Gehaltsaufreger

Energie-Boss casht 784.000 Euro ab: Hergovich attackiert EVN

EVN-Vorstandsdirektor Stefan Szyszkowitz kassiert im Geschäftsjahr 2023/2024 ein Gehalt von über 780.000 Euro. SPÖ-NÖ-Chef Sven Hergovich kritisiert die hohe Vergütung bei einem Konzern in öffentlichem Eigentum. Er fordert, dass die Gewinne der EVN den Stromkunden zugutekommen sollen. 

Laut aktuellem Vergütungsbericht für das Geschäftsjahr 2023/2024 verdient das bestverdienende EVN-Vorstandsmitglied 594.900 Euro an fixer Vergütung und weitere 189.200 Euro an variabler Vergütung. SPÖ-NÖ-Vorsitzender Sven Hergovich meint damit natürlich Stefan Szyszkowitz, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender der EVN AG. Gesamt beläuft sich sein Gehalt damit auf 784.100 Euro - bereits für das Geschäftsjahr 2023/2024 deutlich mehr als die bis zuletzt immer wieder in der Öffentlichkeit angenommenen 600.000 Euro.

EVN-Vorstandsdirektor Stefan Szyszkowitz.

EVN-Vorstandsdirektor Stefan Szyszkowitz.

© EVN/Wurnig

Hergovich: "... statt die Taschen der Vorstände zu füllen"

"Ich habe die EVN da offenbar unterschätzt", sagt Hergovich gegenüber oe24, "schon seit 2023/2024 verdienen erste EVN-Vorstandsmitglieder damit 30 Prozent mehr als die von uns vermuteten 600.000 Euro. Es ist leider weiters zu vermuten, dass die Gehälter inzwischen noch deutlich höher liegen“, sagt SPÖ-NÖ-Vorsitzender Sven Hergovich und fährt fort: "Damit liegt die EVN nicht nur bei den Strompreisen, sondern auch bei den Vorstandsgehältern deutlich über der Konkurrenz."

Der Strompreis in Niederösterreich liegt inzwischen bereits etwa ein Drittel über dem Niveau der vergleichbaren TIWAG. Während dort der Strompreis bereits unter 10 Cent pro Kilowattstunde liegt, ist Niederösterreich fast ein Drittel darüber. "Es ist hoch an der Zeit, dass die Gewinne der EVN endlich für niedrigeren Strompreise für Niederösterreich verwendet werden, statt die Taschen der Vorstände zu füllen.“

"Übergewinne an die Bevölkerung zurück"

In einem eigens aufgenommenen Video sagt Hergovich wörtlich: "Ich muss mich selber korrigieren, vor einigen Monaten habe ich behauptet, dass EVN-Manager unglaubliche 600.000 Euro Jahresgage beziehen. Tatsächlich ist es noch viel mehr Geld. Manche EVN-Manager beziehen über 700.000 Euro Jahresgage. Das wollen wir ändern. Ich fordere: Geben wir die EVN-Übergewinne endlich der eigenen Bevölkerung zurück."

Die Mehrheit (in öffentlicher Hand) entscheidet

Schauen wir auf die Aktionärsstruktur der EVN, so sehen wir den Versorger mehrheitlich in öffentlicher Hand: Das Land Niederösterreich hält über die NÖ Landes-Beteiligungsholding GmbH (NLH) 51 % der Anteile, während die Wiener Stadtwerke (100 Prozent im Eigentum der Stadt Wien) 28,35 Prozent besitzen. Die verbleibenden rund 20,6 Prozent entfallen auf den Streubesitz (einschließlich Mitarbeiteraktien).

Auf den Hauptversammlungen der jüngeren Vergangenheit war der Tagesordnungspunkt zur Vergütungspolitik stets heftig umstritten, so auch auf der letzten Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2023/24 (als Versorger hat die EVN ein sogenanntes „ungerades Geschäftsjahr“) im Februar 2025, als sich der CEO das umstrittene Gehalt von 781.000 Euro "gönnte". Ohne eine Neiddebatte loszutreten, ist festzustellen, dass tatsächlich nur 84 Prozent der Aktionäre für den Gehaltsvorschlag stimmten, soll heißen: nahezu der gesamte Streubesitz, also: Privataktionäre, sprachen sich gegen diese Spitzengage aus. Aber: Die Mehrheit entscheidet eben.

Wie zuletzt von oe24 berichtet, streift sich die EVN quasi die vom Verbund an die EVN ausbezahlte Sonderdividende - ohne mit der Wimper zu zucken - ein. Eigentlich ist diese Sonderdividende als Übersteuer gedacht, die dem Gemeinwohl wieder zukommen sollte. Die EVN beharrt aber darauf, das Geld, das an und für sich vom Steuerzahler stammt, in die "Energiewende", sprich: vorwiegend in die Netzinfrastruktur, zu stecken, anstatt den Betrag via Senkung der Stromkosten an die Kunden weiterzugeben. Für 2025/26 werden bei der EVN aufgrund der vom Bund initiierten Sonderdividende beim Verbund etwa 144 Millionen "zusätzliches Geld" erwartet: Geld, dass der niederösterreichische EVN-Kunde lieber auf der eigenen Stromrechnung abgezogen gesehen hätte.

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