Stadtbezirk Gösting

Graz benannte Karl-Lueger- in Maria-Matzner-Straße um

Umbenennung zu Ehren von Widerständlerin gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus. 

Graz. Die Stadt Graz hat am Donnerstag mit der Enthüllung einer Straßentafel offiziell die Dr.-Karl-Lueger-Straße in Maria-Matzner-Straße umbenannt. Laut einer Mitteilung des Büros von Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) setze man damit den Umgang mit historisch schwer belasteten Straßennamen fort. Die neue Namensgeberin der Straße im Bezirk Gösting, Maria Matzner (1902-1987), war eine zentrale Figur des sozialdemokratischen Widerstands gegen Austrofaschismus und Nazis.

Lueger gilt als eine der zentralen politischen Figuren des institutionalisierten Antisemitismus in der Habsburgermonarchie. Sein Antisemitismus sei kein Randaspekt gewesen, sondern bewusst eingesetztes politisches Programm. Die nach ihm benannte Straße wurde von der Expertenkommission Straßennamen der Stadt Graz daher als "sehr problematisch" eingestuft. Die neue Namensgeberin Matzner war nach der Ausschaltung des Parlaments durch die Austrofaschisten 1934 und nach dem "Anschluss" Österreichs durch die Nazis mehrfach inhaftiert worden. 1946 wurde sie Landtagsabgeordnete, von 1950 bis 1962 war sie die erste Landesrätin in Österreich. Sie war maßgeblich an der Gründung der Volkshilfe Steiermark beteiligt.

Der Umbenennung waren ein längerer Beteiligungsprozess mit dem Bezirk sowie eine Stadtteilversammlung und Gespräche mit der Anrainerschaft vorausgegangen. In Graz wurden bisher 20 Straßennamen als "sehr problematisch" eingestuft. Bisher wurden unter anderem die Dr.-Muck-Anlage in den Ella-Fesch-Platz, die Dr.-Hans-Kloepfer-Straße in die Julia-Pongracic-Straße, die Kernstockgasse in die Maria-Stromberger-Gasse sowie die Max-Mell-Allee in die Aigner-Rollett-Allee umbenannt.

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