Drastische Situation

Drogen-Hotspot bei U6: Jetzt hagelt es Strafen für Eltern-Taxis

An der U6-Station Gumpendorfer Straße kippt die Stimmung endgültig. Eltern bringen ihre Volksschulkinder aus Angst vor der offenen Drogenszene mit dem Auto zur Schule und kassieren dafür jetzt auch noch Strafzettel. Im Grätzl wächst die Wut, weil sich viele Familien im Stich gelassen fühlen. 

Wer frühmorgens bei der U6-Station Gumpendorfer Straße aussteigt, findet sich oft in einer Welt wieder, die mit dem Wiener Postkarten-Idyll rein gar nichts zu tun hat. Während die Stadt erwacht, herrscht rund um den Gürtel bereits der nackte Wahnsinn. Offener Drogenkonsum und Spritzen auf den Gehsteigen gehören hier zum traurigen Alltag. Mitten in diesem Elend versuchen Eltern aus dem 15. Bezirk, ihre Kinder sicher in die Volksschule zu bringen. Doch anstatt das Drogenproblem endlich in den Griff zu bekommen, sorgt die Stadt Wien nun mit saftigen Anzeigen für zusätzlichen Ärger bei jenen Müttern und Vätern, die ihre Kleinen mit dem Auto vor der Schule absetzen.

Angst vor dem täglichen Schulweg

Die Zustände rund um die Gumpendorfer Straße sind für die Anrainer und Geschäftsleute schon lange unerträglich geworden. Besonders hart trifft es jedoch die Jüngsten. Die sechs- bis zehnjährigen Volksschulkinder müssen mit ansehen, wie sich Süchtige in Hauseingängen und Parks die Nadel setzen. Viele Kinder sind durch diese verstörenden Bilder zutiefst verunsichert und haben regelrecht Angst davor, diesen Bereich zu betreten. Für viele Eltern ist es daher vollkommen ausgeschlossen, ihren Nachwuchs mit der U-Bahn zur Schule zu schicken. Sie sehen das Auto als letzten Ausweg, um ihre Kinder vor den Gefahren und dem Anblick der verheerenden Drogenszene zu schützen.

Finanzielle Watsche für Eltern-Taxis

Doch genau diese Vorsicht kommt die Familien nun teuer zu stehen. Eine betroffene Elternvereinsobfrau schlägt jetzt Alarm, da sie selbst eine Strafanzeige über 110 Euro erhalten hat. Ihr Vergehen war ein kurzes Anhalten an der Ecke Friesgasse und Fünfhausgasse, um ihr Kind sicher aussteigen zu lassen. Dieser Vorgang dauert nur wenige Sekunden, doch für die Behörden ist das Grund genug für eine dicke Strafe. In der Friesgasse herrscht zu dieser Zeit ein Einfahrtsverbot und Parkplätze oder eine sichere Zone zum Aussteigen sucht man hier vergeblich. Die Eltern stecken in einer Sackgasse, da sie entweder ihre Kinder durch die Spritzen-Hölle schicken oder tief in die eigene Tasche greifen müssen.

Strafanzeigen für Eltern beim kurzen Aussteigenlassen ihrer Volksschulkinder.

Strafanzeigen für Eltern beim kurzen Aussteigenlassen ihrer Volksschulkinder.

© zVg

Zorn über die Prioritäten der Stadtpolitik

In der Elternschaft macht sich mittlerweile massiver Unmut breit. Es ist für niemanden nachvollziehbar, warum die Polizei zwar personelle Ressourcen findet, um Eltern beim kurzen Aussteigen zu blitzen, aber offenbar nicht genug Beamte hat, um für einen sicheren Schulweg im Drogen-Hotspot zu sorgen. Während die Briefe mit den Strafen Tag für Tag in die Postkästen flattern, bleibt die Lage auf der Gumpendorfer Straße unverändert dramatisch.

Die Forderung der betroffenen Familien ist klar, denn sie verlangen eine sofortige Einstellung der Strafverfahren. Es könne nicht sein, dass die Stadt Wien jene bestraft, die unter den verfehlten Zuständen der Sicherheitslage am meisten leiden. Anstatt die Eltern abzukassieren, sollte die Politik lieber dafür sorgen, dass man in Wien wieder ohne Angst die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen kann.

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