Ein Kommentar von Politik-Chefredakteurin Isabelle Daniel.
Schande. Die Art, wie mit dem Fall Weißmann im ORF umgegangen wird, ist für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk nur noch peinlich.
Zuerst zur Causa selbst: Auch, wenn eine Frau längere Zeit vielleicht mit einem „Mächtigen“ flirtet, mitspielt, kann ein ORF-Chef halt trotzdem nicht ungefragt Dick Pics versenden. Offenbar ist das manchen im ORF immer noch nicht klar. Und für alle anderen: Manchmal gibt es Grautöne. Wären Weißmann und die ORF-Mitarbeiterin gut beraten gewesen, hätten sie sich tatsächlich hinter den Kulissen geeinigt, statt sich selbst zu ruinieren.
Mitleidenschaft. Dass ein Anwalt, der den zweifelhaften Pensionszusatzvertrag von ORF-Manager Pius Strobl für den ORF unter Roland Weißmann geprüft hatte, im Compliance-Bericht zum Schluss kam, dass es keine sexuelle Belästigung gab, lässt nicht nur die Gleichbehandlungsanwaltschaft fassungslos zurück.
Last, but not least war die Art, wie Ingrid Thurnher die Kündigung von Weißmann kommuniziert hatte, ebenfalls für alle Beteiligten schädlich. Das einzig Gute an diesem Fall: Jetzt werden endlich auch andere Berichte öffentlich werden und hoffentlich endlich sämtliche Missstände beendet. Denn derzeit sprengt sich der ORF nur selbst.