in der sich die Männer darüber austauschen, wie man ein Kind am besten missbraucht.

"Ich wollte das tun, was ich kann: Nämlich eine Geschichte zu erzählen, um die Wahrnehmung zu schärfen oder eine Sensibilisierung für die Thematik zu schaffen", erklärte Kreutzer der "SZ" dazu. Die Recherche gestalte sich aber "hart und schmerzhaft". Immer wieder sei sie unsicher, ob der Film überhaupt zustande komme.

Kreutzer wird sich heute, Sonntag, am Abend im Rahmen einer Live-Diskussion auf ORF III (19.20 Uhr) erstmals im Fernsehen zum Fall Teichtmeister äußern. Auch bei "Im Zentrum" auf ORF 2 (22.10 Uhr) ist die Causa Thema der Diskussion "Sexuelle Belästigung, Missbrauch und Gewalt - Wegschauen als Kultur-Prinzip?". Im "kulturMontag" (23. Jänner, ab 22.30 Uhr) nehmen Kreutzer wie auch der Anwalt des Burgtheaters Bernhard Hainz in Interviews Stellung. Für eine Live-Diskussion sind Soziologin Meike Lauggas von der Anlauf- und Beratungsstelle "#we_do", Psychiaterin Heidi Kastner sowie Filmproduzent Alexander Dumreicher-Ivanceanu angekündigt.

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