Das Mercosur-Abkommen könnte auf einige Industrie-Aktien positiv wirken: Die Aussichten für Österreichs Unternehmen.
Die Mehrzahl der EU-Staaten hat für das Mercosur-Abkommen zwischen der Europäischen Union und vier südamerikanischen Staaten gestimmt: Österreich war nicht unter ihnen, trotzdem wird Mercosur auch auf uns Auswirkungen haben. Während europäische Landwirte und Umweltschützer die Konkurrenz aus Übersee fürchten, hoffen Industriebetriebe auf Geschäftschancen in den offenen Märkten.
Aufwind für voestalpine, Palfinger, Kapsch TrafficCom und Andritz
Denn Mercosur soll den Handel zwischen Europa und den vier lateinamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay erleichtern, indem die Zölle um über 90 Prozent abgebaut werden.
In Österreich befinden sich voestalpine, Palfinger, Kapsch TrafficCom und Andritz unter den börsenotierten Industrieunternehmen, die von Mercosur profitieren könnten, hat eine Umfrage des Anlegerverbands IVA 2025 ergeben. Allerdings werden die Auswirkungen meist eher gering eingeschätzt.
Die Unternehmen erzielen nämlich in der Regel nur einen einstelligen Prozentsatz ihres Umsatzes in Lateinamerika.Und auch der wird zu einem beträchtlichen Teil durch Produktionsanlagen vor Ort bedient, sodass schon bisher wenig Zoll anfiel.
Spannender ist die Sache beim global tätigen Anlagenbauer Andritz mit Hauptsitz in Graz: Das 30.000 Beschäftigte große Unternehmen exportiert Maschinen bis hin zum kompletten Kraftwerk und könnte sich künftig in Südamerika leichter tun – der Löwenanteil des Geschäfts wird aber auch bei Andritz in Europa, Nordamerika und Asien erzielt. Analystenstimmen zu den sonnigeren Mercosur-Aussichten gibt es aktuell nicht, die Andritz-Aktie ist aber im letzten Monat immerhin um 11 Prozent gestiegen (41 Prozent im letzten Jahr).
Sonderfaktor bei voestalpine
Starke Kurszuwächse gab es auch bei voestalpine: Ihre Aktie kostete vor einem Jahr noch 17 Euro, aktuell sind es knapp 40 – ein Kursplus von rund 131 Prozent. Damit liegt der Titel fast auf Dreijahreshoch. Die Gründe liegen laut Analysten aber weniger bei Mercosur als bei guten Geschäftszahlen und einem anderen EU-Regelwerk, das herannaht: Die EU-Kommission will außereuropäische Stahlprodukte deutlich verteuern, und zwar aus Umweltschutzgründen. Konkret soll der „CO2-Grenzausgleich“ (CBAM) auf Stahl- und Aluminium-Importe aus Drittstaaten massiv erhöht werden. Er soll ausgleichen, dass europäische Stahlproduzenten CO2-Zertifikate kaufen bzw. CO2 reduzieren müssen.
Die Aktien europäischer Marktführer wie ArcelorMittal (plus 87 Prozent im letzten Jahr) oder ThyssenKrupp zeigten zuletzt jedenfalls schöne Zuwächse.Bei voestalpine hat laut Analysten auch die Nachfrage aus dem Bahn- und Luftfahrsektor 2025 die Geschäfte beflügelt. Allerdings ist die „voest“-Aktie in den Augen beispielsweise der Erste Group-Analysten inzwischen schon sehr gestiegen, weshalb sie ihre Empfehlung im Dezember von „Buy“ auf „Hold“ gesenkt haben.