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Chronik

Mordprozess nach Tempel-Massaker

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Startschuss für einen der spektakulärsten Prozesse des Jahres: Die Angeklagten sollen für ein Blutbad unter gläubigen Indern verantwortlich sein.

Im großen Schwurgerichtssaal des Grauen Hauses in Wien stehen ab morgen Jaspal, Tarsem, Satwinder, Sukhwinder, Hardeep und Surjit vor Gericht. Problem für Richterin Susanne Lehr: Alle sechs Beschuldigten heißen mit dem Nachnahmen Singh, sind aber nicht verwandt. Und keiner der Männer spricht ein Wort Deutsch. Verwirrung ist somit programmiert.

Kleinkind als Schutzschild
Eine deutliche Sprache spricht hingegen die Anklage. Staatsanwalt Stefan Apostol wirft den strenggläubigen Sikhs vor, im Frühjahr 2009 bei einer Feier in einem Tempel der Ravidass-Gemeinde in Wien einen Guru der konkurrierenden Glaubensrichtung erschossen und zwei weitere schwer verletzt zu haben.

Damals hatten die Angreifer jedoch die Rechnung ohne die wehrhaften Ravidass-Jünger gemacht: Bevor sie flüchten konnten, wurden sie mit Bratpfannen, Nudelwalkern und Mikrofonständern zusammengeschlagen. „Ein Attentäter hatte sogar noch ein Kleinkind als lebendes Schutzschild hochgerissen, wurde aber trotzdem überwältigt“, so Ankläger Apostol.

Haupttäter mit Schädelbruch
Der Haupttäter, der abdrückte, erlitt bei den Kämpfen einen Schädelbruch und will sich an nichts mehr erinnern können. Ihm und seinen fünf mutmaßlichen Komplizen werden Mord und Mordversuch beziehungsweise Mittäterschaft vorgeworfen, für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Das Monsterverfahren soll sich bis in den Herbst ziehen. Mittels Dolmetsch soll dabei geklärt werden, ob der Auftrag für das Blutbad aus einem Sikh-Tempel in Spanien kam und wer die Hintermänner des Massakers sind.M. Hofer

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