Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) hat die Ehrung des Verlegers Wolfgang Dvorak-Stocker am Dinghofer-Symposium im November 2025 verteidigt.
In einer Anfragebeantwortung an die Grünen betonte er, dass dessen Leopold Stocker Verlag zahlreiche prämierte Publikationen aufweist. Der Grüne Abgeordnete Lukas Hammer kritisierte indes die Ehrung eines Verlags und Akteurs mit dokumentierten Verbindungen zu Rechtsextremismus, Antisemitismus und Holocaust-Leugnung.
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Dvorak-Stocker bzw. der Leopold Stocker Verlag erhielt im Rahmen der Veranstaltung den Franz-Dinghofer-Medienpreis. Hammer betonte in einem Statement gegenüber der APA, dass der Verlag Bücher von Holocaust-Leugnern wie David Irving vertreibt und Dvorak-Stocker mehrfach im Rechtsextremismusbericht erwähnt wurde. Auch das bereits mehrmals veranstaltete Dinghofer-Symposium stand im Vorfeld in der Kritik, ist es doch nach dem deutschnationalen Politiker Franz Dinghofer benannt. Er war in der Ersten Republik u. a. Dritter Nationalratspräsident und Vizekanzler; später laut Auskunft des Bundesarchivs in Berlin auch NSDAP-Mitglied.
Rosenkranz: Bücher des Verlags in gängigen Buchhandlungen
Veranstalter waren laut Parlament Rosenkranz und das Dinghofer-Institut. Der Nationalratspräsident meinte in der Anfragebeantwortung, dass es ihm nicht möglich sei, den gesamten Katalog des Leopold Stocker Verlags zu kennen. Der Verlag weise jedenfalls eine über 100-jährige Geschichte auf und gebe regelmäßig neue Fachbücher heraus - etwa in den Bereichen Landwirtschaft, Gesundheit oder Bauen und Recht.
Die Bücher seien denn auch in den gängigen Buchhandlungen erhältlich sowie in der Parlamentsbibliothek entlehnbar. Es gebe zudem zahlreiche prämierte Publikationen - auf der Website des Verlags finden sich darunter vor allem Kochbücher. Auch Ex-Landwirtschaftsminister und Vizekanzler Josef Riegler (ÖVP) habe beispielsweise in seiner aktiven Zeit in dem Verlag veröffentlicht. Rosenkranz gab in der Anfragebeantwortung an, nicht von den mehrfachen Erwähnungen Dvorak-Stockers im Rechtsextremismusbericht gewusst zu haben. Auf die Frage, ob er sich nun von den Inhalten distanziere, antwortete er, Meinungen und Einschätzungen seien nicht Teil des parlamentarischen Interpellationsrechts.
Grüne: Rosenkranz "rücktrittsreif"
Am Mittwoch wird die Antisemitismusstrategie im Nationalrat besprochen. Wenn die FPÖ Antisemitismus "wieder selektiv als 'importiertes' Problem darstellen will, sollte sie die Blicke auf ihren Nationalratspräsidenten wenden", kritisierte Hammer. Für ihn ist Rosenkranz "mehr als rücktrittsreif". Problematisch sei sowohl, dass dieser zu dem Symposium geladen habe, das den Namen eines radikalen Antisemiten trägt, als auch die Anfragebeantwortung.
Statt einer Distanzierung liefere der Nationalratspräsident nämlich Ausflüchte und Relativierungen, warf ihm Hammer vor. Der Verweis auf andere Bücher des Verlags, etwa jene über Landwirtschaft, zeige, dass er "anscheinend kein Problem mit diesen braunen Veröffentlichungen hat", behauptete der Grüne Abgeordnete. Auch die Verweigerung von Antworten aufgrund der Grenzen des Interpellationsrechts sei unangebracht; Rosenkranz dürfe sich bei Themen wie Rechtsextremismus und Antisemitismus nicht hinter Formalismen verstecken.