Intendant Bachler: "Wenn wir könnten, würden wir die Oper sechs Mal spielen."
Szbg. Mit der Rückkehr der Berliner Philharmoniker und ihres Chefdirigenten Kirill Petrenko sowie einer Neuauflage von Richard Wagners "Ring des Nibelungen" öffnet sich ab Freitag in Salzburg ein neues Kapitel der Osterfestspiele. Entsprechend der Chronologie wird heuer mit "Das Rheingold" begonnen, und die Nachfrage ist groß: "Wenn wir könnten, würden wir es sechs Mal spielen", sagte Intendant Nikolaus Bachler am Mittwoch. Tatsächlich im Programm sind drei Aufführungen.
Das Besondere am Ring in der Mozartstadt ist laut Petrenko, dass es sich "zum ersten Mal um eine vollständige musikalische Neuproduktion mit einem neuen Orchester" handle. Aber nicht nur die Berliner werden "Das Rheingold" zum ersten Mal spielen, auch bei den Solisten handelt es sich fast ausnahmslos um Rollendebütantinnen und -debütanten. "Wir haben ein vollständig weißes Blatt Papier, das neu beschrieben wird", sagte Petrenko bei dem Mediengespräch. Natürlich würden Sängerinnen und Sänger im Lauf der Jahre in ihre Rollen reinwachsen und reifen, allerdings seien dadurch die Interpretationen schon verfestigt. Er beschäftige sich beruflich nun seit 30 Jahren mit dem "Ring" und sei dabei in jede Falle schon einmal getappt. In den Proben versuche er daher, das Orchester und die Sängerinnen und Sänger darauf aufmerksam zu machen.
Einer der Rollenneulinge ist Bariton Christian Gerhaher, der damit von seiner bisherigen Rolle "Wolfram" zum Göttervater "Wotan" aufsteigt. "Die Rolle hat etwas Ikonisches. Das ist für mich ein riesiger Schritt", den er damit begründet, dass er sich in der Tiefe weiterentwickelt habe. Allerdings: Der deutlich tiefer angelegte Wotan in "Die Walküre", die dann 2027 im Programm steht, "ist in der aktuellen Situation noch nicht sinnvoll. Aber vielleicht irgendwann."
Großes Lob für Akustik der Felsenreitschule
Die Entscheidung für die Felsenreitschule als Aufführungsort der gesamten Tetralogie könnte zum Glücksgriff geworden sein. Sowohl von Sänger- als auch von Orchesterseite gab es großes Lob, weil man sich gegenseitig so gut hören könne wie sonst nie. "Ich bin ganz begeistert von diesem Raum für den 'Ring', bei dem es um Musikdrama geht. Dieser Raum mit seiner Naturakustik ist geradezu prädestiniert dafür", meinte Petrenko. Der "Ring" sei Wagners archaischstes Werk, und dem komme die Felsenreitschule am nächsten", so Bachler. Durch die quasi trichterförmige Akustik müsse man sich als Sänger sogar manchmal zurücknehmen, wo man normalerweise noch etwa "drüber gehen" müsse, sagte Gerhaher.
Orchestervorständin und Violinistin Eva-Maria Tomasi ist über die Rückkehr der Berliner nach Salzburg "so was von überwältigt". Das Orchester war seit der Gründung der Osterfestspiele durch Herbert von Karajan im Jahr 1967 das Residenzorchester des Festivals, 2012 verabschiedete es sich aber nach Baden-Baden. Salzburg war stets das einzige Mal im Jahr, wo die Berliner Philharmoniker Oper spielten. Und so soll es ab übermorgen auch wieder sein.