Uraufführung

Komödiantische Odyssee: "Speed" am Landestheater NÖ als Abschied

Mit "Speed - Auf den letzten Metern" hat das Regieduo Sarah Viktoria Frick und Martin Vischer eine komödiantische Odyssee zum Abschied des Ensembles am Landestheater NÖ auf die Bühne gebracht. Die Uraufführung am 30.04. galt als Farewell am Ende der Intendanz von Marie Rötzer in St. Pölten. 

Entstanden als Stückentwicklung während der Proben nach einem konzeptionellen Rahmen von Frick und Vischer, bietet das Resultat dem Ensemble die Möglichkeit, sich noch einmal mit allen Facetten seiner Persönlichkeiten darzustellen. Und diese Möglichkeit wird ausgiebig wahrgenommen: So entspannt, so witzig und zugleich überhöht authentisch hat man das Ensemble überhaupt noch nie erlebt. Das verlieh dem Abend schon auch eine Dosis leiser Wehmut.

Slapstick und poetische Momente 

Den Plot bildet eine Busreise zu einem Gastspiel in der Provinz, verbunden mit etlichen popkulturellen Assoziationen, nicht zuletzt mit dem Film "Speed", einem Actionthriller aus dem Jahr 1994 mit Sandra Bullock und Keanu Reeves. Die Fahrt wird auch ohne Bombengefahr zur nervlichen Zerreißprobe, und natürlich kommt der Bus nicht rechtzeitig an. Am Ende kurvt ein kleiner Spielzeugbus durch den bestirnten Himmel. Bis dahin passiert viel Slapstick mit einigen besonderen, geradezu poetischen Momenten, etwa wenn - euphorisch - Tina Turners "Private Dancer" angestimmt wird oder - zaghaft und brüchig - Whitney Houstons 90er-Hymne "I will always love you". Was zählen denn die großen Ziele, die großen Versprechen?

Mit herrlich kindischem Humor 

Gelungen wirkt schon der Einstieg, als nach und nach alle beim Bus eintreffen, lässig oder gehetzt oder drängelnd. Großartig auch die Umkleideszene im engen Bus, wenn die "Odyssee" noch einmal geprobt werden soll. Mit herrlich kindischem Humor verballhornt sind die Namen der Mitwirkenden, Laura Laufenberg alias Larua darf ihr Dauergrinsen zum Einsatz bringen, Michael Scherff alias Maichel (alias Odysseus) mit seinen Lachanfällen anstecken, Julia Kreusch alias Jauli gute Laune aufbringen, Musiker Bernhard Moshammer alias Brehnrad sich unter der Kapuze verstecken. Und dann gibt es eben noch das Stück im Stück: Die Irrfahrt der Odyssee als Gleichnis für die vermeintliche oder tatsächliche Heimkehr. Das Ensemble des Landestheaters NÖ hat eine Etappe hinter sich gebracht, die Reise geht weiter, wenn auch nicht mehr in dieser Konstellation. "Speed" stellt jedenfalls ein wunderbares Abschiedsgeschenk dar.

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