Paulina S. aus Bad Ischl

Mord an Paulina

Stiefvater unter Sex-Verdacht

Stiefvater und dessen Sohn haben die Tat vor Gericht gestanden.

Jetzt liegt es schwarz auf weiß auf dem Tisch der Haftrichterin (die darauf die U-Haft verhängte): Das Geständnis von Klaus (48) und Konstantin K. (19), das die beiden am Landes­gericht Wels ablegten. Nur noch offizieller Beweis, was die Indizien längst offengelegt hatten: Der Lkw-Fahrer aus Bad Ischl (OÖ) und sein Sohn sollen eine der abscheulichsten Taten der letzten Jahre begangen haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die beiden sollen am Dienstag Paulina S. (14) auf dem Schulweg in einem roten VW Sharan abgepasst haben. Im Auto seien sie dann laut Ermittlern über das Mädchen hergefallen, schlugen auf sie ein, würgten sie. Laut Obduktion starb die 14-Jährige an einem Schädel-Hirn-Trauma. Auch fanden sich am Hals Würgemale. Die Leiche des Mädchens verscharrten sie auf einem Grundstück von Klaus K. am Schwarzensee bei St. Wolfgang. Nur eine Stunde später um 8 Uhr trat der 48-Jährige in aller Seelenruhe seinen Dienst als Lkw-Fahrer an …

In der Zwischenzeit versuchte Sohn Konstantin, Spuren zu beseitigen. So fand sich die Autorückbank blutverschmiert in einem Windschutzgürtel in Süd-Niederösterreich. Tatwaffe sollen ein Strick und „ein stumpfer Gegenstand“ gewesen sein. Vermutet wird, dass eine Taschenlampe benutzt wurde, um das jüngste Mädchen der Familie S. brutal zu töten.

Stiefvater soll Paulina 
sexuell belästigt haben

Über das Motiv zerbrechen sich nicht nur Ermittler ­weiter den Kopf: Auch im 14.000-Einwohner-Ort versucht man, das Unglaubliche zu begreifen. Doch es gab Vorzeichen für das Verbrechen. So soll die Trennung von Klaus K. und der Mutter von Paulina, Claudia S., vor rund fünf Monaten das treibende Moment gewesen sein. „Der Klaus hat zu ihr gesagt, dass es eine Bluttat geben wird, wenn sie geht“, sagt Mirlinda A., eine der Hauptzeuginnen der Polizei, zu ­ÖSTERREICH. „Er drohte: ‚Ich werde dir das Liebste nehmen‘“, so eine Nachbarin. Das Liebste, das war das jüngste von Claudias vier Kindern.

Musste Paulina auch sterben, weil sie ihren Stiefvater anzeigen wollte? Er soll sie ­sexuell belästigt haben, aas auch der wahre Grund für die Trennung ihrer Mama von Karl. K. gewesen sein. Paulina soll zuletzt gedroht haben, ihren Stiefvater an­zuzeigen. Ihr Todesurteil?

Mysteriös bleibt die Rolle von Sohn Konstantin. Der 19-Jährige soll laut Bekannten ein verschlossener Bursch sein. Er sei dem brutalen, herrischen Vater regelrecht ausgeliefert gewesen. „Einmal hat Klaus ihn mit einem Brett mehrmals auf den Kopf geschlagen, weil er die Gartenarbeit nicht richtig erledigt hatte.“

Zudem wird der 19-Jährige als „brodelnder Vulkan“ beschrieben. Als Claudia mit den Kindern in eine neue Wohnung flüchtete, sei Konstantin zufällig dazugekommen – und habe einen Wutanfall bekommen. Wegen Gefühlen für seine Halbschwester? Die Ermittler schließen auch hier ein sexuelles Motiv nicht aus.
 

Aus Rache das Nesthäkchen der Familie getötet

Der Fernfahrer Klaus K. und die Tourismusangestellte Claudia S. hatten sich in Köln kennengelernt. Die Deutsche, die sich vom griechischen Mann getrennt hatte, suchte mehr einen Vater für die vier Kinder (14, 16, 19, 20) als eine neue Liebe.

Ein Vertrauter zu ÖSTERREICH: „Für sie war diese Beziehung vom ersten Tag an nicht gut. Klaus hatte zwei Gesichter: Gegenüber Nachbarn und Bekannten war er höflich und zurückhaltend. Doch hinter verschlossenen Türen hörte man ihn oft schreien. Und bei Festen und Zusammenkünften fand er es ganz toll, seine Frau herunterzuputzen. Und sich auf ihre Kosten wichtigzumachen. Dann wieder sprach er gegenüber anderen von der einzigen großen Liebe. “

Tyrann

Vor fünf Monaten reichte es Claudia S. – sie zog mit Sack und Pack und ihren Kindern in eine neue Wohnung über einer Tischlerei in Bad Ischl. Das konnte der Patchwork-Familien-Tyrann (es gilt die Unschuldsvermutung) nicht überwinden. Wie jetzt bekannt wurde, vollführte er vor Kurzem vor der Schule, in die die Jüngste der Familie, Paulina, ging, einen „Wheely“ mit dem Motorrad, krachte hernach ins Auto von Claudia S., die ihre Tochter vom Gymnasium abholte.

Dass er die Trennung aufs Blut nicht hinnehmen wollte, wusste auch Nachbarin Mirlinda A. Ihr gegenüber soll der 48-Jährige geschworen haben: „Wenn sie mich verlässt, wird etwas Schlimmes passieren.“

Sohn hörig
Mit dem ihm hörigen Sohn im Schlepptau nahm er bittere Rache an Claudia S. Aus verschmähter Liebe und Rache, möglicherweise auch aus sexuellem Motiv heraus, töten sie das Nesthäkchen und den Liebling der Mutter, Paulina (14). Die Familie, die Schule, der Ort, das ganze Land sind geschockt.

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