Die Österreichische Nationalbank meldet am Dienstag einen erneuten Verlust wegen unterschiedlicher Verzinsung von Aktiva und Passiva. Derweil schreiben private Banken Milliardengewinne.
Bereits zum vierten Mal in Folge meldet die Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) einen Verlust. Ihr Jahresergebnis ist auch für 2025 im negativen Bereich geblieben, der Verlust konnte aber eingedämmt werden. Für das abgelaufene Geschäftsjahr belief sich der Verlust auf 1,023 Mrd. Euro, das war rund halb so viel wie im Jahr davor. Inklusive des Verlustvortrags aus den Vorjahren blieb ein Bilanzverlust von minus 5,207 Mrd. Euro stehen, teilte die OeNB am Dienstag mit.
Bereits in den Vorjahren musste die OeNB deutliche Verluste hinnehmen. Grund sind die geldpolitischen Maßnahmen, die gegen die diversen Krisen der vergangenen Jahre gesetzt wurden und die daraus entstandenen unterschiedlichen Verzinsungen von Aktiva und Passiva.
Zinsausgaben haben sich 2025 halbiert
Im Zuge der viele Jahre lang ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Krisen der vergangenen Jahre - allen voran die Coronapandemie und der Ukraine-Krieg - hat die OeNB zahlreiche Wertpapiere mit sehr niedriger Verzinsung in der Bilanz. Diese bringen nur wenig Geld für die Notenbank ein. Auf der Passivseite muss die Notenbank jedoch aufgrund des seit 2022 gestiegenen Zinsniveaus höhere Zinsen an die Geschäftsbanken für ihre Einlagen bei der Notenbank zahlen. Letztere Ausgaben haben sich laut OeNB im abgelaufenen Jahr 2025 jedoch halbiert. Das verbessert das Ergebnis.
Die Bilanzsumme belief sich 2025 auf 256 Mrd. Euro, das waren 8 Prozent mehr als im Jahr davor. Der Anstieg sei vor allem auf den höheren Goldpreis zurückzuführen. Dieser beeinflusse die Bewertung der Goldbestände der OeNB. Die Nationalbank besitzt Goldreserven von 280 Tonnen.
Momentum: "Übergewinne ohne Risiko für private Banken"
"Ein Teil der Übergewinne der Banken entsteht völlig risikofrei und ohne Aufwand", reagiert das gewerkschaftsnahe Momentum Institut. Seit Juni 2022 hob die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Einlagenzins wiederholt an, zwischenzeitlich auf 4 Prozent, heute liegt er bei 2 Prozent. Dadurch erhöhen sich die Zinsen für Banken, die Geld bei der Europäischen Zentralbank parken.
Wieder keine Dividende an die Republik
Diese Zins-Subvention der Nationalbank brachte heimischen Banken im vergangenen Jahr zusätzliche Zinserträge in der Höhe von 1,7 Milliarden Euro. 2024 betrug die Zins-Subvention 3,3 Milliarden Euro, 2023 sogar 3,5 Milliarden Euro. 2022 lag sie bei lediglich 0,4 Milliarden. Bis 2021 gab es keine. Bezahlen werden die hohen Zinszahlungen der Nationalbank an die heimischen Banken zukünftig die Steuerzahler:innen. Wegen des hohen Verlustgeschäfts der OeNB gibt es im laufenden Jahr wieder keine Dividenden-Ausschüttung an die Republik Österreich – zum vierten Mal in Folge.
“Am Ende des Tages fehlt die Ausschüttung der Nationalbank im ohnehin schon viel zu knappen Budget. Das bedeutet: Jeder Euro, den sich die Banken als Zinsen von der Nationalbank holen, muss durch Sparmaßnahmen ausgeglichen werden. Damit gehen die Krisengewinne der Banken auf Kosten der Haushalte in Österreich”, erläutert Leonard Jüngling, Ökonom am Momentum Institut.
Milliardengewinne der privaten Banken aufgeschlüsselt
Laut Momentum beliefen sich die Gewinne der Geschäftsbanken beliefen sich in den Jahren 2015 bis 2021 zwischen 3,7 und 6,9 Milliarden Euro. Seit der Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB), eingeleitet Mitte 2022 im Sinne der Inflationsbekämpfung, sind sie explodiert. 2022 beliefen sich die Gewinne auf 9,8 Milliarden Euro. 2023 waren sie mit 12,6 Milliarden Euro knapp doppelt so hoch wie im Rekordjahr 2018 vor der Teuerungskrise, auch 2024 betrugen sie 10,8 Milliarden Euro. Für 2025 beläuft sich allein in den ersten drei Quartalen der Gewinn bereits auf 8,2 Milliarden Euro.
Spiegelbildlich verhält sich das Jahresergebnis der OeNB: Bereits 2022 schrieb sie operative Verluste in Höhe von 1,9 Milliarden Euro. Lediglich durch das Auflösen von Rückstellungen konnte ein Bilanzverlust vermieden werden. Für das Geschäftsjahr 2023 schrieb die OeNB mit einem Verlust von 2,3 Milliarden Euro erstmals rote Zahlen und es gab keinerlei Ausschüttung an die Republik. 2024 gab es erneut Verluste von 2,2 Milliarden Euro und auch im aktuellen Geschäftsbericht von 2025 betrugen die Verluste 1,4 Milliarden Euro – womit es erneut zu keiner Gewinnausschüttung kommt.
"Bankenabgabe soll steigen"
„Nicht nur wurde die Bankenabgabe 2025 zu zaghaft erhöht, sie war außerdem von vornherein mit einem Ablaufdatum versehen. Wenn die Regierung die Sonderabgabe im nächsten Jahr auslaufen lässt, sinkt die Bankenabgabe wieder um 300 Millionen Euro. Übrig bleibt ein mickriger Beitrag gegenüber dem, was die Banken regelmäßig von der Nationalbank abkassieren. Die Bankenabgabe sollte daher um ein Vielfaches erhöht werden“, so Leonard Jüngling, Momentum-Ökonom.