Gewerkschaft (ÖGB) und Arbeiterkammer (AK) beklagen, dass noch nie so wenige Lehrlinge aufgenommen wurden wie im Vorjahr. Bei der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) führt man das auf „strukturelle Herausforderungen“ zurück.
Laut AK und ÖGB haben die Unternehmen im Jahr 2025 einen historischen Tiefstand bei der Lehrausbildung erreicht. Sie nahmen 27.546 Jugendliche im ersten Lehrjahr auf. Das seien um 10.000 Lehrlinge weniger als vor 20 Jahren. Die Folge: 24.506 Jugendliche suchen derzeit eine Lehrstelle – mehr dazu in ÖGB und AK beklagen Lehrstellenlücke (news.ORF.at; 23.2.2026).
In Niederösterreich befanden sich 2025 laut Wirtschaftskammer Niederösterreich 4.911 Lehrlinge im ersten Lehrjahr – mehr als 800 weniger als vor 20 Jahren und 140 weniger als 2024 (5.051). Ende 2025 suchten zudem rund 1.300 junge Menschen im Bundesland eine Lehrstelle. Dem gegenüber standen 1.800 Lehrstellen zur Verfügung, um 23 Prozent weniger als 2024.
WKNÖ sieht "strukturelle Herausforderungen“
"Die Rückmeldungen unserer Betriebe zeigen, dass der Rückgang weniger auf mangelndes Interesse seitens der Firmen zurückzuführen ist, sondern auf eine Reihe struktureller Herausforderungen“, heißt es dazu seitens der Wirtschaftskammer Niederösterreich.
So würden etwa rechtliche Vorgaben die Ausbildung erschweren. „Während für Fachkräfte zum Beispiel die Möglichkeit einer Vier-Tage-Woche besteht und viele Betriebe hier schon umgestellt haben, ist dies für Lehrlinge unter 18 Jahren nicht möglich. Hier gilt es, rasch entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen“, so die Wirtschaftskammer Niederösterreich gegenüber noe.ORF.at.
Außerdem seien konjunkturelle Unsicherheiten sowie die stetig steigenden Kosten für die Lehrlingsausbildung für Lehrbetriebe herausfordernd.
Digitale Grundkompetenzen gefordert
Gemeinsam mit der Arbeiterkammer Niederösterreich setze man „viele Maßnahmen, um das Image der Lehre zu fördern“, heißt es weiter. So sei etwa der „Walk of Fame am Rathausplatz ein sichtbares Zeichen, mit dem die Sozialpartner auf die Erfolge der Jungfachkräfte bei internationalen Berufsmeisterschaften aufmerksam machen“.
Außerdem seien die Sozialpartner „auch wichtige Impulsgeber für die Modernisierung der rund 200 verschiedenen Berufsbilder“. Die Berufsbilder würden laufend an die Erfordernisse der Zeit angepasst und auch die Digitalisierung habe mittlerweile bei allen Berufsbildern Einzug gehalten.
Österreichweit sehen das viele Lehrlinge aber anders: Einer durch die Arbeitnehmervertreter beauftragten Lehrlingsumfrage zufolge spielten 2025 bei der Ausbildung Künstliche Intelligenz und Digitalisierung oft eine zu kleine Rolle. ÖGB und AK fordern daher digitale Grundkompetenzen für alle Lehrlinge.