Messer-Mord: Eifersucht nur eingebildet?

Ehemann erstach 42-Jährige

Messer-Mord: Eifersucht nur eingebildet?

Die attraktive Ehefrau wurde sogar mit einem Peilsender am Auto überwacht.

Es war schon seine zweite Ehe, und diesmal wollte der Ex-Fußballer und Mechaniker in einer bekannten regionalen Brauerei, Nicolae T., alles perfekt machen. „Home sweet home“ steht an der Tür des gemeinsam errichteten Hauses des Österreichers mi rumänischen Wurzeln und der attraktiven Rumänin Gabriela P. (42), die einen gemeinsamen Sohn (16) haben. Nicolae brachte obendrein eine 18-jährige Tochter in die Beziehung. Und tatsächlich schien alles harmonisch und easy – das bestätigt auch die Nachbarschaft, die sich alle mit der gut integrierten Familie verstanden. Doch in Wahrheit hatte der Hausbau nicht nur die finanziellen Reserven ausgesaugt – auch die Liebe blieb dabei auf der Strecke.

Das Opfer: Gabriela P.

© Screenshot (facebook)

"Schlechte Stimmung" nach Hause gebracht

Die nächste Belastungsprobe für die Beziehung kam dann in Form von heftigen Problemen in der Firma in Scheibbs, in der die Sekretärin beschäftigt war. Laut einem ÖSTERREICH-Informanten kam es dort nämlich zu zahlreichen Mobbing-Attacken durch eine Kollegin, die sich bei der Postenbesetzung übergangen fühlte – sodass Gabriela sehr oft sehr niedergeschlagen nach Hause kam. Nicolae litt unter der „schlechten Stimmung“, die seine Frau nach Hause brachte, und konnte sich die Zurückweisungen durch seine Frau aber nur dadurch erklären, dass sie einen anderen, sprich einen Lover, hatte.

Der mutmaßliche Täter: Nicolae T.

Nach Engerl-Bengerl-
Geschenk eskalierte es

Inständig bat der Arbeiter die Angestellte, zu kündigen und sich einen anderen Job zu suchen – weil sie aber blieb, war der Ehemann immer mehr überzeugt, dass die Gattin ihm in der Firma die Hörner aufsetze. Dann bekam die Gattin zu Weihnachten von einem Kollegen (vermutlich beim harmlosen Engerl-Bengerl-Brauch) ein Parfum und Glücksschwein für Silvester, auf dem „Miss you“ stand, geschenkt. Auch wenn die Frau von Nicolae mehrmals beteuerte, dass nur Freundschaft und nichts anderes dahintersteckte, war der Austro-Rumäne nun gar nicht mehr davon abzubringen, dass er betrogen wurde.

Facebook-Account 
von Gattin geknackt

Fortan drehten sich seine Gedanken nur noch darum – laut seiner Anwältin Astrid Wagner (die den Verdächtigen zusammen mit Florian Höllwarth verteidigt) schlief er zuletzt nur noch zwei Stunden am Tag und steigerte sich immer mehr in seinen Wahn hinein. Heimlich organisierte er sich die Zugangsdaten zu ihrem Facebook-Account und musste zu seinem Entsetzen feststellen, dass Gabriela wirklich mit besagtem Kollegen über Messenger chattete.

Obwohl alles jugendfrei war, brachte der Brauereiarbeiter daraufhin einen Peilsender am Auto seiner Ehefrau an. Die Ausbeute: T. konnte nun beweisen, dass Gabriela ein, zwei Mal unerklärlich für zwei Stunden länger als üblich ihr Auto auf dem Firmenparkplatz abgestellt hatte.

„Nun gib es doch endlich zu, dass etwas läuft“, herrschte er seine Gattin Mittwochabend im Heizungskeller an, wo die Hobbyfriseurin zuerst ihrem Sohn und dann dem Mann die Haare schnitt.

"Habe plötzlich nur noch schwarzgesehen"

Die 42-Jährige reagieret leider schnippisch und zog ihren Gatten mit den Worten „Das hätte ja längst auffalle müssen“ vor dem gemeinsamen Sohn auf. „Da habe ich plötzlich nur noch schwarz­gesehen“, sagt Nicolae gegenüber den Mordermittlern. Mit einem Schweizermesser, das im Keller herumlag, stach er mehrmals auf den Hals seiner Frau ein. Bis sie verblutete. Der geschockte Sohn alarmierte die Polizei.
Die Anwälte Wagner und Höllwarth sind überzeugt, dass alles in Folge einer heftigen Gemütsbewegung geschah und dass hier nicht Mord, sondern Totschlag vorliegt. Ein Gutachter soll überdies den psychischen Zustand ihres Mandanten überprüfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.(kor)

Profiler Haller: "Aggression bei Männern steigt"

Kriminalpsychologe Reinhard Haller erstellt das Gutachten über Briefbomber Franz Fuchs und den Mörder Jack Unterweger. Mit uns spricht er über die Frauenmordserie in Österreich.

ÖSTERREICH: Die Mordrate an Frauen stiegt in Österreich seit zwei Jahren an. Woran liegt das?

Reinhard Haller: Einerseits ist es so, dass in Männern heutzutage ein sehr großes Aggressionspotenzial schlummert. Besonders bei den 20- bis 30-Jährigen. Anders als früher wird diese Aggression nicht mehr durch Kriege oder harte körperliche Arbeit abgeleitet und staut sich auf.

ÖSTERREICH: Aber warum ­eskalieren die Konflikte so schnell? Warum gibt es mehr Morde?

Haller: Die Menschen sind viel kränkbarer geworden. Sie fühlen sich durch Kleinigkeiten angegriffen und das spielt natürlich im Beziehungsbereich eine besonders große Rolle. Es ist auch so, dass so aggressive Straftaten immer motivärmer werden. Das heißt, aus immer kleineren Motiven gibt es immer maximalere, aggressivere Reaktionen. Das ist ein Trend, den man auch international beobachten kann. Ein besorgniserregender Trend ist auch, dass die Morde an Frauen immer weniger im Affekt passieren.

ÖSTERREICH: Was meinen Sie damit?

Haller: Diese klassischen Beziehungsdelikte, die haben sich ja in der Regel im Affekt abgespielt. Spät in der Nacht ist man in einen Streit geraten, vielleicht auch alkoholisiert, die Emotionen schaukeln sich hoch und dann kommt es zu einer sehr kurzfristigen reflexartigen Tat. Das hat sich innerhalb des letzten Jahres gewandelt. Die Tötungen von Frauen oder die Attacken gegen Frauen erfolgen relativ geplant. Der Täter lauert irgendwo beim Kindergarten oder vorm Kaufhaus oder beim Arbeitsplatz auf, attackiert die Frau und stellt sich dann.

ÖSTERREICH: Warum ist hier ein Wandel passiert? Was hat sich verändert?

Haller: Ich kann das noch nicht richtig interpretieren. Bei Affekt-Taten begehen Täter sehr häufig einen Suizidversuch. Oder sie stehen der Tat fassungslos gegenüber und lassen sich widerstandslos festnehmen. Diese neue Kategorie der Beziehungs­täter stellt sich offensiv der Polizei und nimmt eine Haltung ein, die den Schluss zulässt, das sich der Täter im Recht fühlt und bereit ist, dafür zu büßen.

ÖSTERREICH: Was hat es mit dem zunehmenden Einsatz von Messern bei Gewalttaten gegen Frauen, aber auch generell auf sich?

Haller: Man muss bedenken, dass potenzielle Täter aus Kulturen stammen, wo das Töten mit Messern auch eine ganz andere Bedeutung hat als bei uns, etwas Rituelles zum Teil. Nicht, dass ich was gegen Ausländer sage, aber es ist einfach eine kulturelle Tatsache, dass unter den Asylanten, die bei uns sind, die Hauptrisikogruppe der 20- bis 40-jährigen Männer am häufigsten vertreten ist. Deren Sozialisierung ist in dieser Hinsicht auch ein Moment, das mit eine gewisse Rolle spielt. Aber auch bei einheimischen Tätern ist es so, dass das Messer einfach eine allzeit bereite Waffe ist.

Int.: Chr. Zacharnik

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