Happy End

Arigona macht Matura

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Die heute 20-Jährige wurde zum Gesicht der Asyldebatte. Jetzt startet sie durch.

„Jetzt will ich erst einmal meinen Schulabschluss gut machen“, nahm sich Arigona Zogaj im Februar in ÖSTERREICH vor, als sie nach zehn Jahre langem Kampf endlich die Niederlassungsbewilligung in Händen hielt. Alle Ängste, in ein Land abgeschoben zu werden, das schon lange nicht mehr ihre Heimat ist, fielen damals von der 20-Jährigen ab. Hatte sie noch ein paar Jahre davor um den Aufstieg in die nächste Klasse zittern müssen, machte sie im Sommer den Abschluss in der HBLW Landwiedstraße in Linz als eine der Jahrgangsbesten.

Jetzt absolviert Arigona einen Aufbaulehrgang, um in weiteren zwei Jahren Matura machen zu können. Dann will die ehrgeizige junge Frau an die Uni. Auch ihre Mutter Nurie hat wieder Tritt gefasst: Nach mehreren Suizidversuchen lebt und arbeitet die Mutter von fünf Kindern jetzt in Linz. Die jüngeren Geschwister Albin (12) und Albona (13) sind in der zweiten Hauptschulklasse.

Traum
Ob Arigonas Wunsch, dass „wir irgendwann alle wieder zusammen in Österreich sind“, jemals wahr wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Ihre älteren Brüder Alban und Alfred schlagen sich als Tagelöhner im Kosovo durch, ihr Vater lebt in Mazedonien. Der lange Kampf um ein neues Leben in Österreich hat die Familie Zogaj zerrissen.

Hitzig diskutiert
Arigonas Schicksal wurde vor genau fünf Jahren, am 27. September 2007, bekannt: Nach fünf Jahren in der neuen Heimat hatte die Polizei die Familie in Frankenburg (OÖ) zur Abschiebung abgeholt. Arigona, damals 15, tauchte unter, wandte sich per Brief und Video an die Öffentlichkeit. Seither bewegte das Schicksal der Familie ganz Österreich. Kein Fall wurde so hitzig diskutiert wie das Schicksal der Zogajs. Die Niederlassungsbewilligung von Arigona, ihrer Mutter und den jüngeren Geschwistern gilt in fünf Jahren für immer.

Franzobel: "Ja, es ist ein Happy End"

Autor Franzobel schrieb Roman über Arigona, unterstützte sie.

ÖSTERREICH: Der Fall Arigona – für Sie eine Story mit Happy End?
Franzobel: Wie es scheint – ja! Immerhin kann Arigona hier ihre Schulbildung fertig machen, die Matura absolvieren, studieren… Es hat ja ursprünglich viel schlimmer ausgeschaut: eine Ministerin im Duell gegen eine 15-Jährige…

ÖSTERREICH: Hat der „Fall Arigona“ das Bewusstsein der Österreicher verändert?
Franzobel: Das würde ich doch bezweifeln … Verändert hat sich höchstens das Bewusstsein der Politiker, die jetzt schauen, dass solche Fälle schnell und stillschweigend außer Landes gebracht werden. Im Übrigen sind die Grenzen inzwischen so dicht, dass illegale Einwanderung ohnehin kaum noch möglich ist.

ÖSTERREICH: Haben Sie noch Kontakt zu Arigona?
Franzobel: Nein ... Aber, um noch einmal auf Ihre Frage zurückzukommen – eine Bewusstseinsveränderung sollte wohl dahin gehend stattfinden, dass man jetzt endlich erkennen sollte: Arigona ist geblieben, und Österreich ist trotzdem nicht zusammengebrochen!

J. Hirthe

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