1. Auskunftsperson

Pilnacek-Vertraute im U-Ausschuss: "Wollte mich interessant machen"

Fragen zu Umgang mit Beweismitteln und Pilnaceks letzten Stunden. Anna P. spricht als erste, dann Karin Wurm. Wolfgang Sobotka habe Anna P. geraten: "Rede nicht mit den Medien."

Im Untersuchungsausschuss zu den Ermittlungen zur Causa Pilnacek ist heute Mittwoch die Befragung von zwei Vertrauten des Ex-Sektionschefs Christian Pilnacek am Programm. Die beiden Frauen - seine Freundin Karin Wurm und deren Mitbewohnerin Anna P. - sollen Pilnacek vor dem Auffinden dessen Leichnams als letzte lebend gesehen haben. 

Anna P. sagt: "Vielleicht wollte ich mich interessant machen" 

Anna P. spricht als erste, auf sie folgt später Karin Wurm. Zuallererst sagt Anna P. in ihrer Stellungnahme: "Ich habe mich seit dem Ableben Pilnaceks vielen medialen Berichterstattungen ausgesetzt gesehen, mich selbst aber nie an die Medien gewendet."

Bei der Befragung nach dem Pilnacek-Laptop habe sie einen Fehler gemacht. Sie habe das gestanden. Das Verfahren gegen sie (Falschaussage) sei noch nicht abgeschlossen. Zudem gebe es ein anderes Verfahren rund um Daten - sie werde daher zum Laptop-Fragen nichts sagen. 

Telefonat vor dem Auffinden der Leiche Pilnaceks  

Anna P. gibt an bis 2024 im Büro des damaligen Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka (ÖVP) gearbeitet zu haben, später hat sie einen anderen Berufsweg eingeschlagen. Sie stehe in keinem Naheverhältnis zur Familie Sobotoka. Er habe keinen Druck ausgeübt. So verhalte es sich auch bei Bundespolizeidirektor Michael Takacs, der ein Berufskollege gewesen sei und mit dem sie vor dem Auffinden der Leiche Pilnaceks telefoniert hat.

Auch Frau Nehammer rief an

Ebenfalls sagt Anna P., dass die damalige Kanzlergattin K. Nehammer sie am Todestag angerufen habe. Frau Nehammer habe sie am Tag des Todes gefragt, wie es ihr gehe und angeboten, dass sie sich melden könnte, wenn sie etwas brauche. 

"Wollte mich interessant machen"

Sie habe später Geschichten wiedergegeben, die es so nicht gegeben habe, "viellleicht habe ich mich interessant machen wollen", sagte Anna P zum berühmten "Keller-Tape", dass im Podcast Dunkelkammer veröffentlicht worden ist.

P. sagte im Laufe der Befragung etliche Male, dass ihre Äußerungen an diesem "dubiosen" Abend nicht gestimmt hätten. Um halb 2 will FPÖ-Abgeordneter Christian Hafenecker wissen, "ob irgendetwas in dem Transkript stimmt"? P. sagt: Vieles was über Sobotka  und Takacs gesagt wurde, stimme nicht. 

Zum Abend selbst sagt sie:

Sie habe Pilnacek abgeholt von der Autobahnstation, sei müde gewesen und habe sich aufs Autofahren konzentriert. Pilnacek habe ins Handy getippt, sei wegen der Führerscheinabnahme verägert gewesen und dann eingeschlafen.

Wurm habe im Haus auf ihn gewartet, sie sei dann in ihr Zimmer schlafen gegangen. Daher habe sie Pilnaceks Weggehen nicht bemerkt. 

"Sobotka habe ich nichts vom Laptop gesagt"

Anna P. schildert weiter, dass sie in der Früh ihren Bruder gebeten habe, nach Pilnacek zu suchen, später habe sie "in meiner Verzweiflung" Takacs angerufen. Daraufhin habe sie sich mit Wurm auf die Suche gemacht. P schildert, dass sie am Donauufer ankamen und Pilnacek noch im Wasser gelegen sei. Sie habe dann noch einmal Takacs angerufen.

Bei ihrer Einvernahme bei der Polizei später hätten sie und Karin Wurm gefragt, was sie mit Pilnaceks Sachen tun sollten. Wurm habe den Laptop nicht hergeben wollen, auf dem auch sie gearbeitet habe. Der Laptop sei auch ihre "Lebensversicherung", soll Wurm gesagt habe. Sobotka habe sie nichts vom Laptop gesagt: "Nie erwähnt". Dasselbe gelte für Takacs.

Pilnaceks Witwe aufgezeichnet

Sie habe auch mit Pilnaceks Witwe gesprochen. Das Gespräch habe sie aufgezeichnet, damit sie es Wurm vorspielen könne. Denn es sei auch um Wurm gegangen. Sie habe sich dafür bei Pilnaceks Witwe entschuldigt. 

"Sobotka machte sich Sorgen"

"Ich habe Sobotka nach dem Auffinden nicht kontaktiert, aber er hat dann mich angerufen und gefragt, wie es mir gehe und sie solle ein paar Tage daheim bleiben", sagte Anna P. zum Telefonat mit ihrem Chef.

Später war sie auch bei Sobotka zuhause - nur wenige Tage nach dem Auffinden der Leiche. Karin Wurm habe nach psychologischer Unterstützung gefragt, sie habe daher Frau Sobotka (die Psychotherapeutin ist) angerufen und man sei zu ihr gefahren.

Wurm hat mit Frau Sobotka gesprochen, währenddessen habe Anna P. mit Sobotka geredet. "Ich weiß nicht mehr, wie lange das gedauert hat. Ich habe ihm erzählt, was passiert ist". Er habe sich um sie Sorgen gemacht. 

Neos-Fraktionschefin im U-Ausschuss, Sophie Wotschke

Neos-Fraktionschefin im U-Ausschuss, Sophie Wotschke, geht den Weg vom Dorf Rossatz hinunter zur Au. Im Hintergrund ist das Haus von Karin Wurm zu sehen, die Pilnacek in dieser Nacht als letzte offiziell gesehen hat.

© Fuhrich

Sobotka hat Anna P. geraten: "Rede nicht mit den Medien." 

Sophie Wotschke (Neos) fragt Anna P., ob sie mit Bundespolizeidirektor Takacs über ihre Vernehmung bei der Polizei gesprochen habe? Sie kann sich nicht mehr erinnern.

Wotschke will auch wissen, wann sie von Sobotka angerufen worden ist: Am 20.Oktober 2023 - dem Todestag Pilnaceks? Die Auskunftsperson kann sich auch daran nicht mehr erinnern.

  • Hat sich Anna P. an diesem Freitag von der Arbeit abgemeldet? "Nein."
  • Hat sich am Umgang Sobotka mit Anna P. nach dem Toddesfall etwas verändert? "Nein."
  • Hat Sobotka ihr gesagt, wie sie sich verhalten soll nach dem Ableben Pilnaceks? Er habe ihr gesagt, sie solle nicht mit Medien reden, "das hat er mir geraten".

Sobotka habe gewusst, dass Pilnacek öfter bei Karin Wurm und Anna P. war, sagt P. aus. "Über die mögliche Todesursache habe ich mit Sobotka geredet", gibt sie an. Sobotka habe auch nicht gewusst, was die Ursache ist, "war es ein Unfall, ein Selbstmord"... Über das Obduktionsergebnis habe sie ihrer Erinnerung nach nicht mit Sobotka gesprochen. 

Sobotka traf Pilnacek

Indirekt habe Anna P. über eine Kollegin wahrgenommen, dass Herr Pilncek einen Termin mit Sobotka hatte. Mehr Wahrnehmungen hat sie nicht dazu.Haben die beiden telefoniert? "Keine Wahrnehmungen." 

Hat ÖVP Anna P.'s ehemalige Freundin Karin Wurm eingeschüchtert?

Kritik übten bereits alle übrigen Fraktionen vor Beginn der Befragung an den "Einschüchterungsversuchen" der zweiten Auskunftsperson durch die ÖVP. 

SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer.

SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer.

© APA/GEORG HOCHMUTH

ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger hatte am Vortag die Finanzprokuratur aufgefordert, Schadensersatzansprüche gegen die frühere Freundin Pilnaceks, deren Glaubwürdigkeit er in Zweifel zog, wegen der entstandenen Kosten zu prüfen. FPÖ-Fraktionsführer Christian Hafenecker sprach am Mittwoch von einem "ungeheuerlichen Vorgang" und "Methoden autoritärer Systeme" und vermutete dahinter ein Ablenkungsmanöver der Volkspartei, um von der ebenfalls geladenen ehemaligen Mitarbeiterin des früheren Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka (ÖVP) abzulenken. Unter anderem auf Sobotkas Rolle will sich die FPÖ am Mittwoch auch konzentrieren. "Einer Privatperson einen Tag vor der Befragung mit einer Millionenklage zu drohen, die keinerlei Aussicht auf Erfolg hat, das hat eine neue Qualität", meinte auch Grünen-Fraktionsführerin Nina Tomaselli.

Auch SPÖ und NEOS kritisieren ÖVP

Aber auch von den Koalitionspartnern SPÖ und NEOS kam scharfe Kritik am Umgang der ÖVP mit der Auskunftsperson. SPÖ-Fraktionsführer Kai Jan Krainer sprach von einem "inakzeptablen Verhalten", über das im Parlament noch diskutiert werden müsse. Sophie Wotscke sah erneut einen "klaren Einschüchterungsversuch". Befürchtet wurde von den Fraktionen, dass die Vertraute von Pilnacek nicht frei aussagen werde. Es sei die freiwillige Entscheidung der Frau, die mediale Bühne zu betreten, verteidigte sich ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger. Sie habe nun Gelegenheit, zu ihren widersprüchlichen Aussagen Stellung zu nehmen.

Die Frauen, die in einem Haus nahe des Fundorts zusammenwohnten, haben bereits ausführlich vor Gericht Stellung genommen. Die erste Auskunftsperson hatte Pilnacek abgeholt, nachdem dieser nach einer Alkohol-Fahrt von der Polizei aufgehalten worden war. Im Fokus der Befragungen am Mittwoch steht auch der Umgang durch Polizei und Justiz mit den technischen Geräten Pilnaceks.

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