Mädchen-Ritus

Landesschulrat findet Kussverbot gut

Ein "Kussverbot" an einer Schule in Oberösterreich sorgt sogar im Ausland für Wirbel. oe24 hat den Brief des besorgten Direktors an die Eltern.

Das "Kussverbot" in einer Schule im Bezirk Wels-Land in Oberösterreich wurde am Donnerstag von Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer begrüßt: "Die Schule ist auch da, um Erziehungsarbeit zu leisten und die Eltern darin zu unterstützen." Daher müssten manchmal Grenzen gesetzt und deren Einhaltung konsequent eingefordert werden".

Die "Aktion kritischer SchülerInnen" (AKS) will am Montag das Landesschulrats-Gebäude mit küssenden Paaren blockieren.

Brief an die Eltern
In einem Brief an die Eltern wurde von Seiten der Schulleitung auf das Verbot aufmerksam gemacht und darum gebeten, solche Begrüßungsrituale in Zukunft einzuschränken. Auch deutsche Medien, wie die Bild-Zeitung, berichten über dieses Verbot.

Hier der Brief im Wortlaut (Zum Vergrößern auf das Bild klicken!)


 

"Theatralische Verabschiedungen"
Die Schulleitung von Gunskirchen rechtfertigt den Brief damit, dass es sich hier nicht nur um morgendliche Begrüßungen handelt, sondern um ein sich ständig wiederholendes Ritual. Die Mädchen würden sich bei jeder Gelegenheit "verabschieden" und somit nicht zuletzt die Aufmerksamkeit der männlichen Klassenkameraden erregen.

"Mädchen schützen"
Der Brief wurde mit Zustimmung der Elternvertreter auf Grund eines Schulformusbeschlusses geschrieben, wie die stellvertretende Schulleiterin Ursula Hüttmayr gegenüber oe24.at betont. Ziel sei es, die Mädchen zu schützen, denn die Schulleitung befürchtet, dass die gleichaltrigen Burschen ebenfalls solche "Begrüßungen" von den Mädchen einfordern könnten.

Laut Schulleitung seien bisher keine negativen Reakionen von Seiten der Eltern gekommen.

"Mittelalterlich"
"Mittelalterlich" und "eine unzulässige Einmischung der Schule in die Privatsphäre von Jugendlichen" ist das Kussverbot für den oberösterreichischen BZÖ-Landessprecher, den Nationalratsabgeordneten Rainer Widmann. Kein Verbot werde auch nur einen einzigen Kuss tatsächlich verhindern. Besser wäre es mit den Jugendlichen zu vereinbaren, welches Verhalten man im respektvollen Umgang miteinander am Schulgelände erwarten könne, regte er an.

Der Direktor sei offenbar weltanschaulich im Mittelalter steckengeblieben, findet auch die Aktion Kritischer Schüler (AKS). Die Linzer Vorsitzende Vanessa Gaigg bezeichnete das "Kussverbot" als "lächerlich und vollkommen übertrieben". Es sei absolut nicht notwendig, dass die Schüler den "stockkonservativen Ansichten ihres Direktors" folgen, so Bundesvorsitzender Klaus Baumgartner. Die AKS kündigte für Nachmittag eine Aktion vor der betroffenen Schule an.

Foto (c) APA/ Obermüller



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