Nach dem Machtwechsel bei den Salzburger Festspielen spricht Karin Bergmann erstmals offen und überrascht mit deutlichen Worten. Die neuen Interims-Chefin gibt tiefe Einblicke hinter die Kulissen.
Nach ihrer überraschenden Bestellung zur Interims-Intendantin stellte sich Karin Bergmann am Mittwoch erstmals der Öffentlichkeit. Zuvor hatte sie intern mit Mitarbeitenden gesprochen. Vor Medien zeigte sie sich ungewohnt offen: „Dass ich hier sitze, ist natürlich eigentlich eine Ungeheuerlichkeit.“
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„Unglaublicher Gewissenskonflikt“
Die Anfrage für den Posten habe sie völlig unerwartet getroffen. „Das hat mich zunächst in einen unglaublichen Gewissenskonflikt gestürzt. Ich habe mir vorgestellt, hier eines Tages zu sitzen - an der Seite von Markus Hinterhäuser“, erklärte sie. Zugleich stellte sie klar: „Für mich ist ganz klar, dass ich nicht gegen Markus Hinterhäuser hier sitze, sondern wegen ihm.“
Zur Eskalation rund um die Festspiele wollte sich Bergmann nur eingeschränkt äußern. Weder Kuratorium noch Hinterhäuser hätten die genauen Gründe offengelegt. „Um die Freiheit der Kunst geht es in keiner Weise. Es geht um andere Dinge, über die aber von allen der Mantel des Schweigens gebreitet wird.“
Trotz der Turbulenzen richtet Bergmann den Blick nach vorne. „Er hat künstlerisch wie ökonomisch nur Erfolge vorzuweisen. Dass er hier nicht mehr sitzt, ist etwas, das uns alle bestürzt.“ Ihr Ziel sei klar: „Mein Hauptanliegen ist, den Sommer im Sinne von Markus Hinterhäuser zu ermöglichen.“
Schwieriges Gespräch mit Hinterhäuser
Ein Austausch mit dem bisherigen Intendanten sei emotional verlaufen. „Ich habe mit Markus Hinterhäuser gesprochen. Das war ein sehr, sehr schwieriges Gespräch, das mich persönlich auch sehr belastet“, sagte Bergmann.
„Ich würde mich nicht trauen zu prognostizieren, ob die Zeit Wunden heilt.“ Sie hoffe jedenfalls, dass Hinterhäuser seine beiden angesetzten Konzerte als Pianist im Sommer spielen werde: „Ich habe ihn um Großzügigkeit gebeten. Aber natürlich ist Markus Hinterhäuser in einer Situation, in der sich niemand ein Urteil von uns erlauben darf.“
Rolle klar definiert
Ihre Aufgabe sieht Bergmann zeitlich begrenzt. „Ich sehe mich für zwei Sommer als Brückenbauerin.“ Eine dauerhafte Bewerbung schließt sie aus: „Definitiv nein.“ Beim Schauspiel zeigt sie sich weniger eindeutig: „Spontan würde ich sagen: Nein. Wenn ich mir mein Leben anschaue, sage ich: Sag niemals nie.“
Programm steht – Stimmung nicht
Während das heurige Programm bereits fix ist und die Oper für nächstes Jahr weit geplant, bleibt das Schauspiel noch offen. Parallel will Bergmann die angespannte Stimmung beruhigen. Sie habe bereits Gespräche mit Künstlern wie Peter Handke und Elfriede Jelinek geführt, um Unsicherheiten zu klären. Zugleich sei ihr dabei versichert worden, dass der zuletzt veröffentlichte Brief pro Hinterhäuser von Kunstschaffenden noch vor ihrer Ernennung unterzeichnet wurde.
Deutliche Worte fand Bergmann auch zur aktuellen Diskussion über Arbeitskultur im Kulturbereich. Anonyme Vorwürfe sieht sie kritisch: „Das geschieht alles anonym. Das finde ich ein Problem.“ „Ich finde diese Art von […] Denunziation im Nachhinein, wo keiner mehr die Chance hat, es aufzuklären, ein ganz großes Problem für Arbeitskultur. Das muss geändert werden.“
Rückendeckung aus der Spitze
Unterstützung bekam Bergmann von Präsidentin Kristina Hammer und Direktor Lukas Crepaz. Beide betonten ihre Erfahrung und Rolle für die kommenden Jahre. Hammer hob hervor: „Es freut mich ganz besonders, dass mit Karin Bergmann erstmals eine Frau die Leitung der Festspiele übernimmt. […] Sie steht für große Glaubwürdigkeit im Kulturbetrieb und eine große Klarheit und Ruhe.“