Die niederösterreichische Industrie zeigt im 4. Quartal 2025 erste Anzeichen einer leichten Stabilisierung, wenn auch auf tiefem Niveau.
Das aktuelle Konjunkturbarometer ist mit +6,9 Punkten erstmals nach zweieinhalb Jahren wieder im leicht positiven Bereich und hat sich aber gegenüber dem Vorquartal (-29,1 Punkte) deutlich verbessert.
„Dass sich die Stimmung etwas aufgehellt hat, ist ein wichtiges Signal, aber es wäre falsch, daraus Entwarnung abzuleiten“, sagt IV-NÖ-Geschäftsführerin Michaela Roither. „Hohe Kosten, enormer Bürokratieaufwand sowie eine schwache Nachfrage und große Unsicherheit prägen weiterhin den Alltag vieler Betriebe. Stabilisierung bedeutet derzeit vor allem Stillstand auf niedrigem Niveau. Von einem Aufschwung sind wir noch entfernt.“ Entscheidend ist nun, strukturelle Reformen rasch umzusetzen, um wieder Investitionen zu ermöglichen und den Standort nicht erneut zu schwächen.
Große Unterschiede zwischen den Branchen
Die Konjunkturumfrage zeigt ein stark uneinheitliches Bild innerhalb der niederösterreichischen Industrie. Besonders energieintensive Branchen stehen weiterhin massiv unter Druck. Dazu zählen unter anderem die Glasindustrie, die chemische Industrie sowie die Papier- und Verpackungsindustrie. Hohe Energiepreise und geringe Margen lassen dort kaum Spielraum.
Besser entwickelt sich die Lage in anderen Bereichen wie der Holzindustrie oder der Elektro- und Elektronikindustrie. Diese Branchen profitieren von Auslandsaufträgen, laufenden Transformationsprojekten und einer etwas robusteren Nachfrage. „Die Entwicklung verläuft sehr unterschiedlich. Während es in einzelnen Bereichen wieder aufwärtsgeht, bleibt die Situation in anderen weiterhin schwierig“, so Roither.
Roither: Stabilisierung braucht verlässliche Rahmenbedingungen
Aus Sicht der IV-NÖ zeigen die Ergebnisse, dass die Industrie reagiert, anpassungsfähig ist, aber zunehmend an strukturelle Grenzen stößt. Die kürzlich präsentierte Industriestrategie ist ein wichtiger und richtiger erster Schritt. Entscheidend ist nun, dass daraus rasch konkrete Maßnahmen folgen.
„Es braucht strukturelle Reformen, um budgetären Spielraum für Investitionen zu schaffen und gleichzeitig wieder Vertrauen in den Standort Österreich aufzubauen“, betont Roither. „Viele Unternehmen haben Investitionsentscheidungen zuletzt verschoben oder neu bewertet. Ausschlaggebend dafür sind neben den hohen Standortkosten auch die anhaltende Unsicherheit über regulatorische Rahmenbedingungen sowie künftige Kosten und Abgaben. Erst wenn wieder Investitionssicherheit besteht und der Industriestandort Österreich Rahmenbedingungen bietet, unter denen Unternehmen international mithalten können, kann aus der derzeitigen Stabilisierung eine nachhaltige Erholung werden.
Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage im Detail
An der IV-NÖ-Konjunkturumfrage für das 4. Quartal 2025 nahmen 38 Industriebetriebe mit 14.669 Beschäftigten teil. Die derzeitige Geschäftslage verbessert sich deutlich und liegt mit +1 Punkt klar über dem Vorquartal (–18 Punkte). Das deutet auf eine Bodenbildung hin, auch wenn die Mehrheit der Unternehmen ihre aktuelle Lage weiterhin nur als durchschnittlich einstuft.
Der Ausblick auf die kommenden sechs Monate fällt etwas zuversichtlicher aus. Mit +13 Punkten verbessert sich die Erwartungshaltung deutlich gegenüber dem Vorquartal (–40 Punkte). Die Betriebe rechnen mehrheitlich mit einer moderaten Verbesserung, bleiben dabei aber vorsichtig und zurückhaltend.
Auch der Auftragsbestand zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung und erreicht einen Saldo von +2 Punkten nach –24 Punkten im Vorquartal. Die Auftragslage bleibt angespannt, signalisiert aber, dass die Talsohle erreicht sein könnte.
Die Entwicklung bei den Auslandsaufträgen verbessert sich deutlich von –10 auf +28 Punkte. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten und einer insgesamt fragilen Weltkonjunktur ist diese Entwicklung jedoch keineswegs als nachhaltiger Trend zu werten.
Bei den Produktionsindikatoren setzen sich die leichten Aufwärtstendenzen fort. Die erwartete Produktionstätigkeit in drei Monaten verbessert sich auf +12 Punkte (Q3/2025: –21 Punkte), auch die Produktionskapazität in drei Monaten steigt auf +9 Punkte (Q3/2025: –21 Punkte).
Bei den Verkaufspreisen zeigt sich hingegen kaum Entlastung. Der Saldo liegt mit +6 Punkten zwar leicht im positiven Bereich, viele Unternehmen sehen jedoch nur begrenzten Spielraum für Preisanpassungen. Angesichts der weiterhin hohen Kosten gelingt es vielfach nicht, gestiegene Aufwendungen vollständig an den Markt weiterzugeben.
Am Arbeitsmarkt bleibt die Lage indes angespannt. Der Beschäftigungsstand in drei Monaten liegt mit –4 Punkten zwar deutlich über dem Vorquartal (–25 Punkte), signalisiert aber weiterhin Zurückhaltung bei Neueinstellungen. Der Personalabbau verlangsamt sich, bleibt jedoch in manchen Branchen ein Thema.