Heiratsschwindler à la DiCaprio verurteilt

Als falscher Pilot ausgegeben

Heiratsschwindler à la DiCaprio verurteilt

60-Jähriger nimmt seit Jahrzehnten mit Lügen-Geschichten Frauen aus.

Ein notorischer Heiratsschwindler ist am Dienstag im Wiener Straflandesgericht wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Seit Jahrzehnten ist Ludwig L. darauf spezialisiert, wohlhabende Frauen mit erfundenen Geschichten zu beeindrucken. Er präsentiert sich als Pilot, Airline-Besitzer oder Chef eines deutschen Unternehmens mit 400 Mitarbeitern. Nichts davon ist wahr.

27 Jahre schon hinter Gitter
Für Beteiligungen an seinen vorgeblichen Geschäften luchst der Mann seinen Opfern allerdings beträchtliche Bargeld-Beträge ab, nachdem er mit ihnen Liebschaften begonnen und ihnen teilweise die Ehe versprochen hat. "Seit 1971 sind Sie 27 Mal verurteilt worden. Insgesamt sind Sie seither 27 Jahre und zehn Monate im Gefängnis gesessen", belehrte Richter Gerhard Wagner den mittlerweile 60-Jährigen im Grauen Haus. Und fügte am Ende hinzu: "Offensichtlich hat's nichts genützt."

Nachdem Ludwig L. 2008 in Salzburg zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden war, bereitete er bereits in der Justizanstalt Graz-Karlau seine nächsten Betrügereien vor. Er registrierte sich bei einer Online-Partner-Agentur und hielt nach vermögenden, gut situierten Frauen Ausschau. Dass er in seiner Zelle verbotenerweise über ein Mobiltelefon verfügen konnte, erleichterte es ihm, mit ihnen per SMS oder telefonisch Kontakt aufzunehmen.

Abenteuerliche Lügen-Märchen

Auf Freigängen lernte er die Damen dann persönlich kennen. Zumindest vier Frauen fanden an dem fast kahlköpfigen, untersetzten Mann Gefallen, darunter eine Ärztin und eine erfolgreiche Managerin. Er erzählte ihnen, im Auftrag eines Rolex-Erben ein Flugzeug ankaufen zu müssen oder eine private Fluglinie in Dubai sein Eigen zu nennen. An die Treffen anschließende Telefongespräche unterbrach er mitunter vorzeitig - weil er noch eine Video-Konferenzschaltung mit Brasilien abwickeln müsse, wie er einmal beispielsweise behauptete. In Wahrheit gingen in der Karlau, wo er zu diesem Zeitpunkt wieder einsaß, infolge der vorgerückten Stunde die Lichter aus.

Einer der Frauen luchste er im Zeitraum Juli bis März 2011 insgesamt 178.500 Euro ab. Er machte ihr vor, für einen Investor eine Cessna zu erwerben. Sie könne bei einer Rendite von zwölf Prozent pro Jahr in dieses Geschäft einsteigen. 3,85 Millionen Euro sei die Maschine wert, die an eine Privatstiftung weiterverkauft werde, schwatzte er zeitgleich der Ärztin vor. Die zweite Frau überließ ihm 60.000 Euro und bekam zugesichert, binnen weniger Tage die Summe samt einem Gewinn von 35.000 Euro zurückzuerhalten.

Als er im November 2011 vorzeitig bedingt entlassen wurde, fand der 60-Jährige noch zwei weitere Opfer, wobei allerdings eine Frau kein Geld rausrückte, als ihr neuer Bekannter eine schriftliche Bestätigung verweigerte. Insgesamt habe sich der Mann bis zu seiner neuerlichen Festnahme um 260.000 Euro bereichert, sagte Staatsanwältin Kristina Jahn.

Ludwig L. gab vor Gericht bis zuletzt den seriösen Unternehmensberater, wie er sich derzeit bezeichnet: "Tut mir leid, dass bei diesen Geschäften einiges schief gelaufen ist. Ich werde mich bemühen, dass die Geschädigten die Gelder zurückbekommen." Er habe auf diversen Konten Beträge "geparkt", aber noch keinen vertrauenswürdigen Anwalt gefunden, über den er die Rückzahlung abwickeln könne. "Das könnte man als Geschädigter fast als Provokation auffassen", kommentierte der Richter diese Verantwortung.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Ludwig L. erbat Bedenkzeit, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

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