Kein Stein mehr auf dem anderen in St. Pölten: Die Parteien in der Landeshauptstadt müssen jetzt ihre Fassung wieder finden, sich neurorientieren - und wieder den Weg nach vorne antreten.
Vonseiten der SPÖ St. Pölten kommt eine bemerkenswerte Ansage: "Der Negativ-Wahlkampf der ÖVP hat die Menschen demobilisiert und einen großen Anteil am Erstarken der FPÖ, die trotz alledem in St. Pölten weit unter dem Bundestrend liegt. Das engagierte Auftreten der KPÖ hat der Sozialdemokratie sicher auch Stimmen gekostet."
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Stadler: "St. Pölten bleibt rot!"
Zuerst die Stimme also des amtierenden Bürgermeisters Matthias Stadler (SPÖ): "Die St. Pöltner haben uns erneut zur stärksten Kraft in der niederösterreichischen Hauptstadt gemacht – ich danke allen Wählern, die heute von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht haben und ganz besonders jenen, die uns unterstützt haben! Wir haben als stärkste Kraft mehr Zustimmung als die zweiten und dritten gemeinsam. Das ist für uns ein klarer Auftrag durch die St. Pöltner“, betont Bürgermeister Stadler nach der Verkündung des vorläufigen Wahlergebnisses. Die SPÖ sei mit dem klaren ersten Platz bestätigt worden. Dass es für die Absolute nicht gereicht hat, sieht man bei der SPÖ mit Bedauern, stellt aus der Parteizentrale aber klar: "Wir haben den Anspruch auch weiterhin die Stadt zu regieren und werden daher noch heute (Anm., 25.1.2026) die Mitbewerber zu Gesprächen in den nächsten Tagen einladen.“ Er wolle den "bewährten Weg fortsetzen und hoffen jetzt Partner dafür zu finden." Nach einem intensiven Wahlkampf sollte jetzt wieder ein Ton einkehrt, den sich die St. Pöltner wünschen – "konstruktiv, zukunftsorientiert und verbindlich“, so Stadler.
Mikl-Leitner: "Verantwortung für Landeshauptstadt übernehmen"
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner gratuliert: "Gratuliere Florian Krumböck und seinem Team zu diesem mehr als respektablen Ergebnis trotz schwierigster Rahmenbedingungen. Jetzt heißt es, Verantwortung für unsere Landeshauptstadt zu übernehmen und den frischen Wind ins Rathaus mitzunehmen.“
"Das ist ein historisches Ergebnis, denn St. Pölten hat heute ein rotes Erdbeben erlebt und sich klar für Veränderung ausgesprochen. Als Volkspartei St. Pölten sind wir standhaft geblieben und können jetzt frischen Wind ins Rathaus bringen. Ich danke meinem Team für einen beherzten Wahlkampf und allen Wählerinnen und Wählern für ihr Vertrauen. Jetzt blicken wir nach vorne und suchen das Gespräch mit allen Parteien“, freut sich Stadtparteiobmann Florian Krumböck.
VPNÖ-Zauner: „Wo ist Sven Hergovich?“
Während sich die Volkspartei St. Pölten bei der gestrigen Gemeinderatswahl als zweitstärkste Kraft behauptet hat, fuhr die SPÖ mit dem schlechtesten Ergebnis seit 60 Jahren in der Landeshauptstadt ein Wahl-Debakel ein, heißt es vonseiten der VPNÖ: "Auf eine Reaktion aus der SPÖ Niederösterreich wartet man bisher allerdings vergeblich." VPNÖ-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner: "Wo ist eigentlich Sven Hergovich und die SPÖ Niederösterreich? Die SPÖ fährt in ihrer letzten verbliebenen Hochburg ein Wahldebakel ein, doch Hergovich schweigt. Angesichts der sonst so zahlreichen Äußerungen des Gegen-eh-alles-Landesrats ist das besonders verwunderlich. Offenbar befindet sich Hergovich noch immer in Schockstarre und lässt damit Matthias Stadler und seine roten Parteigenossen in der Landeshauptstadt im Regen stehen. Selbst die Bundes-SPÖ hat sich zu einer Reaktion durchgerungen. Wegducken geht da nicht, Herr Hergovich.“
FPÖ-Landbauer: "Die rote Allmacht ist gebrochen“
Gestern sei vor allem die "klare Haltung in der Sicherheitsfrage, die Politik der Gerechtigkeit, die Bodenständigkeit und der Mut zur Veränderung belohnt worden. Die St. Pöltner Wähler haben das rote System gebrochen und sich gegen Chaos, Stillstand und soziale Kälte gestellt“ so Landbauer weiter. Udo Landbauer spricht zudem von einer "ordentlichen Wählerwatsche für die peinliche Babler-SPÖ, die das Land gegen die Wand fährt und ihre Wähler für ein paar Posten und Förderungen an linke Vereine verkauft hat."
FPÖ-Antauer:"Aufrichtige Dankbarkeit"
"Mit aufrichtiger Dankbarkeit blicke ich mit stolzer Brust und zugleich demütig auf dieses sensationelle Ergebnis für die FPÖ in St. Pölten. Die Tage der roten Arroganz sind gezählt. Die St. Pöltner Wähler haben gezeigt, dass sie dieses rote System satt haben. Die eigene Bevölkerung muss wieder im Zentrum der Politik stehen. Dafür sind wir Freiheitliche der einzige Garant“, sagt FPÖ Spitzenkandidat Landesrat Martin Antauer. "Stadlers Art der Steuergeldverschwendung und woken Politik wurde abgewählt. Jetzt ist es Zeit für einen politischen Neuanfang für die niederösterreichische Landeshauptstadt. Wir Freiheitliche sind in St. Pölten bereit, Verantwortung für die Landsleute zu übernehmen. Es ist Zeit für Ordnung, Sicherheit und Gerechtigkeit“, meinte Antauer. Und weiter: "Wir werden intensive Gespräche auf Augenhöhe mit allen im Gemeinderat vertretenen Parteien führen und schließen niemanden aus“, greift Antauer etwaigen Debatten um Koalitionsmöglichkeiten vor.
Grüne-Krismer: "Rote Beton-Politik"
Die Grüne Landessprecherin und Klubobfrau Helga Krismer zeigt sich über den Wahlausgang höchst erfreut: "Das heutige Wahlergebnis ist das beste grüne Ergebnis der Geschichte in St. Pölten. Dieser Erfolg ist das Resultat eines enorm engagierten Wahlkampfs unseres gesamten Teams vor Ort. Die Wählerinnen und Wähler haben uns gestärkt, um die 'rote Betonpolitik' zu beenden und St. Pölten klimafit und menschenfreundlich zu gestalten. Wir sind bereit, ab sofort noch mehr Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger zu übernehmen“.
NEOS-Pinzer: Team komplett neu aufgestellt
"Obwohl wir unser Team komplett neu aufgestellt haben, konnten wir unser Mandat halten – das werte ich als enormen Vertrauensvorschuss, für den ich mich bei den Wählerinnen und Wählern von Herzen bedanke. NEOS werden eine ehrliche, konstruktive, aber auch unbequeme Stimme im Gemeinderat sein. Wir werden konsequent aufzeigen, wo die Stadt Reformen umsetzen und im System sparen muss, um Schulden abzubauen. Denn nur mit klaren Maßnahmen wird es gelingen, Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen.
Der Tag danach
Nach dem Polit-Beben bei der Gemeinderatswahl in St. Pölten vom Sonntag beginnen bereits am (heutigen) Montag die Parteiengespräche. Die SPÖ muss sich nach einem nie da gewesenen Absturz von 56,02 auf nunmehr 42,53 Prozent erstmals seit 1960 und zum überhaupt erst zweiten Mal nach 1945 auf Partnersuche begeben. Die "logische Koalition" ist Rot-Grün.
Nie zuvor ist eine Partei in St. Pölten vom Wähler derart abgestraft worden wie die SPÖ am 25. Jänner 2026. Das Minus von 13,49 Prozentpunkten war ein Rekordverlust. 42,53 Prozent unterboten das bisher schlechteste Abschneiden mit 47,3 Prozent vor fast 66 Jahren deutlich. Gleichzeitig bejubelten die FPÖ (19,75 Prozent/plus 10,83 Prozentpunkte) und die Grünen (9,66 Prozent/plus 1,65 Prozentpunkte) ihr jeweils bestes Abschneiden an der Traisen.
Grüne "bereit"
Die SPÖ (nunmehr 19 nach zuvor 25 der 42 Mandate) kann Zweier-Koalitionen theoretisch mit der ÖVP (neun Sitze), der FPÖ (acht) und eben den Grünen (vier) bilden. Letztere zeigten sich schon am Sonntagabend "bereit, ab sofort noch mehr Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger zu übernehmen". Von der Landespartei der Grünen dürfte das goutiert werden, wenn das Konzept einer möglichen Koalition stimmig ist. "Die Hand ist ausgestreckt", war am Sonntagabend zu hören.
In der SPÖ St. Pölten werden indes wohl Wunden geleckt. Bürgermeister Matthias Stadler wird in den kommenden Tagen die Parteigremien einberufen. Die Unterstützung in den eigenen Reihen für den seit 9. Juli 2004 amtierenden Langzeit-Stadtchef sei "breit", erfuhr die APA noch am Wahlabend im Rathaus. Nachsatz eines Insiders: Wäre man nicht als "Liste Bürgermeister Matthias Stadler" angetreten, sondern als SPÖ, hätte das Ergebnis wohl noch deutlich schlechter ausgesehen.
Was den Bürgermeister einzuholen droht, ist eine Aussage nach der niederösterreichischen Landtagswahl vor drei Jahren. "Wenn man Wahlen verliert, muss man die Konsequenzen ziehen", wurde er damals in den "NÖN" zitiert. Die Landes-SPÖ unter Franz Schnabl hatte im Jänner 2023 nach einem Minus von 3,27 Prozentpunkten nur mehr 20,65 Prozent erreicht und war hinter die FPÖ auf Platz drei zurückgefallen. Nach einem derartigen Ergebnis dürfe man nicht zur Tagesordnung zurückkehren, befand der Bürgermeister. Vielmehr müsse nun "ungeschminkt" darüber geredet werden, was dazu geführt hat.
Rot-Grün wäre für FPÖ "ein Wahnsinn"
Es werde sich zeigen, ob die SPÖ (aus ihrem Abschneiden, Anm.) etwas gelernt habe, sagte ÖVP-Spitzenkandidat Florian Krumböck vor den anstehenden Parteiengesprächen. "Wer nimmt ernst, was die St. Pöltner wollen", sei die Frage. Die Volkspartei werde "inhaltlich nicht billig" sein, kündigte Krumböck an.
Martin Antauer (FPÖ) rechnet mit Rot-Grün, was aus seiner Sicht freilich "ein Wahnsinn" für St. Pölten wäre. Der freiheitliche Listenerste unterstrich, dass die Wähler "Veränderung" wollten. "Wir werden Gespräche führen." Mit 19,75 Prozent hat die FPÖ an der Traisen das aktuell zweitbeste Ergebnis in Landeshauptstädten erzielt. Nur in Wien liegen die Freiheitlichen seit der Gemeinderatswahl im vergangenen Jahr mit 20,35 Prozent knapp höher.